Wiefelstede Ruhig blickt Dennis Schellstede (32) über das weite Feld hinter der Biogasanlage im Wiefelsteder Ortsteil Hassel. Hinten, kurz vor dem nächsten Hof, hat er etwas entdeckt. Er nimmt sein Fernglas hoch und schaut hindurch. „Nilgänse“, erkennt der Fachmann. Die haben es sich auf der Wiese gemütlich gemacht.

Biotop angelegt

Gemeinsam mit seiner Freundin Deike Gerdes (28) ist Dennis Schellstede im Revier Mollberg unterwegs. Die beiden sind erst seit April vergangenen Jahres offiziell Jungjäger, nachdem sie einen Langzeitkurs absolviert und den Jagdschein erhalten haben. Den beiden zur Seite steht der langjährige Jäger Michael Sander, Schriftführer beim Hegering Wiefelstede. Sander ist einer der drei Jagdpächter des Reviers Mollberg – und ziemlich stolz auf die ambitionierten Jungjäger.

Hinter der Biogasanlage hat Dennis Schellstede aus Eigeninitiative schon ein Biotop angelegt. Neben einem kleinen Teich wächst Getreide und Mais, ein Damm aus Sand gibt Schutz. „Hier ist eine Ricke mit ihrem Kitz langgelaufen“, sagt Sander und deutet auf die Spuren im Sand. Aber auch Hase und Fasan fühlen sich hier wohl. Als Jäger schießt man nicht nur Wild, sondern kümmert sich auch um die Pflege von Flora und Fauna.

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Aber warum wird man eigentlich Jäger? Bis zum Jagdschein ist es ja ein weiter Weg – und dazu gibt es eine ganze Menge zu pauken. Wildtierkunde, Waffenkunde, Jagdrecht. Dazu beispielsweise auch Wildkrankheiten, Naturschutz, Hunde und Jagdbetrieb. „Der Wunsch war schon länger da“, meint Dennis Schellstede. Auch seine Freundin wollte das Thema mal anpacken. „Es ist einfach eine schöne Aufgabe zu zweit“, fügt Schellstede hinzu. „Wir gehen beide gerne raus und haben nun ein gemeinsames Projekt.“

Nach dem Kurs ist aber vor dem Kurs: Im Revier wird weiter praktisch gelernt. „Erst schauen, dann machen“, sagt Schellstede und schmunzelt. Jäger Michael Sander zeigt wie es geht. Erst nach drei Jahren sind Jungjäger auch Jagdpacht-fähig.

„In den letzten fünf bis sechs Jahren hat es sich deutlich verbessert, dass sich hier wirklich Jungjäger einbringen“, sagt Sander. Die Anzahl der Frauen sei in Wiefelstede gering, insgesamt kämen aber immer mehr dazu. „Es ist definitiv keine Männerdomäne“, betont Michael Sander. Die jungen Jäger bringen frische Gedanken in die Arbeit ein, freut er sich. Kontakte knüpfen kann man auf einem Jagdtag: Da treffe man viele unterschiedliche Leute, meint Schellstede. Arzt, Banker, Rechtsanwalt und Landwirt sitzen dann an einem Tisch.

Seit sie den Jagdschein habe, schaue sie anders auf die Natur, meint Deike Gerdes. „Ich kenne mich nun besser in der Pflanzenwelt aus.“ Und auch das Verhalten von Rehen könne sie besser nachvollziehen. „Man sieht den Lauf der Natur einfach anders“, findet Schellstede.

Ausgleich zur Arbeit

Jäger ist meist kein Vollzeitjob, ein Großteil der Jäger übt diese Tätigkeit neben der hauptberuflichen Arbeit aus. Dennis Schellstede beispielsweise ist Landwirt. Als Jäger brauche man viel Geduld, weiß der Jungjäger. Aber nach einem langen Arbeitstag kann die Zeit auf dem Hochsitz auch Ausgleich sein: „Man legt das Handy mal für zwei, drei Stunden weg.“

Bald werden Krähen bejagt. Und dann müssen die Jungjäger Einfallsreichtum beweisen, denn Krähen sind ziemlich schlau.

Tonia Hysky Redakteurin / Redaktion Kultur/Medien
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