Bad Zwischenahn Bis jetzt kommen die meisten Gäste noch eher zufällig: Eine offizielle Eröffnung für den frisch restaurierten Scholjegerdes-Hof am Zwischenahner Ortseingang gab es schließlich noch nicht und bisher weist auch nur ein kleines Schild darauf hin, dass die neueste gastronomische Attraktion des Ortes geöffnet hat. Und das ist auch Absicht, wie Pächter Benjamin Doyen-Waldecker und Betriebsleiter Peter Lehner erzählen. „Wir probieren hier gerade noch ganz viel aus“, sagt Doyen-Waldecker. „Wir haben hier schließlich keinen bestehenden Betrieb übernommen, sondern bauen etwas ganz Neues auf.“ Immerhin, trotz des oft beklagten Fachkräftemangels sind alle Stellen besetzt und seit dem 11. Juni ist das neue Lokal von Mittag bis zum Nachmittag geöffnet.

Hofstelle seit 1681

Eine Hofstelle existiert an diesem Ort bereits 1681. Gerd Schumacher baute hier ein Haus und arbeitete als Briefträger und betreute eine Wegezollstation an der heutigen Einmündung der Wiefelsteder Straße in die Oldenburger Straße.

Der Hof wird mehrfach verkauft und vererbt und geht immer wieder in den Besitz neuer Eigentümer – bis ihn 1882 Eilerd Scholjegerdes aus Torsholt kauft. Dessen Sohn Johann Gerhard vererbt ihn an seine Söhne Fritz, Franz und Georg Johann, die ihn noch weit bis in die neunziger Jahre mit Pferd und Ackerschiene bewirtschaften.

Da es keine Erben gibt, entscheiden sich Franz und Georg Johann Scholjegerdes, den Hof dem Verein für Heimatpflege Bad Zwischenahn zu überlassen – mit der Auflage, ihn herzurichten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit 2016 wurde der Hof für rund 1,5 Millionen Euro restauriert.

Eigentlich hatten Doyen-Waldecker und der Verein für Heimatpflege, der den Hof vor einigen Jahren geerbt hatte, eine Eröffnung zum Start der Saison eingeplant. Diverse Verzögerungen bei der Sanierung des denkmalgeschützten Bauwerkes verhinderten das aber. Jetzt ist aber zumindest im Inneren alles fertig und die ersten Gäste hätten begeistert reagiert, berichtet der Pächter. Ganz bewusst wurde die alte Raumaufteilung erhalten, immer wieder gibt es kleine Details, die an die Zeit vor der Restaurierung erinnern.

Beim gastronomischen Konzept setzen Spieker-Wirt Doyen-Waldecker und Peter Lehner, früher Küchenchef im Hotel „Haus am Meer“, auf ein ganz eigenes Konzept. Auf der Karte finden sich viele Produkte mit einem gewissen ökologischen oder sozialen Hintergrund. Wasser von Viva con Aqua etwa. Der Hersteller fördert nachhaltige Projekte für sauberes Trinkwasser weltweit. Fair gehandelte Limonade gibt es in Bio-Qualität dazu besondere Tees und Biere. „Es muss nicht alles Bio sein“, sagt Doyen-Waldecker. „Aber wenn wir ein gutes Produkt in Bio-Qualität bekommen können, nehmen wir es.“ Fleisch kommt ausschließlich vom Hof von Renke Specht aus Hollwege mit dem Umweg über die Fleischerei von Malte Luers in Westerstede – und jeden einzelnen der besonderen Lieferanten gibt es in der Karte etwas zu lesen.

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Auch beim Gemüse setzt Peter Lehner Akzente: Paprika und Zucchini raus, vergessene deutsche Klassiker wie Pastinake, Rote Beete oder Petersilienwurzel rein. Die Zubereitung ist klassisch ohne Zauberei. „Es wird maximal gekocht oder gebraten“, sagt Doyen-Waldecker. Überraschungen gibt es dennoch: statt Roter Grütze eben Apfel-Birnen-Grütze. „Da muss man schon etwas rumprobieren, weil sich das eben anders kocht als eine Rote Grütze.“

Wichtig war dem Pächter und seinem Betriebsleiter auch, dass die Mannschaft stimmt und hinter dem Konzept steht. „Und das tut sie“, ist Doyen-Waldecker überzeugt.

Und auch wenn der gastronomische Ansatz im Scholjegerdes-Hof sich von dem des Spieker deutlich unterscheidet – ein Prinzip hat der Chef beibehalten: In der Küche arbeiten, außer Lehner, keine ausgebildeten Köche, sondern Hausfrauen, die hier vor allem mit Spaß kochen sollen. „Ein ausgebildeter Koch würde sich hier nur langweilen“, ist Doyen-Waldecker überzeugt. Auf längere Sicht soll im Scholjegerdes-Hof auch ausgebildet werden. „Wir denken an Fachkräfte im Gastgewerbe und dabei vor allem an junge Leute, die anderswo vielleicht schlechtere Chancen haben“, so Doyen-Waldecker.

Aber erstmal muss das Lokal rund laufen, das Team eingespielt sein und die Karte ihr endgültiges Gesicht bekommen. Demnächst soll es neben Mittagessen, Kaffee und Kuchen auch Frühstück geben. Aus dem Abendgeschäft wollen sich Doyen-Waldecker und Lehner heraushalten. „Wir arbeiten im Ein-Schicht-Betrieb, und das soll erstmal auch so bleiben“, sagt Doyen-Waldecker. Und auch für größere Gesellschaften wie Hochzeiten eigne sich der Scholjegerdes-Hof nicht unbedingt: „Dafür haben wir andere, hervorragende Betriebe in Bad Zwischenahn.“ Einen Termin für die offizielle Eröffnung will der Verein für Heimatpflege demnächst bekannt geben.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Westerstede
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