Detroit (dpa/tmn) - Es ist kalt in Detroit, und zwar nicht nur draußen, wo der eisige Winter die Stadt im US-Staat Michigan fest im Griff hat. Auch drinnen in der Cobo-Hall zeigen viele Menschen frostige Gesichter.

Es ist zwar Motorshow in Motown (14. bis 27. Januar), doch zum Feiern ist kaum jemandem zumute - zu groß sind die Lücken zwischen den Ständen, zu leer die Gänge, zu wenige Premieren sind auf der einst wichtigsten PS-Messe auf dem größten Automarkt der Welt zu sehen.

Mercedes und BMW verzichten auf Detroit

Insbesondere die deutschen Autohersteller haben Detroit den Rücken gekehrt, selbst wenn sie reichlich Neues zu bieten hätten. Mercedes, zuletzt immer der größte Publikumsmagnet in der Cobo-Hall, hat seinen neuen CLA zum Beispiel kurz zuvor auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas präsentiert. BMW zeigt den frisch gelifteten 7er lieber in China. Audi wartet mit der Enthüllung des E-Tron Sportback bis zum Genfer Salon im März. Dort wird auch das neue Porsche 911 Cabrio zu sehen sein, von dem der Hersteller aber bereits Fotos verbreitet hat.

VW hingegen zog in Detroit das Tuch von einem Auto, das jenseits des Atlantiks große Bedeutung für Volkswagen hat, schließlich ist es explizit für die USA entwickelt worden: der neue Passat. Während es in Europa nur ein Facelift gibt und sich die US-Hersteller nach und nach aus diesem Segment verabschieden, hat VW die Mittelklasse-Limousine für die Mittelschicht komplett erneuert, ihr ein sportlicheres Design sowie ein aufgemöbeltes Interieur verpasst.

Asiatische Hersteller stark vertreten

Die Lücken auf der Messe füllen 2019 vor allem die Asiaten, allen voran Toyota. Die Japaner zeigen die Serienfassung des gemeinsam mit dem BMW Z4 entwickelten Supra, der im Sommer für 62.900 Euro seine Rückkehr als Sportcoupé feiert. Zudem liebäugeln sie mit der Studie für einen offenen LC auch mit dem Comeback eines großen Cabrios.

Nissan macht sich Gedanken, was es für Alternativen zum SUV geben könnte und bockt dafür eine Limousine auf. Die Fließheckstudie IMs soll für schmutzige Strecken vorbereitet sein, ist zugleich aber auf sauber getrimmt: Der Fünfsitzer fährt rein elektrisch. Genauso wie der Infiniti QX Inspiration, der die Kunden der Nissan-Schwester auf das erste SUV der Marke einstimmen soll, das nur noch aus Akkus heraus angetrieben wird und binnen drei bis vier Jahren zu den Händlern kommen soll.

US-Marken sorgen für Show-Highlights

Die "Big Three" in Detroit - Ford, General Motors und Chrysler - fahren zumindest teilweise groß auf. Bei Ford gibt es zum Beispiel den besonders leistungsstarken Mustang Shelby GT500 zu sehen, dessen 5,2 Liter großer V8-Motor es auf mehr als 515 kW/700 PS bringt. Außerdem zeigt der Konzern den neuen Explorer. Der meistverkaufte Geländewagen der USA bekommt ein frisches Design, mehr Assistenten, neue Motoren mit bis zu 268 kW/365 PS und die Aussicht auf eine Transatlantik-Passage: Informationen aus Unternehmenskreisen zufolge will Ford den Explorer auch offiziell wieder in Europa anbieten.

Ebenfalls eine europäische Perspektive gibt es für den neuen Cadillac XT6, der als serienmäßiger Sechssitzer im Geländewagen-Programm des Herstellers die Lücke zwischen dem XT5 und dem riesigen Escalade schließen soll. Während der von einem 3,6 Liter großen V6-Motor mit 229 kW/310 PS angetriebene Konkurrent von Mercedes GLE und BMW X5 in den USA allerdings schon im Sommer 2019 auf den Markt kommt, ist die Markteinführung östlich des Atlantiks frühestens für 2020 geplant.

VW kooperiert bei Amarok mit Ford

Für die Statistik wichtig, für den Export aber irrelevant sind die neuen Mid-Size-Pick-Ups der GM-Marken GMC und Chevrolet sowie die nächste Generation des Ram von FiatChrysler, die in der Gunst der US-Kunden weit vorne stehen. Trotzdem könnte dieses Segment auch für Deutschland wichtig werden. Denn auch Ford will im Bereich unterhalb des F-150 sein Angebot erneuern und dafür mit VW kooperieren, so dass sich die Modelle Ranger und Amarok künftig eine Plattform teilen.

Zwar verschafft sich VW damit Zugang zu dem für solche Pritschenwagen extrem wichtigen US-Markt, beerdigt so aber auch die Pläne für eine entsprechende Karosserievariante des US-Geländewagens Atlas, die vor Jahresfrist enthüllt wurde. "Denn zwei unterschiedliche Autos im gleichen Segment ergeben keinen Sinn", sagte Vorstandschef Herbert Diess.

Zwar war die Tristesse schon einmal schlimmer, doch reicht in Detroit das Premierenprogramm 2019 kaum für große Impulse. Ob es künftig wieder mehr Premieren gibt auf der Motor Show, vermag noch niemand zu sagen. Nur eines ist sicher: Die Eiszeit in Detroit ist 2020 vorbei, zumindest vor der Cobo-Hall - dann findet die Messe im Juni statt.

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