Hollwege Er besteht scheinbar aus purer Muskelmasse, ist perfekt gefärbt und hat dabei ein lammfrommes Gemüt: Reik. Der drei Jahre alte Limousin-Bulle stach bei der Landesschau in Tarmstedt die Konkurrenz aus und brachte der Hollweger Züchterfamilie Specht den Siegertitel ein. Angetreten waren Rinder aus verschiedenen Fleischrassen, darunter auch 50 Limousin, die teilweise aus dem Ausland stammten. Inzwischen steht der siegreiche Reik wieder auf der Weide und kann sich von dem anstrengenden Ausflug erholen.

Sehr wohl wussten die Besitzer, dass Reik ein besonders schönes Exemplar seiner Rasse ist. „Er stammt von einer besonders guten Kuh ab, der fünfjährigen Nevada“, berichtet Renke Specht. Schon bald sei klar gewesen, dass sich der Jungbulle vom Wuchs her prächtig entwickeln würde. Ideal also für die Zucht. „Letztes Jahr wurde er erstmals eingesetzt, es gibt schon 20 Kälber“, sagt Specht. Das Familienleben in der Herde darf der tierische Nachwuchsstar genießen. Mit seinen Kälbern und den dazugehörigen Kühen läuft er auf der Weide.

Dank des nahezu perfekten Wuchses hatten Spechts sofort die Idee, ihn bei der Landestierschau zu präsentieren. Die Kinder Wiebke und Eike kümmerten sich federführend um die Vorbereitungen, aber auch die ganze restliche Familie fieberte mit. Gerade mal drei Wochen vorher bekam das Muskelpaket erstmals einen Strick umgelegt. Schon nach zwei Tagen ließ sich Reik geduldig führen. Doch wie gewöhnt man einen 1,3 Tonnen schweren Bullen an die Unruhe einer solchen Tierschau? Er wurde mit Bällen und Jacken beworfen und mit Musik beschallt. Nun zahlte es sich aus, dass Züchter Specht eben nicht nur auf Muskelspiel und Körperform setzt, sondern auch auf ein ausgeglichenes Wesen. „Der Charakter vererbt sich ebenfalls ganz stark“, weiß er aus 27 Jahren Zuchterfahrung.

Die 22-jährige Wiebke hatte die Aufgabe, den Bullen in Tarmstedt der Jury vorzuführen. Nicht nur für Reik, auch für sie war das eine Premiere. Nervosität war aber fehl am Platz: Der Preisrichter reagierte begeistert. „Schöner geht’s nicht, ein absoluter Ausnahmekracher“, schwärmte er und lobte das extra breite Becken und die enorme plastische Muskulatur des Hollweger Bullen, der mit der Startnummer 159 antrat. Am Ende gab’s für die Züchterfamilie jede Menge Gratulationen und für den Siegerbullen viele Streicheleinheiten.

„Es ist schon etwas Besonderes, ein Tier, das hier geboren ist, aufzuziehen und damit Sieger zu werden“, freut sich Renke Specht über das Ergebnis. Schon kurz nach diesem Erfolg bekam er zahlreiche Kaufanfragen – für den Nachwuchs und für den Siegerbullen selbst. Doch Reik wegzugeben, kommt für ihn nicht in Frage. „Das gäbe eine Familienkrise“, sagt der Züchter und lacht.

Kerstin Schumann
Redakteurin
Redaktion Westerstede

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