Westerstede Als nach der Flüchtlingswelle 2015 viele Menschen auch in Deutschland angekommen waren, war die Hilfsbereitschaft von Ehrenamtlichen groß – auch in der Stadt Westerstede. Wie sieht das heute aus? Sind Ehrenamtliche noch tätig oder wird die Hilfe gar nicht mehr benötigt?

2015 sind der Stadt Westerstede 199 Flüchtlinge zugewiesen worden (NWZ berichtete). Anfang 2016 seien wöchentlich 20 bis 30 hinzugekommen, so dass es bis Mitte des Jahres etwa 500 Menschen waren. Das berichtet Frank Vogts, Leiter des Sozialamtes der Stadt Westerstede. Seinerzeit hätten sich rund 70 Menschen in der Flüchtlingshilfe engagiert. Aktuell lebten laut Vogts noch etwa 390 Flüchtlinge in der Stadt. Überwiegend seien sie subsidiär Schutzberechtigte, das heißt, sie haben keinen Asylanspruch, ihnen droht in ihrem Herkunftsland aber ein ernsthafter Schaden, wenn sie zurückkehren würden. Hauptsächlich kämen die Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan, sagt Vogts.

Anzahl hat sich halbiert

Auch die Zahl der Ehrenamtlichen hat sich minimiert. Derzeit engagieren sich noch 35 Menschen bei den Integrationslotsen in der Apothekervilla, die die Flüchtlinge beraten und im Alltag unterstützen. Doch: „Das sind zu wenig“, sagt Nina Pohovski, Mitbegleiterin der Integrationslotsen, und lobt gleichzeitig das Durchhaltevermögen der Verbliebenen: „Die, die noch da sind, unterstützen mit sehr viel Liebe und Engagement. Aber es gibt auch Leute, denen es zu viel wurde.“ Auch dafür hat Pohovski Verständnis, immerhin sei ein solches Ehrenamt sehr kraftraubend, sagt sie. „Aber wir könnten dringend wieder mehr Ehrenamtliche gebrauchen.“ Momentan komme es vor, dass Menschen auf ein Hilfsangebot warten müssten.

Fragen verändern sich

Und die Fragen bleiben. Sie verändern sich aber. Sei es bei der Erstversorgung um Unterbringung gegangen – so Pohovski –, um Kleidung und darum, einen Asylantrag zu stellen, seien jetzt andere Themen wichtig: Beruf und Ausbildung zum Beispiel. Oder: Was brauche ich für einen Kita-Platz? Wie finde ich eine Hebamme? Auch Unterstützung bei der Wohnungssuche sei gefragt. „Es ist viel Bewegung in der Flüchtlingsbetreuung“, sagt Pohovski. Denn viele hätten mittlerweile eine Arbeit oder Ausbildung gefunden.

Keine genauen Zahlen

Genaue Zahlen gibt es bei der Stadt nicht. Die Projekte, die 2015/16 gestartet wurden – das Café International, die Internationale Frauengruppe und die Mädchengruppe –, werden weiterhin aufrecht erhalten. Drei Ehrenamtliche sind in der Apothekervilla außerdem noch in der Vermittlung der deutschen Sprache aktiv.

Überwiegend findet die aber an der Kreisvolkshochschule (KVHS) statt. Zehn Kurse laufen hier aktuell, teilt Frank Ritterhoff, Kommunaler Koordinator für Bildungsangebote für Neuzugewanderte, mit. Und auch dieses Angebot hat sich weiterentwickelt. Im Gegensatz zu den ersten Angeboten, wo Flüchtlinge häufig mit unterschiedlichen Niveaustufen in einem Unterricht gesessen hätten, sei nun eine differenzierte Schulung möglich, erklärt Ritterhoff. Auch Fortgeschrittenenkurse würden besucht.

Nachhaltig helfen

Neben dem Sprachlichen ist für Pohovski aber noch etwas anderes für die Integration wichtig: „Ehrenamtliche bekommen die Menschen auf einer privaten Ebene zu fassen und erreichen sie direkter und nachhaltiger.“ Dabei gehe es nicht mehr nur darum, gemeinsam zum Arzt zu fahren und zu dolmetschen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Einmal zusammen zum Landkreis zu gehen und zu zeigen, wo es Müllmarken gibt zum Beispiel.

 Wer sich für ein Ehrenamt interessiert, kann sich an die Integrationslotsen in der Apothekenvilla (Leitung Siegrid Exner) wenden unter Telefon   0 44 88/5 57 12. In der zweiten Jahreshälfte werden außerdem wieder Workshops für Ehrenamtliche angeboten.

Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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