Sind Oldtimer noch eine gute Geldanlage?

Das lässt sich pauschal nicht gewinnbringend beantworten. Gesetzte Ikonen aus dem Kleinwagenbereich der Fünf- ziger- bis Siebzigerjahre sind sicher eine gute Geldanlage, sofern man denn überhaupt ein Exemplar erwischt. Sind erst einmal die Bastelbuden vollständig verschwunden, sollten Käfer, Ente, R4 und Fiat 500 für weitere Wertzuwächse gut sein. Nur werden sie gewiss nicht die Fantasiepreise erzielen, auf die es die Microcars der Fünfziger und Sechziger vorwiegend in den USA geschafft haben. Messerschmitt Tiger zum Beispiel, Zündapp Janus oder auch der Peel P50. Kleiner wird’s nicht – in jeder Hinsicht. Auch Roadster der Sechziger und Siebziger aus England sehe ich im Aufwind für die nächsten zehn Jahre; zurzeit weht immerhin ein laues Lüftchen.

Wie steht es um deutsche Qualitätsmarken ?

Deutsche Markenware ist grundsätzlich eine sichere Bank, nur ohne Negativzinsen. Wenn ein Stern draufsteckt – sowieso. Den größten Wertzuwachs hat aktuell BMW hingelegt. Kein Wunder, finde mal einen guten 2800 CS / 3.0 CSI oder auch nur eine rostfreie Limo vom Typ E 3! Franzosen und Italiener sind hingegen immer schwierig zu bekommen, zumindest im Brot-und-Butter-Bereich. Peugeot, Citroën und Renault haben eine eingeschworene Fangemeinde. Aber meistens hast Du – wie auch bei fast allen Fiat – nach dem Kauf einen Freund fürs Leben: Du wirst ihn nie wieder los.

Offene Mercedes der Sechzigerjahre oder Porsche 911 – einst Spontankäufe auf der Messe. Hat sich das Kaufverhalten verändert ?

Ich glaube, dass sich der Markt mittelfristig konsolidiert. Spontankäufe zu Spitzenpreisen von der Messe weg – wie einst bei den besagten Mercedes-Modellen oder beim Porsche 911 – wird es vorerst nicht geben. Die Elfer sind auf ein halbwegs normales Preisniveau an der hochspekulativen Oldie-Börse gerutscht, der Vierzylinder-912 für 65 000 Euro ist Geschichte aus der Zeit 2016 bis 2018. Selbst MB-Pagoden sind 2019/20 wieder im fünfstelligen Euro-Bereich ausgezeichnet. Und das ist gut so. Heute investiert der smarte Finanzjongleur mit einem Carbon-Rennrad in Dinge, von denen er hoffentlich mehr Ahnung hat. Der Automann mit Benzin im Blut dagegen kennt den Markt, zahlt ohnehin keine Fantasiepreise und schaut künftig verschärft auf die Historie.

Was bedeutet das konkret?

Weil sich der Oldie-Normalo nur am Rande für Preisrekorde bei Flügeltürern, Italo-Exoten oder Stehzeug-Studien interessiert, rücken die grundsoliden Achtzigerjahre in den Fokus: Opas heiß geliebter 124er, Scheckheft lückenlos MB, 128 000 ehrliche Kilometer: Der fährt auf Zuwachs. Am besten mit makellosem Body in Liasgrau, Malachitgrün, Bornit oder tatsächlich 485 Rosenholz. Im Internet tummeln sie sich schon bestens organisiert und informiert, die Youngtimerfreaks mit dem Hang zum außergewöhnlich Biederen. Die Generation 35plus kennt noch das Willkommen-zu-Hause-Gefühl. Was jünger ist, fährt Smartphone.

Zur Person:

Karl-August Almstadt

geboren 1951 in

Delmenhorst

Volontariat bei der NWZ,

danach Motorjournalist Bauer-Verlag, Hamburg.


1986 Gründungsmitglied AUTO BILD, Axel Springer Verlag

1988 bis 2011 Chefredaktion AUTO BILD

seit 2011: Im Ruhestand, lebt in Seevetal bei Hamburg

NWZ-Auto.de
Finden Sie Ihr Traumauto auf NWZ-Auto.de!

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.