Bad Zwischenahn In der Diskussion um Nitratwerte im Grundwasser steht vor allem die Landwirtschaft in der Kritik. Die Düngung der Böden mit Gülle oder Gärresten aus Biogasanlagen gilt oft als Hauptverursacher von steigenden Nitratwerten. Landwirte sehen sich dagegen zu Unrecht an den Pranger gestellt. Zum einen, das kritisieren auch Landwirte aus dem Ammerland, habe Deutschland im Gegensatz zu anderen Staaten nur die Werte von besonders belasteten Messstellen an die EU gemeldet – und damit eine falsche Datenbasis geschaffen, die Grundlage für eine massiv verschärfte Düngeverordnung ist.

Zum anderen verweisen Landwirte immer wieder auf eine andere Quelle für Nitrat in Gewässern: Kläranlagen. Dort kommt Nitrat in großen Mengen an – unter anderem aus menschlichen Fäkalien. Immer wieder gibt es auch die Behauptung, bei starkem Regen würde Abwasser ungeklärt in Flüsse und Bäche geleitet.

Die NWZ hat in der Zwischenahner Kläranlage nachgefragt, wie viel Nitrat von dort in die Umwelt gelangt, und ob tatsächlich auch ungeklärtes Wasser – quasi an der Kläranlage vorbei – in die Natur gelangt.

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Regenwasser getrennt

Die letzte Frage beantworten Lutz Schöbel, Leiter der Gemeindewerke für Wasser und Abwasser und Uwe Frerichs, Betriebsleiter der Kläranlage mit einem klaren „Nein“. Zum einen gebe es in Bad Zwischenahn keine Mischkanalisation – Regenwasser, dass von versiegelten Flächen wie Häuser und Straßen abläuft, gelangt gar nicht in die Kläranlage. Zum anderen habe die Kläranlage bereits seit den 1980er Jahren ein großes Rückhaltebecken. Kommt also besonders viel Abwasser in der Kläranlage an, wird es gespeichert und dann nach und nach durch die Klärung geleitet. „Da läuft nichts an der Anlage vorbei“, sagt Schöbel.

Und wie sieht das mit den Nitratwerten aus? Auch das erläutert Frerichs. In dem Abwasser, dass die Kläranlage erreicht, befänden sich im Schnitt 60 Milligramm Ammoniumstickstoff pro Liter. Ein Teil davon liegt als Ammoniak im Wasser vor, und dieser Stoff ist für Wasserlebewesen wie Fische giftig.

Eine Aufgabe einer Kläranlage ist es, den Stickstoff im Wasser zu reduzieren, bevor es wieder in die Umwelt gelangt. „Dafür“, sagt Schöbel, „gibt es genaue Vorgaben.“ Die Kläranlage Bad Zwischenahn müsste das Wasser so behandeln, dass nur noch 5 Milligramm Ammoniumstickstoff und 14 Milligramm Nitrat im Wasser sind.

Nitrat ist eine Verbindung von Stickstoff und Sauerstoff und wichtiger Bestandteil der Ernährung von Pflanzen. Zu hohe Nitratwerte im Trinkwasser können aber vor allem für Säuglinge gefährlich sein. „Die vorgegebenen Werte unterschreiten wir deutlich“, sagt Schöbel.

Bakterien wandeln in den großen Becken der Kläranlage den Ammoniumstickstoff erst zu Nitrit und dann zu Nitrat um. „Nitrifikation und Denitrifikation heißen diese Prozesse“, erklärt Frerichs. Am Ende des Prozesses liegt der Stickstoff zum größten Teil als elementarer Stickstoff vor und entweicht in die Atmosphäre – wo er mit rund 78 Prozent ohnehin den Hauptbestandteil unserer Atemluft ausmacht.

7500 Kilo

Das Wasser aus der Bad Zwischenahner Kläranlage hat nach der Behandlung im Schnitt noch ein Milligramm Ammoniumstickstoff und fünf Milligramm Stickstoff insgesamt. 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser laufen pro Jahr aus der Kläranlage in die direkt daneben liegende Aue – 7500 Kilogramm Stickstoff gelangen so in den Bach. Zum Vergleich: Die Düngeverordnung legt 170 Kilogramm Gesamtstickstoff pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche und Jahr als Obergrenze fest. Der Nitratgrenzwert für Trinkwasser liegt bei 50 Milligramm je Liter.

„Für die Einleitung von Nährstoffen in die Gewässer zahlen alle Kläranlagenbetreiber eine Abgabe. Werden zuviel Nährstoffe abgegeben, werden zusätzliche Abgaben fällig“, erläutert Schöbel. Zu dem eigenen Interesse, die Umwelt mit möglichst wenig Nährstoffen zu belasten, komme also auch ein finanzieller Anreiz, die Grenzwerte möglichst einzuhalten. Kontrolliert werden die Werte auch, und zwar jeden Monat.

Nicht ganz so gut wie die Reinigungsleistung der großen Kläranlagen sei in der Regel die von privaten Kleinkläranlagen, sagt Frerichs. Rund 700 davon gibt es im Gemeindegebiet – überall da, wo Häuser nicht an die Kanalisation angeschlossen sind. Auch die Werte dieser Kleinkläranlagen würden aber vom Landkreis überwacht.

„Mehr als 90 Prozent des Gemeindegebietes sind angeschlossen“, sagt Schöbel. Und bei diesem Wert wird es wohl auch bleiben – zusätzliche Kanäle zu den Häusern in den Außenbereichen zu bauen, sei wirtschaftlich nicht sinnvoll, so Schöbel.

Neuer Filter

Die Bad Zwischenahner Kläranlage soll im kommenden Jahr noch etwas besser werden. Dann wird eine sogenannte „Tuchfiltration“ gebaut. Die Nitratbelastung des Wassers wird sie allerdings nicht wesentlich reduzieren. Die Tuchfiltration filtert Schwebeteilchen und in gewissen Grad auch Mikroplastik ab einem Durchmesser von 0,5 Millimetern aus dem Wasser. „Dazu wird es nacheinander durch sechs Filter geleitet, die regelmäßig automatisch gespült werden“, erklärt Frerichs. Die endgültigen Baukosten stehen noch nicht fest, Schöbel rechnet mit ungefähr einer Million Euro.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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