Edewecht Dem Vorstand hat der Imkerverein bereits im Zuge seiner Jahreshauptversammlung einer Frischzellenkur unterzogen. „Im Schnitt sind dessen Mitglieder jetzt um die 40 Jahre alt“, berichtet Marc Hoffmann, 1. Vorsitzender des Vereins, mit 23 Jahren zugleich jüngstes Mitglied des Vereins. Doch das reicht ihm noch nicht: „Mein Traum ist es, eine Jugendabteilung zu gründen und junge Leute ab 14 Jahre zu finden, die Lust auf die Imkerei haben.“

Wie aber erreicht man die Jugend? „Die sozialen Medien habe ich schon im Kopf“, nennt Hoffmann eine Option, „aber das ist natürlich auch mit jeder Menge Aufwand verbunden, wenn man eine Facebook-Seite pflegen muss“. Viel lieber möchte er den Verein künftig selbst mehr in der Öffentlichkeit präsentieren, um einen direkten Draht zum potenziellen Nachwuchs aufzubauen. Das bedeutet: Man möchte sich auf Veranstaltungen zeigen. Einen Anfang hat der Verein bereits gemacht: „Wir waren im vergangenen Jahr erstmals beim Wittenberger Wurnbarg. Das ist sehr erfolgreich für uns verlaufen.“

Mehr Veranstaltungen

Auch auf der Edewechter „Marktpartie“ kann sich Marc Hoffmann einen Stand gut vorstellen. „Ich möchte mich gerne mal mit der Gemeinde in Verbindung setzen, schließlich sind auch auswärtige Fischereivereine vertreten. Warum also nicht auch wir?“ Das Interesse an Bienen im Allgemeinen, so der Vorsitzende, habe schon merklich zugenommen, auch vor dem Hintergrund des großen Bienensterbens. „Das Thema, vor allem in der Altersgruppe 30 plus, ist sehr präsent und ich bekomme auch immer mal wieder Anfragen dazu.“

Den Einstieg in die Imkerei gestaltet der Imkerverein für Neulinge äußerst niederschwellig: „Jeder, der zu uns kommt und keinerlei Erfahrung mit Bienen hat, bekommt jemanden an die Hand, der es ihm beibringt“, beschreibt der gelernte Notfallsanitäter, der seinen Dienst in der Oldenburger Großleitstelle verrichtet. „Mal ein Jahr lang über die Schulter schauen – unsere Jungimkerbetreuung bietet da gute Ansätze.“

Marc Hoffmann selbst hat vor neun Jahren per Zufall zur Imkerei gefunden: „Mein Nachbar hatte damals Bienen und ich war pünktlich zur Honigschleuderung bei ihm“, erinnert sich der 23-Jährige, „und damit hat er mich dann gekriegt“.

Sein Bienenvater habe ihm dann in der Folgezeit ein Bienenvolk, immerhin 50 000 bis 60 000 Tiere, geschenkt, und das habe er dann hinter ein Möbelhaus an der Ammerlandallee gestellt. „Grundsätzlich“, sagt er, „kann man sein Volk überall ausschwirren lassen, man muss nur mit Leuten sprechen.“ Baumschulen, Bauern, der eigene Garten, Flachdächer – oder eben ein Möbelhaus. „In Großstädten wie Berlin ist es nicht selten, dass Bienenstöcke auf Hochhausdächern stehen.“

Anfänger können ihre Bienen aber auch einfach in den kleinen heimischen Garten stellen. „Im Idealfall hinter einer Hecke, damit sie nicht ständig auf der Terrasse sind“, schränkt Hoffmann ein, „denn das mögen manche dann vielleicht doch nicht“. Der Arbeitsaufwand jedenfalls sei nicht sonderlich groß, führt er aus.

„Jeder Berufstätige kann das, alle sieben Tage mal für eine halbe Stunde den Bienenstock durchgucken. In der Saison während der Schleuderung ist es dann auch mal etwas mehr.“ Aber, ergänzt der Imker, man mache das ja nicht aus Zwang, sondern weil man Spaß daran habe.

Zwei Völker ideal

Natürlich kann man das Hobby auch mit mehr Aufwand angehen. „Ich selbst habe sechs Völker und wenn man größer wird, dann wandert man auch schon mal mit ihnen.“ Beispielsweise an die Nordsee, wegen des Rapses, der auf dem dortigen Marschboden deutlich besser „honigt“ als auf dem hiesigen Geestboden.

„Ideal ist es, zwei Völker zu haben“, meint Marc Hoffmann, und das aus einem ganz einfachen Grund: „Wenn eines mal stirbt, hat man immer noch eins.“ Es sei nämlich so: „Stirbt das einzige Volk, ist die Motivation gering, noch einmal vorne anzufangen, gering, weil die Enttäuschung so groß ist.“

Dass Marc Hoffmann sehr daran interessiert ist, Jüngeren sein Hobby schmackhaft zu machen, erkennt man schon an seinem vergangenen Einsatz für die Imkerei. „Früher habe ich schon mal Vorträge vor Viert-, Fünft- und Sechstklässlern gehalten, mit ihnen Führungen gemacht und den Deckel des Bienenstocks geöffnet“, beschreibt er. „Und wer ganz mutig war, dem habe ich dann eine Drohne auf die Hand gesetzt.“ Die sind männlich und haben gar keinen Stachel.

Bei ihrer Jahreshauptversammlung haben die Bienenfreunde nun beschlossen, sich mit einer Satzung um das Prädikat „e.V.“, eingetragener Verein, zu bemühen, was bedeutet, dass der Verein lediglich einen ideellen, also keinen wirtschaftlichen Zweck verfolgt. Dies soll zusätzlich ein gutes Licht auf die künftige Öffentlichkeitsarbeit werfen und weitere Menschen dazu animieren, ihm beizutreten.

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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