Roggenmoor /Bad Zwischenahn Auf der Terrasse der Wasserthals in Roggenmoor treffen sich Rainer Wasserthal und sein Freund Sven Hillen häufiger. Seit einem Jahr wird die Terrasse nicht nur zum Ausruhen genutzt, sondern auch als Arbeitsbereich: Rainer Wasserthal und Sven Hillen brauen hier Bier.

Angefangen hat das alles vor rund einem Jahr mit einem Starter-Set zum Bierbrauen. „Doch das Ergebnis nach dem ersten Ausprobieren sah optisch zwar nach Bier aus, schmeckte aber scheußlich“, verrät der Bad Zwischenahner Sven Hillen.

Anstatt das Hobby wieder an den Nagel zu hängen, beschloss er: Das geht besser. „Das war ein langwieriger Prozess, ich habe mir allerlei Wissen übers Bierbrauen angelesen und das Ganze immer wieder ausprobiert.“

So war der anfängliche Misserfolg schnell überwunden, das Bier von Sven Hillen wurde immer besser. Bei den Probegängen – damals noch in Bad Zwischenahn – kam sein langjähriger Freund Rainer Wasserthal ebenfalls auf den Geschmack.

„Ich bin eigentlich kein Biertrinker, aber das Bier schmeckte super.“ Schnell wurden sie ein Team und beide stellten fest, dass ihr Bier gut ankommt.

„Die Nachfrage war so groß, wir mussten uns entscheiden, was wir machen wollen.“ Im Januar meldete sie ihre Bierbrauerei beim Gewerbeamt an.

Dazu musste auch ein passender Name für das Bier her. „Es sollte eine Verbindung unserer Namen werden. Doch ein Bier, das im Namen das Wort Wasser trägt, verkauft sich bestimmt nicht so gut“, vermutete Rainer Wasserthal. Deshalb trägt das Bier jetzt den Namen „Hillthaler“. „Der Name ist mittlerweile überall im Umkreis bekannt, das ehrt uns natürlich sehr“, freut sich Sven Hiller.

Mittlerweile brauen die Freunde pro Gang bis zu 150 Liter. „Von der ersten Einmaische bis zum Verkauf dauert es fünf Wochen“, so Wasserthal. Auf seiner Terrasse in Roggenmoor richten sie sich dann samt Braukessel, Gasbrenner, Gäreimer und was sonst noch benötigt wird ein und das bei jedem Wetter. „Wir standen auch schon zu Minusgraden hier“, so Hiller.

Die Bierproduktion gliedert sich in mehrere Abschnitte: Wasser wird mit geschroteter Gerste vermengt und erhitzt. Dabei löst sich die Stärke aus dem Getreide. Das wird Einmaischen genannt. Danach wird geläutert: Dabei wird das Gerstenmalz von der flüssigen Würze getrennt. Nun kommt der Hopfen hinzu und das Gemisch wird zum Kochen gebracht.

Anschließend muss die Flüssigkeit gekühlt werden und Hefe kommt hinzu. „Die sorgt für den Alkoholgehalt und die Kohlensäure“, weiß Wasserthal. Nun muss das Gebräu zehn Tage in einem Gärbehälter gelagert werden.

„Zwischendurch kontrollieren wir, ob die Hefe noch verarbeitet wird“, so Hiller. Wenn das nicht mehr der Fall ist, ist die Hauptgärung abgeschlossen. „Vor dem Abfüllen werden dann noch Stammwürze und Alkoholgehalt gemessen“, sagt der Bad Zwischenahner.

Wie das Bier selbst, sind auch die Bierkästen ein Eigenprodukt. Auf diesen ist mit einem Brandstempel das Logo angebracht. „Beim Design hat meine Frau geholfen, die hat da ein Händchen für“, sagt Wasserthal. Gegen Ende eines Brauprozesses bekommen sie immer Unterstützung. Die ganze Familie hilft beim Abfüllen, Verkorken und Etikettieren mit.

„Craftbeer“ (Craft, engl. für „handgemacht“) wird nicht filtriert. Daher ist es trüber als herkömmliches Bier. Drei Sorten haben sie mittlerweile für sich erstellt. „Beim Craftbeer kann man ganz viel experimentieren. Wir probieren oft andere Geschmacksrichtungen aus“, sagt Wasserthal. So hatten sie schon Bier mit Chili oder mit Lakritze.

Sie richteten sich eine eigene Webseite ein, doch Hauptkommunikationsmittel für Bestellungen ist Facebook. Auch örtliche Betriebe haben die Getränke teilweise in das Sortiment genommen.

Für beide ist klar: Das ist und bleibt nur ein erweitertes Hobby. Wasserthal arbeitet hauptberuflich als Abteilungsleiter bei Möbel Eilers in Apen und Hillen ist bei Aal Bruns in Bad Zwischenahn beschäftigt.

Ganz wichtig ist den Bierkennern: „Craftbeer ist nicht zum Betrinken da. Es ist eher wie ein gutes Steak, zum genießen, aber nicht für jeden Tag“, so Wasserthal. Dazu passt, dass Craftbeer immer im Glas getrunken würde, nicht aus der Flasche. Das habe aber auch einen pragmatischen Grund: „Das handgemachte Bier hat manchmal Heferückstände“, erklärt Wasserthal.

Das, was durch den Verkauf eingenommen wird, investieren die Beiden sofort in ihre Produktion, feilen an der Herstellung und denken sich neue Geschmacksverbindungen aus. Auf der langen Liste an Ideen stehen zum Beispiel Bier mit Melonen- oder Mandarinengeschmack. Die Kreativität der Beiden kennt da keine Grenzen.

Freya Adameck
Volontärin, 1. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion

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