Rastede Der Demonstrationszug ist lang, fast zehn Minuten dauert es, bis er an einem vorbeigezogen ist. Es ist nicht das erste Mal, dass in Rastede Mitarbeiter aus der Metall- und Elektroindustrie auf die Straße gehen. So viele wie am Mittwoch waren es aber noch nie, sagt Martina Bruse von der IG Metall Oldenburg und Wilhelmshaven. Die Gewerkschaft hatte zu dem Warnstreik aufgerufen.

Rund 1500 Menschen ziehen nach Angaben der Gewerkschaft von der Firma Brötje Heizung über die Raiffeisenstraße zum Marktplatz. Es sind Angestellte und Auszubildende von 14 Unternehmen aus dem Nordwesten. Nachdem in den vergangenen Wochen bereits Warnstreiks in einzelnen Betrieben stattgefunden hatten, wird dieses Mal gesammelt gestreikt.

Fahnen und Pfeifen

Die Gewerkschaft nennt das „Küstenaktionstag“. Die Streikenden tragen rote Plastikwesten der Gewerkschaft, sind mit Fahnen ausgestattet oder haben Trillerpfeifen dabei.

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Die hohe Beteiligung ist für Martina Bruse ein Zeichen, dass „wir auf dem richtigen Weg“ sind. Die Mitarbeiter der Unternehmen würden hinter der Forderung der IG Metall stehen, bei der es nicht bloß um mehr Geld, sondern um den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben geht, sagt Martina Bruse.

Neben sechs Prozent mehr Geld für zwölf Monate fordert die IG Metall einen Anspruch auf zeitweise Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden und einen Entgeltzuschuss für die Beschäftigten, die ihre Arbeitszeit verringern und Kinder betreuen, Familienangehörige pflegen oder im Schichtdienst arbeiten. Die Arbeitgeber wollen nur zwei Prozent mehr Geld zahlen, den Entgeltzuschuss lehnen sie ab.

Martina Bruse nennt dies „indiskutabel“. Rainer Bosse, Betriebsratsvorsitzender bei Brötje Heizung in Rastede, sagt: „Ohne ein vernünftiges Angebot könnt ihr eure Kessel bald selbst zusammenbasteln.“ Bosse steht auf einer kleinen Bühne auf dem Marktplatz, seine Worte werden mit Applaus und lautem Pfeifen aufgenommen.

Mindestens die Hälfte der Brötje-Mitarbeiter beteilige sich an dem Warnstreik, schätzt Bosse und sagt: „Unsere Leute sind sauer. Brötje hat letztes Jahr gut verdient und die Kollegen fordern ihren gerechten Anteil.“ Er sei sich sicher, dass die Zustimmung zu einem Streik bei annähernd 100 Prozent liegen werde.

An diesem Donnerstag werden in Hamburg die Verhandlungen zwischen IG Metall und dem Arbeitgeberverband Nordmetall fortgesetzt. Sollte keine Einigung in Sicht sein, könnten ganztägige Streiks die Folge sein. Bosse sagt: „Wenn wir bis Ende dieser Woche keinen neuen Tarifvertrag haben, bleibt uns nur noch eins: der 24-Stunden-Streik und der unbefristete Streik.“

Zeichen auf Streik

Das zustimmende Pfeifen und Applaudieren wird lauter auf dem Marktplatz in Rastede. Auch in den anderen Betrieben, deren Mitarbeiter an der Kundgebung teilnehmen, stehen die Zeichen auf Streik – bei Premium Aerotec Varel, Manitowoc, Turbo Technik, Neue Jadewerft, Brötje Raumheizsysteme, Brötje Automation, Wessel Hydraulik, Atlas Weyhausen, Leoni, Lumberg, Eisengießerei Dinklage, BA Services, Waskönig & Walter Kabel sowie Waskönig & Walter Besitz und Verwaltung.

„Die Arbeitgeber sind nicht bereit, sich mit den inhaltlichen Forderungen auseinanderzusetzen“, klagt Mirco Menzel von Premium Aerotec und meint: „Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen.“


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Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
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