Rastede Wenn Angela Gehrmann und Uwe Stubendorff von ihrem Balkon hinabschauen, blicken sie direkt auf das verfallene Gebäude, dessen Zukunft viele Menschen im Wohnquartier „Alte Schlossgärtnerei“ in Rastede gerade beschäftigt. Das Erdgewächshaus ist eines der wenigen verbliebenen Relikte, die an die frühere Schlossgärtnerei erinnern. Dort, wo seit 2011 Stadtvillen und Einfamilienhäuser entstanden sind, wurden einst Rhododendren gezüchtet. Und das Erdgewächshaus gilt als Keimzelle dieser Zucht im Ammerland.

Seit Mai 2018 leben Angela Gehrmann und Uwe Stubendorff im Wohnquartier „Alte Schlossgärtnerei“, haben sich eine Wohnung in der obersten Etage einer Stadtvilla als Altersruhesitz gekauft. Seitdem stecken der 68-Jährige und die 62-Jährige, die aus Großenkneten herzogen, mittendrin in der Diskussion um das alte Erdgewächshaus.

„Es ist wichtig, dass diese Urzelle der Rhododendronzucht erhalten bleibt“, sagt Angela Gehrmann. Deshalb starteten die beiden mit weiteren Unterstützern eine Unterschriftenaktion, um ein deutliches Signal für den Erhalt des Baudenkmals zu geben. Allein in unmittelbarer Nachbarschaft fanden sich innerhalb kurzer Zeit bereits rund 100 Unterstützer.

Doch woher rührt die Sorge, dass das Erdgewächshaus weichen könnte? Eigentümer des Grundstücks, auf dem sich das im Bebauungsplan als Baudenkmal festgesetzte Gebäude befindet, ist Michael Thie. Er hatte beim Landkreis einen Antrag auf Abriss des Erdgewächshauses gestellt. Denkmalschutz und Nutzung beißen sich, erklärte Thie im vergangenen Jahr gegenüber der NWZ. Ein Gutachten belege zudem, dass die Substanz des historischen Gebäudes so schlecht ist, dass an einen Erhalt nicht zu denken sei.

Klageverfahren läuft

Thies Antrag auf Abriss wurde vom Landkreis abgelehnt, der Eigentümer reichte daraufhin Klage ein. „Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht läuft zurzeit“, sagt Heiko Kramer von der Unteren Denkmalbehörde beim Landkreis. Der Landkreis sei aufgefordert worden, eine Stellungnahme abzugeben. „Das werden wir jetzt machen“, sagt Kramer. Darin werde besonders auf den Seltenheitswert des Erdgewächshauses eingegangen. „In Niedersachsen gibt es nur zwei dieser Gewächshäuser“, sagt Kramer. Und auch auf die Bedeutung für das Ammerland als Keimzelle der Rhododendronzucht werde hingewiesen. Kramer hofft, dass ein Konzept entwickelt werden kann, mit dem Eigentümer, Nachbarn und Behörden leben können.

Kein weiteres Gebäude

Zumindest die Nachbarn befürchten, dass nach einem Abriss des Erdgewächshauses ein Wohnhaus auf der Fläche entstehen könnte – und lehnen dies ab. „Die Bauverdichtung darf nicht weiter zunehmen“, betont Uwe Stubendorff und fügt hinzu: „Wir haben die Wohnung aufgrund der Tatsache gekauft, dass das Denkmal erhalten bleibt.“ Und so geht es wohl auch anderen, die sich eine der teuren Wohnungen in den Stadtvillen gekauft haben und dies mit der Gewissheit der freien Sicht auf den Palaisgarten und das Erdgewächshaus taten, das als Denkmal schließlich besonders geschützt ist.

Sollte das Erdgewächshaus tatsächlich abgerissen werden müssen, könnte der Ort dennoch der Erinnerung an die Rhododendronzucht gewidmet werden. Eine Idee für eine mögliche Nutzung hat Stephan Lüsse, der ebenfalls einige Zeit in der Stadtvilla direkt neben dem Baudenkmal lebte, und die Unterschriftenaktion unterstützt. „Man könnte hier schöne Rhododendren anpflanzen und eine Tafel mit Erläuterungen aufstellen. So könnte man darüber informieren, was an diesem Ort einst stattgefunden hat.“ Ein biologisches Denkmal sozusagen.
Wer die Unterschriftenaktion unterstützen möchte, hat dazu weiterhin Gelegenheit. Eine Liste liegt nach Angaben von Stubendorff noch bei Hobbensiefken an der Mühlenstraße in Rastede aus.

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.