Westerstede Wie heißt es so schön: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Ob’s stimmt? Sicher ist auf jeden Fall: Keine Schwalbe macht den Sommer anstrengender, denn die Flugkünstler jagen mit Vorliebe Fliegen und Mücken und damit eben jenes lästiges Getier, das beim Grillen im Garten und Badesee-Besuchen ziemlich auf die Nerven geht. Doch die nützlichen Insektenjäger haben’s schwer – was nun den Nabu Westerstede auf den Plan ruft.

Insektenfresser

Schwalben sind laut Nabu wahre Flugkünstler und fangen ihre Nahrung in der Luft. Mücken und Fliegen sind ihre bevorzugte Speise, aber auch mal Käfer oder Libellen. Sowohl im Garten als auch auf dem Balkon kann viel getan werden, um Insekten anzulocken und so den Tisch für Schwalben, aber auch alle anderen Vögeln reich zu decken: Pflanzen mit unterschiedlichen Blüh-Zeiten, „wilde Ecken“ mit Wildkräutern und Unkraut, aber auch Kompost-, Reisig- und Laubhaufen können helfen. Ebenso wichtig sind Teiche oder kleine Wasserstellen. Gleichzeitig sollte auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet werden.

Nisthilfe

Da Schwalbennester an modernen, glatten Hausfassaden nicht gut haften, hilft es, als Nestgrundlage Brettchen anzubringen, die mit Kaninchendraht überzogen sind. Manchmal genügt auch schon ein 10 bis 15 Zentimeter breiter, weiß gestrichener Rauputzstreifen unter dem Dachvorsprung. Zudem ist es ratsam, im Garten Lehmpfützen anzulegen, damit die Schwalben ihre Nester bauen können.

Kunstnester sollten für Mehlschwalben geschützt an Gebäuden unter dem Dachgiebel, an Garagen oder Stallungen in mindestens 2,5 Meter Höhe angebracht werden. Rauchschwalben mögen zugluftfreie, möglichst halbdunkle Räume wie Ställe oder Scheunen. Sie brauchen mindestens 15 Zentimeter Platz zwischen Nestoberkante und Decke und bauen ab einer Höhe von zwei Metern. Wer Kot an der Hauswand verhindern möchte, kann rund 60 Zentimeter unter den Nestern Kotbretter anbringen. Der Kot ist übrigens laut Nabu hervorragend als Blumendünger geeignet.

Schwalbennester sind durch das Bundesnaturschutzgesetzt geschützt. Die Entfernung oder Zerstörung der Nester wird nur in begründeten Ausnahmefällen gestattet, ansonsten drohen Bußgelder. Wer Schwalbennester entfernen möchte und Infos benötigt, kann sich an die Behörden wenden.

    www.nabu-oldenburg.org

    www.nabu.de

Die Ortsgruppe will die Werbetrommel für die Schwalben rühren, die in den kommenden Wochen aus dem Winterquartier südlich der Sahara zurückkehren. Rund 4000 Kilometer legen sie dafür zurück. In Westerstede und umzu angekommen, gibt’s für die Flugkünstler allerdings ein Problem: fehlender Wohnraum. Durch Haussanierungen verschwinden immer mehr Nester. Gleichzeitig werden Nistmöglichkeiten gern verwehrt, denn bei vielen Hausbesitzern hört die Liebe zur Vogelwelt angesichts der mit Mehlschwalbenkot verschmutzten Hauswände schnell auf.

Lehm für Nester

Moderne Viehställe und Scheunen unterliegen darüber hinaus oft strengen Hygieneanforderungen und sind oft verschlossen, bieten also für Rauchschwalben keine Einflugmöglichkeiten mehr. Gleichzeitig verschwinden immer mehr Pfützen und Matsch-Areale – und damit immer mehr Bereiche, in denen die Schwalben Lehm für ihre Nester finden können.

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Damit sich das ändert und mehr Menschen erfahren, dass Schwalben nützlich und gefährdet sind, erläutert am Donnerstag, 14. März, Diplom-Biologin Elisabeth Woesner vom Nabu Oldenburg im Jaspershof, Zum Stiftungspark 27 in Westerstede. Los geht’s um 19.30 Uhr, alle Interessierten sind willkommen. An dem Abend erfahren die Zuhörer Wissenswertes rund um den Schutz der Vögel. „Bei dieser Gelegenheit können auch die ersten der künstlichen Nisthilfen für Rauch- und Mehlschwalben besichtigt und dank der Förderung durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung sogar kostenlos mitgenommen werden“, weiß Renate Merkel vom Nabu Westerstede zu berichten.

Aufklärung

Wer am Donnerstag kein Nest mit nach Hause nehmen kann, der sollte sich Samstag, 23. März, vormerken. Denn dann werden von 10 bis 13 Uhr auf dem Grundstück Gaststraße 15 (ehemalige Fleischerei Orlik-Brand, gegenüber der Apothekervilla) in Westerstede weitere kostenfreie Nester verteilt. Insgesamt stehen 100 Mehlschwalbennester (Doppelnester) mit Kotbrettern und 50 einfache Rauchschwalbennester zur Verfügung. Dazu gibt es allerlei Info-Material rund um die Vielflieger. „Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung unterstützt die aktuelle Aktion zum Schwalbenschutz in Westerstede und Umgebung mit 3910 Euro“, freut sich Renate Merkel. Die künstlichen Nester, so erläuterte Renate Merkel, könnten verloren gegangene natürliche Nistplätze ersetzen – und andere Schwalben anlocken, sich ebenfalls an dem Brutplatz niederzulassen. Wer unter den Nestern Kotbretter anbringt, muss sich auch nicht um eine mögliche Fassaden-Verschmutzung sorgen, erinnert der Nabu.

Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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