Ammerland Düngeverordnung? Allein das Wort lässt bei so manchem Landwirt im Landkreis Ammerland den Blutdruck steigen. Denn mit der am Montag von der Landesregierung verabschiedeten „Niedersächsischen Verordnung über düngerechtliche Anforderungen zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat oder Phosphat“ (NDüngGewNPVO) geht die Markierung bestimmter Gebiete im Landkreis einher, die künftig unter strenge Dünge-Regeln fallen sollen.

Rote Gebiete

In diesen sogenannten roten Gebieten sollen – wie berichtet – die Nährstoffeinträge ins Grundwasser durch die Landwirtschaft verringert und damit schlussendlich die Umweltziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie erreicht werden. Allerdings gibt es Übergangsfristen – und die Messstellen und Brunnen sollen noch einmal überprüft werden. Eine solche Kontrolle soll dann auch später regelmäßig erfolgen.

Brunnen und Messstellen

Eben jene Brunnen und Messstellen sind es, die das Landvolk Ammerland umtreibt. Der Verband vertritt die Interessen von rund 840 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Ammerland sowie knapp 2000 weitere Verbandsmitglieder, die zum großen Teil Flächen verpachtet haben und damit ebenfalls von politischen Entscheidungen betroffen sind. Vorsitzender Manfred Gerken aus Bad Zwischenahn, sein Stellvertreter Felix Müller aus Rastede und Thorsten Jan-Dirk Cordes, Geschäftsführer des Landvolksverbands, zweifeln die Messergebnisse einiger Brunnen aufgrund ihres Standorts und der Gegebenheiten vor Ort an. Sie fordern eine rechtliche Überprüfung der Datenerhebung, aber auch mehr Messstellen und nicht zuletzt mehr Transparenz.

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Kritik äußern die drei zudem an der 100-prozentigen Schuldzuweisung gegenüber den Landwirten. „Was ist mit den Kläranlagen?“, fragt Gerken beim Gespräch mit der NWZ und fordert eine Überprüfung, inwieweit diese sich auf die Messergebnisse auswirken. Und auch die Nähe der Messstellen zu privaten Kleinkläranlagen sollte unter anderem berücksichtigt werden.

Eine differenzierte Betrachtung erfordert ihrer Ansicht nach auch der Phosphat-Eintrag ins Zwischenahner Meer. Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Flächen spiele im Hinblick auf die Belastung des Meeres nur eine untergeordnete Rolle. Eine Reduzierung des Phosphat-Gehalts in dem Gewässer könne durch die geplanten Maßnahmen der Landesdüngeverordnung kaum erreicht werden.

Zielführender sei eine Ursachenforschung, die auch die vielen Privathäuser mit teilweise alten und beschädigten Abwasserleitungen ins Visier nimmt, so der Verband. Ansichten, die die Gruppe schon im Zuge einer Stellungnahme zum Entwurf der Düngeverordnung Anfang Oktober schriftlich eingebracht hatte.

Cordes betont: „Wir sind nur ein Teil der Lösung, es müssen alle Verantwortlichen identifiziert werden. Davon abgesehen, dass Landwirte nicht das Problem sind, sie sind Teil der Lösung.“

Doch warum sind die Landwirte eigentlich so wütend? Die Düngeverordnung sieht in den betroffenen Gebieten eine Reduzierung der Nährstoffversorgung um 20 Prozent vor. So soll unter anderem dazu beigetragen werden, dass in Deutschland die EU-Richtwerte für den Nitratgehalt im Grundwasser eingehalten werden können. Sprich: Es soll weniger Dünger auf die Felder. Das jedoch, so die Vertreter des Landvolkverbands, führt zu geringeren Erträgen und teils massiven Qualitätseinbußen. Das könne gravierende Auswirkungen auf die Betriebe haben – in der Folge drohten Betriebsaufgaben. Müller ergänzte: „Denn wenn das alles so kommt, fehlen den Landwirten die Perspektiven.“

Unterm Strich hofft der Verband, dass der Dialog gefördert wird. Schlussendlich hätten auch die Landwirte ein großes Interesse an einer guten Grundwasserqualität. Man sei bereit, Maßnahmen umzusetzen, seinen Teil beizutragen, aber mit Augenmaß. Gleichzeitig begrüßen die Ammerländer, dass der Landvolkverband Niedersachsen aktiv versucht, Änderungen bei der Düngeverordnung herbeizuführen.

Rechtliche Schritte

So bereitet dieser ebenso wie der Kreislandvolkverband Wesermarsch derzeit eine Klage vor. Wobei die Vertreter der Wesermarsch vor allem die Ausweisung von Teilen Moorriems als rotes Gebiet, das an das Ammerland grenzt, verhindern möchten.

Der Landvolkverband Ammerland wird nicht klagen. Sollte jedoch ein Landwirt aus dem Gebiet rechtliche Schritte in Erwägung ziehen, „werden wir ihn dabei massiv unterstützen“, so der Vorstand.

Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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