RASTEDE An die Geschenke erinnert sich Hans-Joachim (besser bekannt als Jochen) Oels noch genau. Einmal bekam er zu Weihnachten einen kleinen Pferdestall, komplett mit Pferd und Wagen, einmal ein kleines Auto.

„Meine Mutter war handwerklich sehr geschickt und stellte die Geschenke aus Holz her“, erzählt der heute 72-Jährige. Die Bescherung fand im Schloss zu Rastede statt. Dort lebte die Familie von 1941 bis zum Kriegsende in den großherzoglichen Räumen.

Bewusst wahrgenommen habe er jene Zeit freilich nicht. Oels war keine zwei Jahre alt, als die Familie ins Schloss zog. Später entwickelte sich allerdings eine freundschaftliche Beziehung zu den jüngsten Söhnen von Erbgroßherzog Nikolaus von Oldenburg – den Zwillingen Huno und Johann – die bis heute anhält.

Oels Vater war Marine-Offizier und Ende 1941 auf dem Schlachtschiff „Bismarck“ gefallen. Die Offizierswitwe zog danach mit dem Sohn und dessen beiden Schwestern im Schloss ein. Das hatte der Erbgroßherzog für Kriegswitwen verfügbar gemacht.

Besatzer im Schloss

Während im benachbarten Kavalierhaus weitere Familien untergebracht wurden, zog Familie Oels in die großherzoglichen Räume ein. Im Mai 1945 musste sie sich jedoch eine neue Bleibe suchen.

„Die Besatzer nahmen das Schloss in Beschlag“, schildert Jochen Oels. Binnen 24 Stunden musste das Gebäude geräumt werden, das damals von Theodor Beenken verwaltet wurde. Oels’ Mutter kam maßgebliche Bedeutung dabei zu, das Mobiliar vor den Besatzern zu sichern.

Davon erfuhr auch der Erbgroßherzog, der 1946 nach Rastede kam. Er suchte Oels’ Mutter auf, um ihr ausdrücklich zu danken. Als Geschenk überließ er ihr einen Dresdner Barockschrank. „Dieser Schrank steht heute bei meiner Schwester, die in Kiel lebt“, berichtet Oels, der nach dem Abitur selbst zur Marine ging, Schnellboot- und Zerstörer-Kommandant war und als Kapitän zur See die Marineoperationsschule in Bremerhaven leitete.

Seine Mutter habe sich allerdings noch ein zweites Geschenk erbeten, das Ständerwerk einer Wildhütte, die im Schlosspark stand. Der Erbherzog kam dem Wunsch nach. Aus dem Ständerwerk baute die Mutter einen Stall, der noch heute auf dem Gelände des Autohauses Horstmann steht.

Wohnhaus abgerissen

Unmittelbar daneben befand sich jenes Haus, in dem die Familie Oels unterkam, nachdem sie das Schloss verlassen musste. Es wurde gerade in dieser Woche abgerissen. „Zuvor waren wir jedoch in zwei Zimmern untergekommen, die sich auf dem heutigen KGS-Gelände befanden“, erinnert sich Oels.

Als die großherzogliche Familie wieder in Rastede lebte, entwickelte sich eine Jugendfreundschaft zwischen Oels und den Zwillingen Huno und Johann. „Damals war ich fast täglich im Schloss“, berichtet der 72-Jährige, der dort sogar das Reiten lernte. „Es gab eine Ponyherde, und wir sind in Feld und Flur oder im Schlosspark geritten“, erzählt Oels. Rittmeister Otto Dräger brachte die Jungen auf Trab.

Die Ausbildung trug Früchte. Beim ersten Landesturnier 1949 startete Oels beim Ponyturnier. Kaum ein Turnier verpasste er seitdem, stand stets in erster Reihe der Helferschar und an der Seite der großherzoglichen Familie.

„Ich habe eine herrliche Zeit erlebt“, blickt Oels heute gerne zurück. Und das ist doch das schönste Geschenk, das wohl nie in Vergessenheit geraten wird.

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
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