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RASTEDE An der Oldenburger Straße schließt ein weiteres Traditionshaus. Raumausstatter Riemer hätte in diesem Jahr sein 150-jähriges Jubiläum gefeiert. Hinter dem familiengeführten Unternehmen liegen Jahrzehnte bewegter Geschichte, in die sogar die unsicheren Zeiten zweier Weltkriege fallen. Doch der Entwicklung der vergangenen Jahre konnte der Handwerksbetrieb jetzt nicht mehr Stand halten. Das durch gestiegene Lebenshaltungskosten gedämpfte Konjunkturklima wirkte sich auch negativ auf den Wohnkonsum aus. Außerdem hat das Raumausstatter-Handwerk einen starken Wandel durchgemacht, der auch vor Rastede und Umgebung nicht halt gemacht hat.

Noch positive Aussichten

Als die Diplom-Biologinnen Maren und Etta Riemer sich 1995 entschlossen, ihre Berufe aufzugeben und in den elterlichen Betrieb zurück zu kehren, waren die Aussichten noch positiv, sowohl was den Lederwaren-Einzelhandel als auch das Raumausstatterhandwerk betraf. Mit und in dem Betrieb groß geworden, widmete Maren Riemer ihr Tun dem Einzelhandelsgeschäft und organisatorischen Tätigkeiten. Etta Riemer fing als Lehrling in der Raumausstattung an. Im Anschluss machte sie ihre Meisterprüfung. Nur kurze Zeit später musste niemand mehr den zeitlichen und finanziellen Aufwand für die Meisterausbildung betreiben. Seit 2004 gehört das Raumausstatter-Handwerk zu den zulassungsfreien Handwerken. In Folge wurde im Jahr 2006 im Raumausstatter-Handwerk von einem Gründungsboom gesprochen. Schon 2008 hatten sich aus Sicht des Berufsverbandes „die Befürchtungen bestätigt, dass Existenzgründer ohne Berufsqualifikation (...) bei etablierten Fachbetrieben einen Schaden anrichten“.

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Aggressive Preisgestaltung

Die aggressive Preisgestaltung von Kleinstbetrieben konnte das Rasteder Unternehmen mit seinem ebenso langjährigen wie hoch qualifizierten Mitarbeiterstamm und der dementsprechenden Kostenstruktur nicht unterbieten. Zuletzt kam noch eine allgemeine Steigerung der Einkaufspreise hinzu, die wegen der angespannten wirtschaftlichen Gesamtstimmung ebenfalls nicht an den Kunden weitergegeben werden konnte. Einer von vielen Faktoren, die zusätzlich auf die Ertragssituation drückten. „Mit der Trennung vom Lederwaren-Einzelhandel vor knapp zwei Jahren wollten wir uns auf die Raumausstattung konzentrieren“, sagt Maren Riemer, „in der Hoffnung, dass wir unser größtes Standbein sanieren können“. Kaufmännisch erforderlich ging damit auch die Trennung von den langjährigen und verdienten Mitarbeitern einher.

Doch die auch durch familiäre Schicksalsschläge beeinflusste Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten. Ab dieser Woche bleibt die Ladentür mit dem markanten, von dem früheren Sattlerbetrieb selbst gefertigten Ledergriff geschlossen. „Unter unternehmerischen, kaufmännischen und persönlichen Gesichtspunkten ist dies die einzig richtige Entscheidung“, sagt Etta Riemer.

Bequemer Service

„Mal eben“ einen Schleuderstab oder einzelne „Röllchen“ holen, einen neuen Reißverschluss in die Sporttasche nähen oder ein Versicherungs-Gutachten für das defekte Reisegepäck bis hin zur fachmännischen Reparatur desselben machen lassen – nur einige der „bequemen“ Serviceleistungen des inhabergeführten Fachgeschäftes vor Ort, die es nun nicht mehr gibt. „Die Crux an der Sache wurde besonders dann offensichtlich, wenn uns Koffer vom Discounter zur Reparatur vorgelegt wurden“, blickt Maren Riemer zurück.

Die Schließung des Geschäftes und die Aufgabe der Firma sind für die ganze Familie ein schwerer Schritt. Doch bei alledem wollen die Riemer-Schwestern auch im Namen ihres Vaters Hans-Hermann Riemer eines nicht vergessen: „Bei einer Vielzahl Kunden bedanken wir uns aufrichtig für ihre langjährige Treue.“

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