Rastede War Bartholomäus Schink ein Widerstandskämpfer oder Terrorist? Diese Frage entzweite 1989 Rastede, nachdem Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) angeregt hatten, den Namen der Schule um den Zusatz Bartholomäus Schink zu erweitern. Dazu kam es letztlich nicht, im Rat fand der Vorschlag keine Mehrheit. In der Folge wurde dem jungen Mann, der während des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Kölner Edelweißpiraten war, aber ein Preis gewidmet. Am Freitag, 8. Mai, dem Jahrestag der Befreiung Deutschlands von der Nazi-Herrschaft, wird dieser nun zum 25. Mal verliehen.

Am 9. November 1988 hatten Schüler des 13. Jahrgangs erstmals gefordert, den Namen der KGS um den Zusatz Bartholomäus Schink zu erweitern. An diesem Tag jährte sich zum 50. Mal die Reichspogromnacht. Die Namensgebung sollte ein Beitrag zur Anerkennung des jungen Widerständlers sein, der als 16-Jähriger gehenkt worden war.

Der Sozialdemokrat Manfred Meins aus Ipwege erinnert sich gut an die Anfänge der Diskussion in Rastede und hat sie ausführlich niedergeschrieben. Er setzte sich später dafür ein, dass die SPD einen nach Bartholomäus Schink benannten Preis stiftete, nachdem der Rat die Namenserweiterung mit den Stimmen von CDU und FDP abgelehnt hatte. „Der Ausgang der Abstimmung stand bei den bestehenden Mehrheitsverhältnissen von Anfang an fest“, sagt Meins, der damals ebenfalls im Rat saß.

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1990 wurde der Preis erstmals verliehen. „Seitdem wurden zu zahlreichen Themen wie Zivilcourage, Rechtsextremismus oder Rassismus Arbeiten von Schülern der KGS mit Preisen gewürdigt“, berichtet Thorsten Meyer, Fachbereichsleiter Sozialwissenschaften an der KGS. Nur einmal fiel die Verleihung aus. In diesem Jahr steht das Thema „Wie wollen wir leben“ im Mittelpunkt. Auch die Grünen und der Förderverein zählen heute neben der SPD zu den Unterstützern des Preises.

Nachdem es damals bereits im Vorfeld reichlich Diskussionen gegeben hatte und sogar eine Ausschusssitzung geplatzt war, hielt die Debatte nach der ersten Preisverleihung an. CDU und FDP warfen den Sozialdemokraten vor, den Preis aus wahltaktischen Gründen ins Leben gerufen zu haben. Eine knappe Woche nach der Preisverleihung fanden 1990 die Landtagswahlen statt. Die SPD wies die Vorwürfe damals vehement zurück.

Dr. Arnold Bettien, didaktischer Leiter der KGS, schrieb seinerzeit über die erste Preisverleihung: „Da mit dem Preis historisches und politisches Interesse gefördert, demokratisches Engagement gegenüber neofaschistischen und rechtsradikalen Bewegungen entwickelt sowie methodische Fertigkeiten gefördert (...) werden sollen, dient er ausdrücklich dem Bildungsauftrag der Schule, so wie es das Niedersächsische Schulgesetz vorsieht. Parteipolitische Egoismen werden durch die Zusammensetzung und die Zielsetzung der Jury sowie durch die schulische Trägerschaft ausgeschlossen.“

Auf die Frage, ob Schink nun Widerstandskämpfer oder Terrorist war, hat Fachbereichsleiter Meyer eine Antwort. Nach der heutigen Geschichtsauffassung seien sie zu den Widerstandsgruppen zu zählen.

Um eine Würdigung der Gruppe ging es ursprünglich auch den Schülern, die sich an der KGS für die Namenserweiterung einsetzten und den Namen Bartholomäus Schink vorschlugen, weil sie sich auch aufgrund seines Alters, 16, mit ihm identifizieren konnten. Schülerin Daike Janssen sagte damals in einer beachtenswerten Rede vor der Gesamtkonferenz: „Wir wollen mit der Namenserweiterung erreichen, dass ein Grundstein zur Anerkennung der selbstlosen Taten der Edelweißpiraten gelegt wird.“

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
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