AUGUSTFEHN Es war zwei Tage vor Weihnachten, als im neuseeländischen Christchurch die Erde bebte und zahlreiche Häuser zerstört wurden. Mittendrin war die Oldenburgerin Lissa Köhler, die dort seit Juli als Au-Pair lebt. Mit großer Sorge haben ihre Mutter Petra Köhler-Pastoor und ihr Stiefvater Hans-Hermann Pastoor, beide Lehrer an der Oberschule Augustfehn, deshalb die Nachrichten vom anderen Ende der Welt verfolgt. „Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht, auch wegen der Nachbeben. Aber Lissa hat uns relativ schnell eine E-Mail geschickt, so dass wir wussten, es ist alles in Ordnung“, erinnert sich Hans-Hermann Pastoor. „Wir wussten, dass Lissa mit ihrer Familie auf einer Anhöhe am Rande der Stadt lebt, und hatten im Großen und Ganzen das Gefühl, dort sei sie gut aufgehoben.“ Viele Kollegen und Bekannte meldeten sich bei dem Ehepaar und zeigten ihre Anteilnahme. „Sie hatten die Fernsehbilder im Kopf und haben sich ebenfalls Sorgen gemacht“, so Pastoor.

Mit Kleinkind unterwegs

Der 19-jährigen Lissa steht der Vorfall noch sehr genau vor Augen. Sie war gerade unterwegs zum Schwimmbad mit der eineinhalbjährigen Tochter der Gastfamilie. Sie stoppte vor dem Postshop, um noch Postkarten abzuschicken. „Gerade wollte ich die Kleine aus dem Auto holen, als das Beben begann. Zuerst nur leicht, wie man es schon fast gewöhnt ist von den kleineren Nachbeben, dann aber immer mehr und mehr. So schnell ich konnte, kletterte ich mit der Kleinen ins Auto und hielt sie im Arm. Irgendwie wusste ich, dass ich dort sicher sein würde. Es schwankte und schaukelte für eine ganze Weile und schien gar nicht aufhören zu wollen. Dennoch hatte ich keine Angst und fühlte mich auch nicht aufgewühlt. Als es endlich zu Ende war, stieg ich aus dem Auto und sah Menschen aus den Geschäften laufen und hörte Sirenen heulen. Ich kann nicht genau sagen warum, aber, als ich gefragt wurde, ob ich in Ordnung sei, kamen mir plötzlich die Tränen.“

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Die deutsche Abiturientin erlebte vor Ort noch viele weitere Nachbeben. Doch statt sich in Sicherheit zu bringen, betrat sie den beschädigten Postshop, wo vieles von den Regalen und Tischen gefallen war. „Alles, an das ich denken konnte, war ,Ich muss diese Postkarten noch abschicken’. Als ich endlich doch wieder anfing rational zu denken, versuchte ich, meine Gastmutter zu erreichen, aber die Leitungen waren überlastet“, schildert die junge Frau diese dramatischen Erlebnisse.

Zur Freundin geflüchtet

Lissa flüchtete sich ins Haus einer Freundin und deren Gastfamilie. „Die ganze Zeit ging mir nur durch den Kopf, was für eine Verantwortung ich mit der Kleinen habe und was noch passieren könnte. Das zweite große Erdbeben, eine 6.0, erlebte ich bei der Familie meiner Freundin zu Hause, wo wir alle unter einen großen Holztisch krabbelten, aber sonst nichts weiter passierte.“

Beängstigende Erfahrung

Es rüttelte und bebte immer wieder und Lissa war froh, als sie schließlich wieder bei ihrer eigenen Gastfamilie angekommen war. Dort schrieb sie eine lange E-Mail an alle Freunde und Bekannte. „Abends fiel ich nur todmüde ins Bett und schlief die Nacht durch ohne auch nur eins von den weiteren auch recht großen Nachbeben zu spüren.“

Trotz dieses einschneidenden Erlebnisses denkt die 19-Jährige nicht daran, Neuseeland zu verlassen. „Die ganze Erfahrung war ziemlich verwirrend und beängstigend, trotzdem habe ich nicht einen Gedanken daran verschwendet, meinen Aufenthalt abzubrechen.“

Kerstin Schumann Redakteurin / Redaktion Westerstede
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.