Westerstede /Ammerland Bei anhaltender Trockenheit könnte Deutschland nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf einen weiteren Dürresommer zusteuern. „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden“, sagte der Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch, in Offenbach. Eine Nachricht, mit der die NWZvor wenigen Tagen titelte und damit klar machte, was da kommen kann: Extreme Hitze und Trockenheit.

Doch was bedeutet das für die Landwirte im Ammerland? Wie blicken sie auf das, was da womöglich noch kommt? Und wie schätzen sie die aktuelle Situation in diesem Frühjahr ein? Fragen, mit denen sich die NWZan den Ammerländer Landvolkverband wandte. Dort konnte Dr. Tatjana Hoppe, im Verband zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, mitteilen: „Die Wasservorräte im Boden konnten nach dem letzten viel zu trockenen Jahr über Winter nicht wieder aufgefüllt werden. Dies hat zur Folge, dass in erster Linie die oberste Bodenschicht von den gefallenen Regenmengen im März profitiert.“ Sowohl die Kulturen auf Äckern (Wintergetreide und Ackergras) als auch das Grünland zeigten daher trotz des extrem trockenen Aprils noch keine Trockenheitsschäden. Und noch einen Vorteil hatte der trockene Boden von vor wenigen Tagen: Die Bestellung der Felder im Frühjahr war einfach, da die Flächen gut befahren werden konnten. Durch das nun aufgekommene wechselhafte, kühlere Wetter mit Regenfällen ist die Stimmung der Landwirtschaft „insgesamt noch optimistisch“, so Tatjana Hoppe.

Ackergras geerntet

Und: Einige Landwirte haben ihr Ackergras bereits geerntet. Auch Landwirt Arno Oeltjen aus Westerloy hat den 1. Schnitt, zwar mit geringeren Erträgen, bereits am 20. April eingefahren aus Sorge, dass der qualitativ hochwertige Bestand vertrocknet. „Eine abgeerntete Fläche benötigt weniger Wasser als ein vollständiger Grasbestand. Witterungsschwankungen gehören aber zum unternehmerischen Risiko, damit müssen wir umgehen.“

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Auch Manfred Gerken, Vorsitzender des Ammerländer Landvolkverbandes, ist aufgrund der Wetterprognose zuversichtlich. Jüngst seien vier Liter pro Quadratmeter Niederschläge gefallen und weitere Schauer seien angesagt. Langfristige Vorhersagen seien aber nicht seriös.

Produktionsprozess

Schlussendlich weiß Manfred Gerken zu berichten, dass der erste Schnitt für die Grassilagebereitung in diesem Jahr 14 Tage bis 4 Wochen früher möglich gewesen sei. „Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass dieser erste Schnitt vielfach das Futterdefizit ausgleichen muss, das im letzten Jahr aufgrund der Trockenheit entstanden ist.“ Und das war massiv: Im August berichtete die NWZ, dass je nach Region im Ammerland extreme Ernteeinbußen bei Heu und Grassilage gemeldet worden waren. Die Landwirte mussten bereits Wintervorräte verfüttern – und die Preise explodierten. Für einen Siloballen, der im Frühjahr 2018 noch 25 Euro gekostet hatte, wurde im August bereits 75 Euro bezahlt. Auch der Mais wurde mit großen Verlusten eingefahren, die Kolben waren zu klein. Manche Landwirte mussten Tiere verkaufen, um die Futterkosten zu reduzieren.

Kann man daraus für die Zukunft lernen? Tatjana Hoppe führt aus, dass die überwiegende Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Ammerland Milchvieh- bzw. Futterbaubetriebe sind. Sie könnten nicht kurzfristig Produktionsumstellungen vornehmen, um auf Trockenheit zu reagieren. „Es gibt zwar mittlerweile Trockenheitsversicherungen, die jedoch, da Trockenheit eine großräumigere Erscheinung ist – im Gegensatz z.B. zu Hagelschäden – und daher immer deutlich mehr Betriebe betrifft, sehr teuer ist.“

Neues Saatgut?

Laut Tatjana Hoppe wird derzeit vielfältig an der Entwicklung trockenheitsverträglicher Sorten gearbeitet, sodass die Landwirte hier zukünftig auch bei der Auswahl des Saatgutes mehr Möglichkeiten hätten. „Allerdings ist eine langfristige Wettervorhersage zum Zeitpunkt der Aussaat nicht möglich. Es bleibt zu hoffen, dass in diesem Jahr wieder ausreichend Niederschläge fallen. Der Vorsprung der Pflanzenentwicklung durch die für diese Jahreszeit hohen Temperaturen hat für die Landwirte schließlich auch Vorteile.“

Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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