WIEFELSTEDE „Das Mobiliar stammt sicherlich noch aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts“, glaubt Wolfgang Hase. Der Leiter des Heimatmuseums Wiefelstede steht in der schon lange verwaisten Herrenabteilung des „Salon Thie“ am Esch in Wiefelstede. Das Friseurgeschäft gehört Esther Barghorn: Sie hatte es 1980 von ihren Eltern Erna und Hans Thie übernommen, nachdem der Vater im selben Jahr gestorben war. Esther Barghorn hört nun auf am Esch: Das Haus ist verkauft, der Umzug läuft.

Prä-musealer Charakter

Und die Herrenabteilung, die eigentlich schon seit 1985 von keinem Kunden mehr betreten worden war und seitdem quasi „prä-musealen“ Charakter hatte, soll nun wirklich ins Museum: Esther Barghorn überlässt das Mobilar dem Heimatmuseum in Wiefelstede. „Gerätschaften sind leider nicht mehr vorhanden“, sagt Leiter Wolfgang Hase: „Aber die bekommen wir schon zusammen.“ Hans Thie hatte seinen Herrensalon in jungen Jahren am 1. August 1931 zunächst in Rabes Gasthof eröffnet. In der Sammlung Fritz Gerdes, die bekanntlich von Ingo Hellbusch verwaltet wird, existiert noch ein Foto, das 1934 vor dem Gasthaus aufgenommen wurde. Es zeigt einen ansonsten recht kamerascheuen Hans Thie am Rande einer Menschengruppe vor dem Gasthaus Rabe – und das Schild „Friseur“ und die obligatorische Barbierschüssel als Hinweis darauf, dass eben dort die Herren auch einen neuen Haarschnitt bekommen konnten. „Es ist eines der ganz wenigen Fotos, auf denen Hans Thie zu sehen ist“, weiß Ingo Hellbusch.

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1939 zieht Hans Thie in den Krieg – und kommt als Spätheimkehrer erst 1949 zurück, weiß auch Tochter Esther Barghorn. Am 9. Dezember 1952 eröffnet Mutter Erna Thie ihren Damensalon am Esch – den „Salon Thie“. Kurze Zeit später stößt Hans Thie mit der Herrenabteilung dazu. Esther Barghorn und Wolfgang Hase sind überzeugt, dass Hans Thie dafür das Mobiliar aus Rabes Gasthof verwendet hat. Was beide nicht wissen, ist, ob der Herrensalon Hans Thies in der Zeit zwischen 1939 und 1949 geöffnet hatte. „Vielleicht bekommen wir da ja noch Hinweise aus der Bevölkerung“, hoffen die beiden.

Seit 1985 ungenutzt

1980 stirbt Hans Thie, die Tochter übernimmt den Salon, in dem die Mutter dann nur noch sporadisch mitarbeitet. Sie stirbt im Jahr 2011. Der Herrensalon wird nach dem Tod Hans Thies ab 1985 nicht mehr genutzt: Er bleibt so erhalten, wie Hans Thie ihn verlassen hat.

Wolfgang Hase ist froh, dass der einstige Arbeitsplatz Hans Thies Teil der Dauerausstellung des Heimatmuseums werden kann. Neben einer Schuhmacherwerkstatt, einer Schmiede, einer Tischlerei, einer Stellmacherei und bald auch dem Bäckereimuseum von Ingo Zimmermann (die NWZ  berichtete) komplettiert der „Salon“ dann die Sammlung historischer Werkstätten, die – so freut sich Hase – „alle aus Wiefelstede stammen und hier einst mit Leben erfüllt waren.“

Neue Gebäude

Das Freigelände des Heimatmuseums soll – wie ebenfalls berichtet – um zwei weitere historische Gebäude erweitert werden, in denen dann auch der Herrensalon von Hans Thie Platz finden soll. Voraussetzung ist, dass das Land Niedersachsen, dass ein Förderprogramm gerade für kleinere Museen im Land aufgelegt hat, den von Hase gestellten und von der Oldenburgischen Landschaft unterstützten Antrag auch bewilligt. Antragssumme: 50 000 Euro. Auch die Gemeinde Wiefelstede hat bereits beschlossen, weitere 30 000 Euro beizusteuern, sofern die Landesmittel fließen. Die Gesamtinvestitionssumme für die Erweiterung liegt bei 100 000 Euro – und Wolfgang Hase ist zuversichtlich, dass auch das Land seinem Antrag positiv gegenübersteht.

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