Westerstede Zu wenig Zeit, steigende Anforderungen, zu wenig Fachkräfte – die Kindertagesstätten im Landkreis Ammerland schlagen Alarm. Das ist bei einer Infoveranstaltung zur aktuellen personellen Situation in den Kitas des Konvents der evangelischen Kindergärten im Ammerland deutlich geworden. Bezeichnender Titel: Fachkräftemangel in den Kindertagesstätten.

120 000 Kräfte fehlen

Wie relevant dieses Thema ist, zeigt allein die Zahl der Besucher bei der Veranstaltung: Bis auf den letzten Platz ist der große Saal im Westersteder Kreishaus gefüllt. 19 evangelische Kitas mit 1700 Plätzen und 230 Mitarbeitern umfasst das Ammerländer Konvent.

120 000 Fachkräfte fehlen in den kommenden Jahren in der Kinderbetreuung – das hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergeben, berichtet Sylvia Will, die den Abend moderiert. Die Belastungen der Mitarbeiter seien gestiegen: Die Ausweitung auf Ganztagesbetreuung, die Inklusion, der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz – nur einige Beispiele, mit denen Will die steigenden Anforderungen an fachliche und soziale Kompetenzen der Erzieherinnen veranschaulicht.

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Jutta Jonen stellt zunächst den Orientierungsplan des niedersächsischen Kulturministeriums vor, nach dem die Kitas tagtäglich arbeiten. Es folgen Informationen zur Ausbildung der Fachkräfte, dabei wird ein Knackpunkt deutlich: Vier Jahre dauert die Ausbildung zur Erzieherin insgesamt, und während dieser ganzen Zeit gibt es in der Regel kein Geld. Zudem gebe es zu wenig Fachschulplätze, viele müssten zwischen den Ausbildungsabschnitten warten, ein Jahr, manchmal zwei.

Der Praxisanteil sei zu gering, viele junge Erzieherinnen würden von Überforderung berichten, spricht Referentin Karin Quade-Matthes aus Erfahrung. „Es werden einfach nicht genügend Fachkräfte ausgebildet“, resümiert Quade-Matthes.

„Die Stellenbesetzung ist heute schon sehr schwer“, bestätigt Ingrid Sander in ihrem Vortrag. Es gebe in erster Linie unattraktive Stellen mit niedrigen Stundenzahlen, gerade für Berufsanfänger sei das problematisch. „Es gibt kein Auskommen mit dem Einkommen“, fasst Sander zusammen.

Probleme mit Vertretung

Für Sanders Ausführungen gibt es immer wieder Applaus aus den Reihen. Die Hauptaufgabe der Kita-Leiterinnen sei ein „Organisieren und Verwalten des Personalmangels“. Problematisch sei auch die Vertretung im Krankheitsfall, ständig wechselnde Kräfte würden in die Kitas geschickt. „Erziehungsarbeit ist Bindungsarbeit“, erklärt Sanders die pädagogische Problematik, die durch wechselndes Personal entstehe.

Für die Erzieherinnen ist klar: Die Rahmenbedingungen für den Kita-Alltag müssen sich verbessern, um wieder mehr junge Menschen für den Beruf zu gewinnen.

Greta Block Volontärin / NWZ-Redaktion
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