Michael Schmidt ist ein erfahrener Schlittschuhläufer. Ins Eis eingebrochen ist er noch nie.

Von Otto Renken

Frage: Herr Schmidt, nach der jüngsten Frostperiode ist schon eine Eisschicht auf dem Zwischenahner Meer zu sehen. Waren Sie in diesem Winter schon Schlittschuhlaufen?

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Dr. Schmidt: Leider hatte ich noch keine Gelegenheit dazu. Sonst wäre ich bestimmt schon im Fintlandsmoor gewesen, um das Eis zu testen.

Frage: Die Gemeinde hat am Ufer Schilder mit der Aufschrift „Betreten verboten“ aufstellen lassen. Übertriebene Vorsicht oder berechtigt?

Dr. Schmidt: Ich kenne nicht die Verordnungskompetenz der Gemeinde. Laut Verordnung des Landkreises für das Zwischenahner Meer geschieht das Betreten des Eises auf eigene Gefahr.

Frage: Wie dick muss denn das Eis auf dem Meer mindestens sein, damit man es bedenkenlos betreten kann?

Dr. Schmidt: Mal abgesehen von den verschiedenen Qualitäten des Eises kann man sich bei der Eisstärke nur schwer festlegen: Ein Einzelner braucht z.B. weniger dickes Eis als eine Sonntags-Menschenmenge. Wir wissen, dass das Eis auf dem Meer sehr ungleichmäßig friert. Mein krassestes Beispiel hab ich 1947/48 erlebt, als in Rostrup britische Militär-Lkws auf’s Eis fuhren – und in der Südostecke des Meeres ein Freund neben mir ins Eis einbrach. Damals hat übrigens Dr. Heinz-Hermann Brahms meinen Kameraden vorbildlich gerettet.

Frage: Früher hat der Landkreis Ammerland die Eisdicke im Winter regelmäßig gemessen und den See – oder bestimmte Abschnitte davon – offiziell freigegeben, wenn mindestens 15 Zentimeter festgestellt wurden. Wie finden Sie die heutige Regelung, bei der jeder das Risiko für sich selbst abschätzen muss?

antwort: Ich halte mehr von der Eigenverantwortlichkeit. Eigentverantwortung geht aber nur in Kombination mit gründlicher Aufklärung. Das Musterbeispiel ist für mich Schweden, wo die Aufklärung hoch entwickelt ist durch Medienbeiträge oder Literatur. Auch wird dort Training zur Selbstrettung angeboten.

Frage: Sie sind Schlittschuhläufer mit einer über 60-jährigen Erfahrung. Halten Sie das Mitführen irgendwelcher Rettungsgeräte für sinnvoll?

Dr. Schmidt: Das Allerwichtigste ist ein Eisretter. Dieses einfache und leichte Gerät ermöglicht einem, so schnell wie möglich wieder aus dem Wasser zu kommen. Man bekommt diese Eisretter beispielsweise bei aktiven Eisseglern, früher wurden sie auch von Sportausrüstern angeboten und ich weiß, dass der Zwischenahner Segelklub (ZSK) solche Geräte vorrätig hat. Sehr nützlich ist auch ein Prüfstab, also ein Besenstiel mit Metallspitze. Und seit dem Vorfall vom 29. Januar 2006 steht für mich fest: Nie wieder ohne Wurfleine aufs Eis! Diese Leine hängt heute an meinem wasserdichten Rucksack, der als Schwimmhilfe ebenfalls empfehlenswert ist. Im Rucksack kann man außerdem eine Teeflasche und Ersatzkleidung mitnehmen. Ich trage beim Schlittschuhlaufen außerdem stets meine Inliner-Ausrüstung, also Helm und Gelenkschützer.

Frage: Sie haben am 29. Januar 2006 einem Mann aus Stuhr das Leben gerettet. Dieser war ins Eis des Meeres eingebrochen und verdankt Ihrer Hilfe sein Leben. Haben Sie noch Kontakt zu dem Mann und sich eventuell schon zum gemeinsamen Schlittschuhlaufen verabredet?

Dr. Schmidt: Aus dem Unglück ist eine schöne Freundschaft entstanden. Aufgrund der Witterung hatten wir zwar bislang keine Gelegenheit zum Schlittschuhlaufen. Stattdessen haben wir das Ammerland auf Inlinern durchquert. Und haben auch gemeinsame Fahrradtouren unternommen.

Frage: Glauben Sie, dass wir jetzt noch eine richtige "Eiszeit" auf dem Meer bekommen werden?

Dr. Schmidt: Ich bin kein Prophet. Freuen würde mich allerdings sehr – meine Ausrüstung liegt bereit.

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