WIEFELSTEDE Kommt man dieser Tage in die St. Johannes-Kirche in Wiefelstede, möchte man zu einem Inbusschlüssel greifen. Das vorhandene Chaos erinnert an die eigenen Versuche der Vergangenheit, ein neu erworbenes und in seine Einzelteile zerlegtes Möbelstück eines schwedischen Einrichtungshauses zusammenzubauen.

Doch mit einem Inbusschlüssel käme man hier nicht weit. Denn in der St. Johannes-Kirche liegen keine Regalwände und Sofafüße herum, sondern lauter Teile der Christian-Vater-Orgel. Seit Montag wird das historische Instrument von dem niederländischen Orgelbauer Henk van Eeken und seinen Mitarbeitern in seine tausenden Einzelteile zerlegt – und im Gegensatz zum Hobbybastler wissen sie, was sie tun.

Aufwendige Restaurierung

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Die 900 Pfeifen sind bereits ausgebaut, ebenso die Klaviatur und die Register. Wie ein leer geräumtes Küchenbuffet steht der hölzerne Korpus auf der Empore. Bis Ende der Woche wird es noch dauern, bis auch dieser abgebaut und in einem Lkw verstaut ist. Dann wird das Wiefelsteder Unternehmen Swen Kück die Orgel in die Niederlande bringen. Dort wird sie von van Eeken und seinen Spezialisten aufwendig restauriert.

„Die Vater-Christian-Orgel wurde 1731 gebaut und ist eine der ältesten und am besten erhaltenen Orgeln der Region“, erzählt Tjark Pinne, einer der fünf Organisten in der St. Johannes-Kirche. Doch nun nagt der Zahn der Zeit an dem Instrument. 550 der kostbaren Pfeifen aus Blei und Zinn müssen ersetzt werden.

Dafür wiederholen die Orgelspezialisten um van Eeken weitestgehend den originalen Produktionsprozess von Orgelbauer Christian Vater. Das ist langwierig und teuer. Bis zu 600 000 Euro wird die Restaurierung kosten. Sollten auch noch die Klaviatur ersetzt und die Register vervollständigt werden, steigen die Kosten.

Doch das schwierigste ist die Intonierung. „Wir bauen die komplette Orgel völlig bespielbar in unserem Orgelsaal auf, um die Klangparameter haargenau aufeinander abstimmen zu können“, erklärt van Eeken. „Dann montieren wir sie wieder ab, bringen sie nach Wiefelstede und bauen sie wieder auf. Dann stimmen wir sie noch einmal.“

Freude auf neuen Klang

Damit dabei dann auch kein Bücherregal oder Sofa entsteht, wird schon beim Ausbau jedes Teil dokumentiert und beschriftet. Trotzdem sorgt der chaotische Anblick auch für Magengrimmen: „Ein bisschen blutet mir schon das Herz, schließlich erzählt so eine alte Orgel Geschichten“, sagt Organistin Gabriele Tardeck. „Aber die Freude auf den neuen Klang ist größer. Mal sehen, was für Geschichten die Orgel dann zu erzählen hat.“

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