Berlin (dpa-infocom) - Mitsubishi stemmt sich gegen die Schwemme der SUV. Zwar haben die Japaner selbst mehrere Geländewagen im Programm. Doch meint man es ernst mit Abenteuer oder Arbeit, dann empfehlen sie seit mittlerweile 40 Jahren einen halbwegs handlichen Pick-up.

In Thailand als Triton gebaut und in der ganzen Welt zu Hause, wird er bei uns als L200 angeboten und geht im nächsten Sommer zu Schätzpreisen ab 24.000 Euro in die nächste Runde.

Außen rustikaler

Um ihn von den Lifestyle-Lastern abzugrenzen und den robusten Charakter zu stärken, haben die Designer den L200 noch rustikaler gezeichnet: Die Haube wurde angehoben. Der von LED-Scheinwerfern flankierte Grill ist kantig. Die zwei senkrechten Falten in der Front wirken zusammen mit dem Tagfahrlicht wie die Hörner eines Bullen, und die Flanken haben mehr Muskeln als bei manchem Sportwagen.

Leiter des Erfolges

Aber der L200 sieht nicht nur rustikal aus, auch seine Konstruktion ist kernig. Denn während die Karosserie der meisten SUV sich selbst tragen muss und entsprechend fragil ist, ruht der L200 auf einem Leiterrahmen.

Dazu gibt es auch Starrachsen, Blattfedern und hinten Trommelbremsen - ein Anachronismus, der nur den schweren Lasten und vor allem den Kosten geschuldet ist. Denn so billig diese Technik ist, so bockig ist das Auto damit auch. So bringt den Wagen zwar im Gelände nichts und niemand an seine Grenzen, doch auf der Straße wirkt er entsprechend sperrig.

Ein Diesel nach altem Schrot und Korn

Auch der Motor ist aufrichtig: Wie der Vorgänger kommt der L200 mit einem 2,4 Liter großen Vierzylinder-Diesel. Dieser kündet ziemlich lautstark von seiner Leistung und schüttelt sich bisweilen wie ein Hund nach dem Bad. Unter lautem Knurren leistet er 133 kW/181 PS und wuchtet den 5,30 Meter langen Pick-up mit 430 Nm voran.

Finale Daten gibt es neun Monate vor der Markteinführung noch nicht, zumal sich selbst die Leistung auf dem Weg nach Europa noch ändern könnte. Doch viel weniger als zwölf Sekunden von 0 auf 100 km/h und viel mehr als 180 Sachen dürften nicht drin sein. Und wenn man den Vorgänger zum Maßstab nimmt, wird auch der neue knappe sieben Liter verbrauchen.

Allrad für Arbeit und Abenteuer

Wo viele Geländewagen heute nicht einmal mehr einen konventionellen Allradantrieb haben, leistet sich der L200 auch in dieser Disziplin eine Technik mit erhöhtem Durchhaltevermögen: Auf Asphalt ist der Pick-up zugunsten von Wendekreisen und Verbrauch mit Hinterrad-Antrieb unterwegs. Aber mit nur einem Knopfdruck lässt sich die Vorderachse zuschalten und zudem eine Getriebeuntersetzung für noch mehr Kraft bei niedrigen Tempo aktivieren.

Außerdem gibt es zum ersten Mal auch elektronische Assistenten wie eine Bergabfahrhilfe oder Fahrprogramme für Schlamm, Sand, Schotter oder Felsen.

Modernisiertes Ambiente und neue Assistenten

Auch in der Kabine wagt Mitsubishi den Flirt mit der Moderne: Zwar sind ein paar glitzernde Kunststoffrähmchen zu wenig, um den schnöden Charme eines Nutzfahrzeugs aufzuwerten. Doch holen die Japaner ein paar Assistenz- und Komfortsysteme in den Pick-up, die man sonst eher aus dem Pkw kennt. So gibt es eine automatische Notbremse. Kameras überwachen den toten Winkel und zeigen den Wagen beim Rangieren aus der Vogelperspektive, und der Schlüssel bleibt in der Tasche.

Wo der L200 dagegen versagt, ist beim Infotainment: Die Instrumente sind schlicht, der Touchscreen daneben winzig und anstatt mit Apple CarPlay oder Android Auto prahlen die Japaner mit zwei USB-Buchsen.

Mehr Platz als jedes SUV

Dafür allerdings punktet der Pick-up mit mehr Platz als bei den allermeisten Geländewagen. Die Pritsche fasst mehr Ladung als der größte Kofferraum und in der ersten Reihe sitzt man wie der King of the Road.

Wie viel Platz man im Fond hat, hängt dagegen von der Kabine ab. Denn Mitsubishi baut den L200 in drei Varianten - als Single Cab mit zwei Türen und zwei Sitzen, als Crew Cab mit gegenläufig angeschlagenen Zusatztüren und einer notdürftigen Bank und als Club Cab mit vier großen Türen und fünf vollwertigen Sitzen.

Fazit: Ein SUV mit Charakter und Tatendrang

Natürlich kann auch der neue L200 nicht ernsthaft mit einem modernen SUV mithalten - dafür sind die Konstruktion zu altbacken, das Fahrgefühl zu rustikal, die Fahrleistungen zu mager, das Ambiente zu schlicht und der Antrieb zu schwach. Doch unter den Pick-ups machen die Japaner einen großen Schritt. Und wer ein SUV mit Charakter sucht, das sich für Arbeit und Abenteuer nicht zu schade ist, der wird kaum etwas billigeres finden als einen Pick-up wie den L200.

Datenblatt: Mitsubishi L200

Motor und Antrieb: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel
Hubraum: 2442 ccm
Max. Leistung: 133 kW/181 PS bei 3500 U/min
Max. Drehmoment: 430 Nm bei 2500 U/min
Antrieb: Allradantrieb zuschaltbar
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Maße und Gewichte
Länge: 5300 mm
Breite: 1815 mm
Höhe: 1795 mm
Radstand: 3000 mm
Leergewicht: k.A.
Zuladung: k.A.
Kofferraumvolumen: k.A.
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: ca. 180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: ca. 12 s
Durchschnittsverbrauch: ca. 7,0 Liter/100 km
Reichweite: k.A.
CO2-Emission: k.A.
Kraftstoff: Diesel
Schadstoffklasse: k.A.
Energieeffizienzklasse: k.A.
Kosten
Basispreis des Mitsubishi L200: ca. 24 000 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: k.A.
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit: Vier Airbags, LED-Scheinwerfer, Allradantrieb zuschaltbar
Komfort: Klimaanlage, Schlüsselloses Zugangssystem, elektrische Fensterheber
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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