Westerstede Mouse au Chocolat, Melonen, Suppengrün, Thymian, Orangen, Joghurt, Käse, Ostfriesentee, Champignons und Eier – eine Kiste nach der nächsten lädt Michael Steiner in den kleinen Lieferwagen. Zahlen muss er dafür nichts. Der Verkäufer im rot-weißen Kittel ist froh, dass die Lebensmittel wegkommen und neuen Waren im Supermarktregal Platz machen.

Solchen, die keine Druckstellen haben und noch mindestens bis zum nächsten Weihnachtsfest haltbar sind.

Wegwerfgesellschaft

Prinzip und Geschichte der Westersteder Tafel

Der Tafelgedanke entstand in den 60er Jahren in Amerika. Seit sechs Jahren gehört die Westersteder Tafel zu einer von deutschlandweit 900 Einrichtungen.

Supermärkte sind rechtlich verpflichtet, bestimmte Waren nach einer Zeit – nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum – aus dem Sortiment zu nehmen.

Übrig Gebliebenes bekommt die Tafel von den Läden gespendet. Die Verantwortung für ausgegebene Lebensmittel tragen die Abholer am Ende selbst.

„Das hier kauft kein Mensch mehr“, sagt Steiner und fischt eine Mango aus einer der Kisten. Dabei sieht sie appetitlich aus – nicht nach Müll. Dort würde sie landen, wenn der Westersteder und sein Kollege Udo Dorenbusch sie nicht abholen würde. Sechs Mal die Woche sind die zwei Ammerländer für die Westersteder Tafel im Einsatz. Ihre Tour führt sie quer durchs Ammerland: zu Supermärkten, Bäckereien, Bauern, Fleischereibetrieben und großen Lebensmittelherstellern.

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Ihre „Ausbeute“ ist immer verschieden. Und immer umfangreich: Bis zu zwei Tonnen Nahrung pro Woche transportieren die beiden Tafelmitarbeiter in ihren zwei Kühlwagen. Manchmal fahren sie mehrmals am Tag. Nicht selten gibt es mehr Ware, als Platz im Laderaum des Sprinters ist.

„Es ist jedes Mal spannend, was wir so bekommen“, sagt Udo Dorenbusch, der seit zwei Jahren für den Westersteder Verein arbeitet. Vorher war er „Abholer“. So heißen die Bedürftigen, die jeden Sonnabend bei der Tafel mit Lebensmitteln versorgt werden. Voraussetzung dafür ist ein Berechtigungsschein vom Sozialamt. Rund 800 Menschen hilft die Tafel im Ammerland.

Steiner, der ebenfalls Woche für Woche zur Ausgabestelle in der Westersteder Bankstraße erscheint, erzählt, dass er durch die Arbeit ein anderes Verhältnis zum Wegwerfen bekommen hat. „Man ist nicht mehr so penibel“, sagt der Familienvater. Oft sei nicht mal das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten. Müsli, Tee, Reis – und sogar Joghurt seien noch Monate nach dem abgelaufenen Datum genießbar. „Einfach dran riechen“, rät der gelernte Einzelhandelskaufmann.

Lieferung nach Hause

Manches stammt lediglich aus Überproduktionen und was „wirklich nicht mehr gut ist“, entsorgen die beiden Tafelmitarbeiter noch vor Ort in die Biotonne.

Auf dem Weg von Bad Zwischenahn nach Halsbek stoppt Udo Dorenbusch auf einmal den Wagen. Wie jeden Freitag gehören die „Hausanlieferungen“ zur Route der Fahrer. Sie beliefern Menschen, die es aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Ausgabestelle schaffen, mit ihrer „Wochenration“.

Zwei randvolle Tüten mit Essen schleppt der Augustfehner zur Haustür einer Bad Zwischenahnerin. Er wird bereits freudig erwartet. „Das ist immer wie Weihnachten und Ostern zusammen“, sagt die 43-Jährige und betrachtet neugierig, was diesmal dabei ist. Viel Gemüse. „Das gibt einen schönen Eintopf“, lacht sie. Und zum Nachtisch? Vielleicht Mousse au Chocolat.


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Lea von Deylen Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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