WIEFELSTEDE „Neonazis“ – so erfahren die Schüler der Klasse 8b der Oberschule Wiefel­stede – „haben etwas gegen Ausländer, gegen Juden, Homosexuelle, gegen Menschen mit Behinderungen, gegen Obdachlose und gegen Linke.“ Sebastian Ramnitz, Erzieher in einer „Geschlossenen intensivtherapeutischen Wohngruppe für Jugendliche“ in Lohne und Referent im Bereich Rechtsextremismus, informiert an diesem Dienstag im Rahmen des Präventionsprojektes „Wir sparen uns den Hass und investieren in Toleranz“ über dieses Thema. Finanziert hat das der Förderverein der Oberschule. Ramnitz erklärt, wie man Neonazis erkennt – was nicht immer leicht ist. Und verdeutlicht, welche Gefahren von ihnen ausgehen.

Neonazis bevorzugen Kleidung von Marken wie „Lonsdale“ oder „Consdaple“, in denen sich Buchstaben zu „NSDA“ oder NSDAP“ reihen. Dabei spendet „Lonsdale“ längst einen Betrag pro verkauftem Kleidungsstück für antifaschistische Projekte, um die rechten Käufer loszuwerden. Auch Kleidung der Marke „Thor Steinar“ ist in der Szene beliebt, nennt der 24-Jährige, der vom Bündnis für Demokratie und Toleranz zum Botschafter ernannt worden war, ein weiteres Beispiel.

„Gefährliche Musik“

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Ramnitz spricht von der Musik der rechten Szene, die in derzeit 165 Bands und etwa ebenso vielen Konzerten jährlich oft im Gewand von Rock, HipHop oder gar Punkrock daherkommt. Manchmal schlüpft sie ins akustische Kleid von Kinderliedern und verbreitet so rechtes Gedankengut – was wiederum nicht immer leicht zu erkennen ist, weist Ramnitz auf die besondere Gefährlichkeit solcher Lieder hin. Denn nicht alle Gruppen sagen so klar, was sie denken wie die nicht mehr existente Band „Landser“, deren Sänger mit der danach gegründeten Gruppe „Die Lunikoff-Verschwörung“ mehrmals auch bei Veranstaltungen der NPD auftrat.

„Gemüsekuchen“

„Dürfen Neonazis Pizza essen?“ fragt Ramnitz die Schüler und macht mit diesem Beispiel deutlich, wie sich die Szene auch sprachlich erkennbar macht. Da heißt die Pizza dann „Gemüsekuchen“ und darf so gegessen werden, und ein Button wird zum „Gesinnungsknopf“.

Der Referent zeichnet bezüglich der Rechtsextremen kein Bild von dumpfen Schreihälsen, sondern macht deutlich, dass die verschiedenen rechten Gruppierungen international vernetzt und zunehmend sehr bemüht sind, in Deutschland in bürgerlichen Institutionen Fuß zu fassen – wie in Kindergärten oder Vereinen. „Wenn solche Gruppen nicht wollen, dass ihr sie erkennt, dann erkennt ihr sie erst einmal auch nicht“, sagt Ramnitz und rät den Schülern umso mehr, mit Freunden zu reden, wenn diese Gefahr liefen, in entsprechende Gruppen hineinzugeraten: „Appelle von Erwachsenen helfen da erfahrungsgemäß kaum.“

„Nicht offen genug“

Ramnitz, der als Referent nicht nur in Schulen, sondern auch bei den Gewerkschaften in ganz Niedersachsen zu Gast ist, machte vor dem Unterricht im Gespräch mit der NWZ  deutlich, dass das Problem des Rechtsextremismus in Niedersachsen vielfach verdrängt werde, auch die Politik damit nicht offen genug umgehe. Er selbst setzt auf Aufklärung, um den Rechtsextremen, die gern auch an Schulen neue Mitglieder rekrutierten, den Nährboden zu entziehen.

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