Elmendorf Blühstreifen oder Blühflächen, die Insekten Nahrung und Lebensraum bieten, werden schon seit einigen Jahren an vielen Stellen im Oldenburger Land angelegt. Jäger, Naturschutzverbände, Gemeindeverwaltungen, Landwirte und auch Privatleute wollen so dabei helfen, dem Insektensterben Einhalt zu gebieten.

Aber wo kommen die Insekten, die dort Lebensraum und Nahrung finden sollen eigentlich her, und wie finden sie die neuen Inseln? Das wird längst nicht bei allen Projekten berücksichtigt.

Anders ist das beim Biotopverbund Grasland, einem Forschungsprojekt, das seit 2017 vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen in Ovelgönne in Kooperation mit dem Naturschutzbund (Nabu) Oldenburger Land, der Landwirtschaftskammer und der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg umgesetzt wird.

Biotop-Austausch

„Es geht darum, einen genetischen Austausch zwischen verschiedenen artenreichen Grünland-Biotopen zu ermöglichen“, erklärt Mathias Paech vom Grünlandzentrum am Rande des schmalen Meesenwegs in Elmendorf.

Am Rand des Wegs, auf einem Maisacker und entlang einer Baumschulfläche wühlen gerade zwei Fahrzeuge die Erde auf ungefähr einem Meter Breite auf und bringen eine Saatgutmischung ein. Immer auf einer Höhe mit den beiden Fahrzeugen ist Dr. Parastoo Mahdavi.

Spezielle Mischung

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Oldenburg dokumentiert mit Fotoapparat und Block die Pflanzen, die sich jetzt bereits an den Gäben entlang der Landwirtschaftlichen Flächen befinden. Denn Blüten gibt es hier auch jetzt schon einige – allerdings nicht unbedingt die, die auch gebraucht werden. „Es reicht auch nicht, hier einfach irgendeine Blühflächen-Mischung einzusäen“, sagt sie.

Die Mischung, die Kristof Theilen und Tobias Hillmann vom Zwischenahner Gartenbauunternehmen Theilen hier einsäen, ist deshalb auf die Pflanzen abgestimmt, die es auch auf den beiden artenreichen Grünlandflächen gibt, die hier mit einer Art Landstraße für Insekten verbunden werden sollen.

Die insgesamt ungefähr einen Kilometer lange Strecke wird Mahdavi in den kommenden Monaten und Jahren häufiger besuchen. Dabei wird sie zum einen nach den neuen Pflanzen Ausschau halten, besonders aber natürlich auch nach Insekten. Und in diesem Fall geht es mal nicht um die oft erwähnten Bienen, sondern um Tagfalter und Heuschrecken. Dem Tagfalter, so erklärt die Wissenschaftlerin, gilt ihr Interesse weil er ein relativ mobiles Insekt ist. Die Heuschrecke – die nicht fliegt, sondern nur springt – gilt dagegen als „halbmobiles“ Insekt. Wenn diese Insekten hier vermehrt zu finden sind, ist das ein Anzeichen für einen Erfolg des Blühstreifens.

Konflikte entzerren

Damit dieser Erfolg sich einstellt, braucht es Unterstützung, erläutert Paech. Denn natürlich hätten Landwirte einen anderen Anspruch an die Flächen als Insekten. „Uns geht es darum, die Konflikte, die durch verschiedene Ansprüche entstehen, zu entzerren. Das Thema Artenvielfalt soll unter Berücksichtigung aller Ansprüche neu gedacht werden. Das geht nur, wenn wir einen Lösungsweg gemeinsam mit allen Akteuren entwickeln.“ In Elmendorf funktioniert das: „Joachim Ahlers, der den Maisacker bewirtschaftet, hat uns einen Teil der Fläche zur Verfügung gestellt.“ Ebenso dabei sind die Firma Bruns Pflanzen, die Gemeinde Bad Zwischenahn und andere Anlieger.

Dauerhafte Pflege

Denn die Flächen müssen nicht nur zur Verfügung gestellt werden, sie müssen auch dauerhaft gepflegt und geschützt werden. „Damit sich der Biotopverbund auf Dauer stabilisieren kann, muss spät gemäht werden, damit die Samen der Pflanzen reif werden und sich weiter versähen können“, erklärt Mahdavi. Am Meesenweg ist erst für den Herbst ein Pflegeschnitt der Flächen vorgesehen, vorher sollen sich die jetzt eingesäten Pflanzen entwickeln können.

Vergleichsmöglichkeiten gewinnt der Biotopverbund Grasland durch mehrere Projektgebiete in den Landkreisen Ammerland, Oldenburg und Wesermarsch, die alle einen unterschiedlich hohen Grünlandanteil aufweisen.

Der Biotopverbund wird für insgesamt 39 Monate von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. Für das Projekt in Elmendorf gab es zudem finanzielle Unterstützung durch die Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.