RASTEDE Heute vor 50 Jahren hielt Rastede für einen Moment inne. Es war der 5. Mai 1962, ebenfalls ein Sonnabend, als einer der seinerzeit bekanntesten und wichtigsten Männer des Ortes plötzlich verstarb: Wilhelm Behrens, Direktor der Radiatoren- und Kesselwerke August Brötje, erlag im Alter von 55 Jahren an den Folgen einer Lungenembolie.

Flaggen auf Halbmast

Irma Brüning ist damals 21 Jahre alt. Sie studiert in Heidelberg Russisch, VWL und Englisch, als sie vom Tod ihres Vaters erfährt. „Ich bin noch nachts mit dem Zug nach Hause gefahren“, erinnert sich die heute 71-Jährige. In Rastede hängen die Flaggen auf Halbmast. An der Trauerfeier fünf Tage später im Brötje-Werk nehmen rund 2000 Menschen teil. Bilder, die Irma Brüning niemals vergessen wird. „Es war ein Schock für die Leute im Ort. Damit hatte niemand gerechnet.“

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Wilhelm Behrens wird am 17. März 1907 in Petersfeld geboren und wächst in Gristede auf. Schon in der Schule fällt er durch seine außerordentliche Begabung auf und überspringt mehrere Klassen. Nach der Maschinenbau-Lehre fängt er 1926 im Brötje-Werk an. Nach dem Tod von August Brötje wird er 1936 geschäftsführender Direktor – und sollte die Firma bis zu seinem Tod maßgeblich mitgestalten.

Wilhelms Behrens war das, was man heute wohl einen „Workaholic“ nennt, die Arbeit bestimmte seinen Tagesablauf. „Er ging morgens um sieben Uhr aus dem Haus und kam abends erst sehr spät wieder“, sagt Irma Brüning, die noch heute in ihrem Elternhaus an der Raiffeisenstraße wohnt, das ihr Vater 1938 erbaut hatte.

Häufig war er unterwegs, schaute bei den verschiedenen Firmen-Niederlassungen, die sich unter anderem in Hamburg und in Österreich befanden, nach dem Rechten. Dazu übernahm er zahlreiche weitere Aufgaben in Verbänden und Gremien und war in der Kommunalpolitik aktiv (siehe Infokasten). „Die viele Arbeit hat er nicht als Last empfunden, er hat nie geklagt“, sagt Irma Brüning.

Oft gesehen hat sie ihren Vater nicht, die Erziehung übernahm Ehefrau Martha. Der Sonntag war jedoch für die Familie reserviert: „Da sind wir Spazieren gegangen. Das war Tradition so. Und wenn wir wieder zu Hause waren, hat er immer seine einzige Zigarre in der Woche geraucht“, berichtet Irma Brüning und lächelt.

Noch heute beliebt

Die 71-Jährige beschreibt ihren Vater, nach dem Anfang der 70er Jahre eine Straße in Rastede benannt wurde, als einen „sehr besonnenen Menschen“, der Wert darauf legte, dass sich die Beschäftigten bei Brötje wohl fühlten. „Er hat den Betrieb sehr familiär geführt und konnte gut mit den Leuten umgehen.“

Auch für die Vertriebenen aus dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich ein, indem er den Bau der Brötje-Siedlung initiierte, wo die Vertriebenen leben konnten. Er bürgte für sie bei der Bank und gab ihnen Arbeit in der Firma. „Ich glaube, dass mein Vater sehr beliebt war. Ich werde noch heute häufig auf ihn angesprochen“, erzählt Irma Brüning.

Was die Firma für ihren Vater Wilhelm Behrens bedeutet hat? Irma Brüning überlegt kurz, nickt dann und sagt:„Brötje war sein Leben.“

Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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