Westerstede Sie sind kastriert, gechipt und auf Menschen fixiert, sie heißen Rudi, Lilli, Stinkypete, Lui, Tante Käthe, Alfi und Paul – und sie sind alle binnen acht Wochen nacheinander entlang des Garnholter Damms in Garnholt (Westerstede) spurlos verschwunden. „Wir machen uns inzwischen wirklich große Sorgen und der Dorffrieden ist empfindlich gestört“, sagt Konstanze Lohmann, die ihren Kater Alfi seit Sonntag, 22. September, vermisst. Alle Katzen bewegten sich zwar frei in der Umgebung, „aber sie kamen täglich zum Fressen ins Haus, einige blieben auch über Nacht im Haus der Besitzer“, so die 52-Jährige.

Rudi vermisst

Bereits Mitte August verschwand mit Rudi der erste Kater – da sei man noch nicht argwöhnisch geworden, denn dass Katzen etwas zustoßen könne, sei allen Betroffenen durchaus klar. Doch seit dem 24. August fehlt auch von Lilli jede Spur. Wieder zwei Wochen später, am 9. September, verschwand Kater Stinkypete von Wiebke Brumund: „Unser Vierbeiner kommt sonst jeden Tag zweimal ins Haus zum Fressen – und plötzlich war er nicht mehr da!“ 14 Tage später verschwanden schließlich drei Katzen an einem Wochenende, zwei davon in unmittelbarer Nachbarschaft. Und seit Sonntag, 5. Oktober, wird mit Kater Paul der vorerst letzte Vierbeiner aus dem Umkreis vermisst: „Der begleitet normalerweise seine Besitzerin jeden Abend beim Zubettgehen, aber plötzlich wollte er raus“, berichtet Konstanze Lohmann.

Nachfrage bei Jägern

Die betroffenen Katzeneigentümer haben den Bereich entlang der Raschenstraße und des Garnholter Damms inzwischen mehrfach weitläufig abgesucht und sind die Felder abgelaufen – immer in der Hoffnung, eine Spur zu finden – doch vergebens. „Wir wissen einfach nicht, was unseren Lieblingen zugestoßen ist – und diese Ungewissheit ist schrecklich“, bringt es Lohmann auf den Punkt. Auch bei der Jägerschaft habe man sich erkundigt, doch es heißt, dass Katzen weder in den aufgestellten Lebendfallen gefunden worden seien noch geschossen wurden. Denn was viele nicht wissen: Jäger dürfen verwilderte Katzen laut Jagdgesetz schießen, wenn sie sie weiter als 300 Meter entfernt von Wohngebäuden antreffen.

Polizei informiert

Bereits Ende September hatten Lohmann und Brumund die Vorfälle der Polizei Westerstede, dem Tierschutzverein Ammerland und Tasso, einem Verein, der sich um entlaufene Tiere kümmert, gemeldet – ebenfalls ohne Erfolg. Polizeikommissar Heinz Baumann räumt ein: „Dass so viele Katzen in einem Gebiet verschwinden, ist schon sehr auffällig.“ Ähnliches habe er im Ammerland noch nicht erlebt. Allerdings hält Baumann Befürchtungen, dass die Katzen Tierfängern zum Opfer gefallen sind, für unwahrscheinlich: „Tierversuchslabore züchten ihre eigenen Tiere.“ In den vergangenen Jahrzehnten sind kaum Fälle bekannt geworden, in denen ein organisierter Diebstahl von Haustieren im großen Stil nachgewiesen werden konnte, schon gar nicht in Deutschland.

Verschwunden

Die vermissten Katzen: Mitte August: Am Harmsloh 1, Kater Rudi Samstag: 24. August, Raschenstraße 19: Katze Lilli Montag, 9. September, Garnholter Straße 1 - Kater Stinkypete Samstag, 21. September, Raschenstraße 17 a: Kater Lui Samstag, 21. September, Garnholter Straße 2: Katze Tante Käthe Sonntag: 22. September Garnholterdamm 1: Kater Alfi Samstag 5. Oktober, Schoopadd 1: Kater Paul.

Laut EU-Gesetz müssen Labore ihre Versuchstiere von kontrollierten und zertifizierten Züchtern beziehen. Bisher hat die Polizei Westerstede noch keine Hinweise erhalten, die aufklären könnten, was den vermissten Vierbeinern zugestoßen sein könnte: „Es scheint eine Vor-Ort-Problematik zu sein. Anwohner und Nachbarn, die zur Straßengemeinschaft gehören, sollten weiterhin die Augen offen halten und uns gegebenenfalls informieren“, so Baumann.

Doch das ändert nichts an den Sorgen und Befürchtungen der Anwohner: Wiebke Brumund hat erste Konsequenzen gezogen: „Meine zweite Katze Mia darf momentan nicht aus dem Haus“, sagt sie.

Katja Lüers Redakteurin / Redaktion Westerstede
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