Ammerland Ob Augentest, Routineuntersuchung beim Gynäkologen oder dem Durchchecken von Leberflecken – wer in Niedersachsen einen Facharzttermin benötigt, braucht vor allem eines: viel Geduld. Rund drei von zehn Patienten, die in den vergangenen fünf Jahren in fachärztlicher Behandlung waren, müssten einen Monat oder länger auf ihren Termin warten. Das ergab die aktuelle Studie „Gesundheitsversorgung 2016“ der Krankenkasse Pronova BKK.

Trifft das auch auf das Ammerland zu? Die NWZ  hat eine Stichprobe gemacht und nach dem Zufallsprinzip sechs verschiedene Fachärzte im Ammerland angerufen: Wie lange dauert es, bis man bei allgemeinen, nicht akuten Problemen einen Termin bekommt? Die gute Nachricht vorab: Bei drei Ärzten wäre ein Termin noch vor Weihnachten möglich gewesen.

Die guten Ergebnisse

In einer Rasteder Augenarztpraxis wurde zunächst nach der Versicherungsart gefragt. Anschließend wurde ein Termin für einen Sehtest für kommenden Freitagvormittag angeboten. Auch für eine allgemeine Untersuchung bei einem HNO-Arzt war ein Termin bereits am nächsten Mittwochvormittag möglich – auch ohne Patient zu sein. Noch schneller war nur eine Aper Diplom-Psychologin: Bei ihr wäre ein Termin bereits an diesem Freitagmorgen möglich gewesen, da ein anderer Termin ausgefallen sei.

Die Problemfälle

Indes muss ein Patient mit Rückenproblemen ein wenig länger warten: Für gesetzlich versicherte Nicht-Patienten wäre der nächste Termin in einer orthopädischen Praxis in Bad Zwischenahn der 30. Januar 2017 gewesen. Und um eine Routineuntersuchung bei einer gynäkologischen Praxis in Westerstede zu erhalten, hätte man sogar bis zum 20. März warten müssen. Auch der Versuch bei einem Hautarzt in Westerstede war eher ernüchternd: Wer seine Leberflecken untersuchen lassen möchte, müsste sich bis Anfang April gedulden.

Die Versorgungsdichte

Gibt es etwa zu wenige Fachärzte in manchen Bereichen? Wie viele Ärzte sich in einer Region niederlassen dürfen, regelt die gesetzlich vorgeschriebene Bedarfsplanung. „Allgemein ist die Versorgung gut bis sehr gut, sowohl bei Fach- als auch bei Hausärzten“, sagt Detlef Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN).

Im Bereich der Fachärzte werden die Landkreise betrachtet. Rastede und Wiefelstede zählen bei der KVN zur Wesermarsch. Wenn der Versorgungsgrad über 110 Prozent liegt, darf sich kein weiterer Facharzt niederlassen. Bei weniger als 75 Prozent spricht man von Unterversorgung. Im Ammerland liegt der Grad in allen Fachbereichen über 110 Prozent (siehe Infokasten).

Anders sieht es im Bereich der Hausärzte aus: Hier gibt es die Bereiche Bad Zwischenahn/Edewecht, Westerstede/Apen sowie Rastede/Wiefelstede. Im ersten Bereich versorgen 33,25 Hausärzte 50 031 Menschen. „Hier könnten sich noch eineinhalb Hausärzte niederlassen“, erklärt Haffke.

Facharzt-Versorgung im Landkreis

Die Bedarfsplanung legt fest, wie viele Ärzte in einem Landkreis tätig sein sollen. Dabei wird bestimmt, wie viele Ärzte für eine bestimmte Zahl von Menschen zur Verfügung stehen sollen. Im gesamten Versorgungsgebiet Ammerland hat die KVN 121 435 Menschen registriert.

Augenärzte: Ein Arzt soll 23 686 Personen versorgen, es gibt sechs Ärzte und somit einen Versorgungsgrad von 117 Prozent. Chirurgen: 47 148 Personen, 4,5 Ärzte, 116,5 Prozent. Frauenärzte: 6642 Frauen, elf Ärzte, 112,8 Prozent. HNO-Ärzte: 34 281 Personen, vier Ärzte, 112,9 Prozent. Hautärzte: 42 302 Personen, vier Ärzte, 139,3 Prozent. Kinderärzte: 4372 Kinder, sieben Ärzte, 144 Prozent. Neurologen: 32 743 Personen, fünf Ärzte, 134,8 Prozent. Orthopäden: 26 337 Personen, 5,5 Ärzte, 119,3 Prozent. Psychotherapeuten: 9266 Personen, 30,5 Therapeuten, 232,7 Prozent. Urologen: 50 818 Personen, 4,5 Ärzte, 136 Prozent.

Ähnlich sieht es in Westerstede aus: Um 33 488 Menschen kümmern sich 21,5 Hausärzte. Haffke: „Hier könnte sich noch ein Arzt auf eine halbe Stelle niederlassen.“

Keine Chance auf neue Niederlassungen von Hausärzten gibt es in Rastede und umzu: Für 37 916 Menschen sind hier 31 Ärzte zuständig. Der Versorgungsgrad liegt hier bei 136,1 Prozent. „Dieser Bereich ist überversorgt“, sagt Haffke. „Das ist historisch gewachsen – diese Stellen stehen aber unter Bestandsschutz.“

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Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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