Ohrwege Als Manfred Gerken vor 24 Jahren Vorsitzender des Ammerländer Landvolkverbandes wurde, war Felix Müller mal gerade vier Jahre jung und spielte allenfalls mit Treckern, während Gerken schon seinen Hof bewirtschaftete. Der kleine Junge und der gestandene Landwirt kannten sich nicht und hatten keine Ahnung, dass einmal „der schönste Beruf“ der Welt – so Felix Müller – sie eines Tages zusammenführen würde.

Am Montag war schließlich offizielle Ablösung im „Ohrweger Krug“: Einstimmig wählten die stimmberechtigten Vertreter der Ortslandvolkvereine und des Gesamtvorstandes Felix Müller zum Gerken-Nachfolger. „Als junger Bengel habe ich nie verstanden, warum die Alten noch kandidieren“, erzählt Gerken mit einem Augenzwinkern. Deshalb sei für ihn mit 64 Jahren nun zumindest in diesem Ehrenamt Schluss: „Es ist an der Zeit, dass Jüngere übernehmen“, so der Landwirt.

Sein Nachfolger Müller jedenfalls freut sich auf seine erste zweijährige Amtszeit: „Wir befinden uns in stürmischen Zeiten – da müssen wir sturmfest zusammenhalten“, kündigte der 28-Jährige an, der in Rastede einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Bullen- und Schweinemast und eine 250 Kilowatt-Biogasanlage betreibt. „Felix diskutiert gern, ist offen und setzt sich mit anderen auseinander. Gebt ihm eine Chance“, forderte Gerken seine Zuhörer auf. Viele von ihnen führen ihre Höfe seit etlichen Generation, Gerkens Betrieb beispielsweise befindet sich seit 700 Jahren in den Händen der Familie, Sohn Reemko wird die Gerken-Geschichte weiterschreiben. „Die Arbeit fürs Landvolk war mir immer eine Herzensangelegenheit“, resümiert Gerken. Dabei kam ihm der Vorsitz eigentlich drei Jahre zu früh: „Betrieblich hat mich das zehn Jahre gebremst, aber ich bin dran geblieben.“ Die Zeiten seien in den vergangenen drei Jahrzehnten für Landwirte nicht leichter geworden: „Allerdings war die BSE-Krise 2001 rückblickend die schlimmste Zeit“, so der Landwirt. Damals musste ein betroffener Betrieb im Ammerland den gesamten Rinderbestand töten. Die Ammerländer organisierten eine Trecker-Demo, die auf den Irrsinn der Vernichtung aufmerksam machte.

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Heute sind es andere Themen, die die Bauern auf die Barrikaden oder Traktoren treiben: Verordnungen zum Tierwohl oder die neueste Düngeverordnung: „Unsere Demos sind noch nicht vorbei. Die Spitze kommt erst, wenn die Politik vor einer Entscheidung steht“, kündigte Gerken an. Er erwartet in diesem Zusammenhang ein gewaltiges Zeichen: „Es geht schließlich um die Existenz unser Betriebe.“ Und auch der Präsident des niedersächsischen Landvolks, Albert Schulte to Brinke, der zu den Gastrednern zählte, ermunterte die Landwirte zum Widerstand: „Die Minus-20-Prozent-Regelung bei der Düngung entbehrt jeglichem fachlichen Hintergrund. Wir sehen die Qualität des Gemüses leiden und die vermarktungsfähigen Margen sinken. Was bleibt, ist eine Regelung, die den Bauern schadet, aber der Umwelt auch nicht nützt.“ Fest steht, dass das Niedersächsische Landvolk gegen die Ausweisung der nitrat- und phosphatsensiblen Gebiete, den sogenannten „Roten Gebieten“ klagt. Landrat Jörg Bensberg indes kritisierte noch deutlicher, indem er Orson Wells zitierte: „Viele Menschen sind gut erzogen, um nicht mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun.“ Es gebe derzeit wohl außer der Landwirtschaft kein anderes gesellschaftlich relevantes Thema, bei dem so viele mitreden und so wenig Ahnung haben.

Katja Lüers Redakteurin / Redaktion Westerstede
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