Pflege
Plötzlich fehlen frohe Gesichter

Zweieinhalb Jahre durfte Wilma Hirschberg mit Freunden im Bistro ihres Seniorenheims essen. Doch dann wurden die Regeln geändert.

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Bad Zwischenahn Wer in einem Pflegeheim lebt, vermisst oft besonders den Kontakt mit Menschen von außerhalb – auch wenn es noch Verwandte gibt, die regelmäßig zu Besuch kommen. Besonders für Heim-Bewohner, die geistig noch sehr fit sind, ist es nicht leicht, wenn sie den größten Teil des Tages von anderen, oft dementen Bewohnern umgeben sind.

Auch Wilma Hirschberg, 94 Jahre alt, geht das so. Sie lebt seit zweieinhalb Jahren in der „Residenz zwischen den Auen“ in der Bad Zwischenahner Bahnhofstraße. Zum Gehen braucht sie einen Rollator, aber ihr Geist ist wach. Sie braucht wenig Unterstützung von den Pflegekräften, auch, weil ihre Tochter täglich vorbei kommt.

Dennoch: In den vergangenen zweieinhalb Jahren war Wilma Hirschberg immer froh, zum Mittagessen und nachmittags zum Tee in das Bistro gehen zu dürfen, das zum Heim gehört. Sie saß dort mit einer kleinen Gruppe anderer Bewohner und mit externen Gästen zusammen und freute sich über die Gespräche. Das Bistro ist ein öffentliches Lokal, die Bewohner mussten für ihr Essen, das sie sonst im Speisesaal zu sich genommen hätten, bisher aber nicht bezahlen. Vertraglich vereinbart war das allerdings nicht.

Und seit einiger Zeit gibt es neue Regeln: „Ich dürfte weiter in das Café, müsste dann mein Essen und den Tee aber bezahlen, wie jeder andere Gast“, sagt die 94-Jährige. Von rund 100 Euro Taschengeld im Monat, die ihr bleiben, gehe das aber nicht. „Ich habe mich immer so gefreut, frohe Gesichter zu sehen und mich zu unterhalten. Ich möchte das nicht aufgeben“, sagt die 94-Jährige.

Patrick Seikert, Geschäftsführer der Peter-Janssen-Gruppe, der die Residenz zwischen den Auen gehört, räumt ein, dass die neue Regelung für einige Bewohner nicht schön sei. Das Bistro solle auch durchaus ein Ort sein, an dem Heimbewohner und Menschen von außerhalb des Heimes zusammen kommen könnten. Zum Beispiel, wenn Bewohner dort mit Familienangehörigen gemeinsam essen. Und dann müssen die Bewohner ihr Essen auch nicht bezahlen.

Seikert erklärt aber, die Zahl der Bewohner, die täglich im Bistro hätten essen wollen, habe in der Vergangenheit immer weiter zugenommen. Das Personal habe häufiger externe Gäste, die den vollen Preis zahlen, abweisen müssen. „Die Alternative wäre, das Bistro an einen Gastronomen zu verpachten. Dann allerdings müssten die Bewohner auch bezahlen, wenn sie mit ihren Angehörigen dort essen“, so Seikert.

Begegnung zwischen Bewohnern und Gästen entstehe im übrigen auch dadurch, dass die vornehmlich ältere externe Kundschaft des Bistros mit den Besuchen im Bistro Ängste vor dem Pflegeheim abbauen und dann auch an Aktivitäten im Haus teilnehmen könne. Das solle auch durch das hauseigene Personal im Bistro gefördert werden, so Seikert.

Wilma Hirschberg tröstet das kaum. Sie vermisst ihre Gespräche. Ihre Tochter besucht sie zwar täglich, kann aber nicht immer mit ihr im Bistro essen. Und so voll, dass Gäste abgewiesen werden müssten, sei das Lokal normalerweise auch gar nicht, sagt sie.

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