Westerstede Nicht nur für Landrat Jörg Bensberg war es ein „Groß-Ereignis“: Mit einer groß-artigen Feier im Jaspershof wurde am Montagabend Klaus Groß (65) als Bürgermeister verabschiedet. Zuvor hatte er noch die Ratssitzung geleitet, dann gab es Geschenke, Anekdoten und auch ein paar Tränen.

Mehr als sein halbes Leben – nämlich 33 Jahre – war Klaus Groß in der Westersteder Politik einer der Protagonisten. 18 Jahre führte er die Stadt als Bürgermeister, er war der letzte ehrenamtliche und der erste hauptamtliche Bürgermeister. Dabei hatte er mit Politik zunächst gar nichts am Hut gehabt. „Fußball, Feiern, Musikhören und Autofahren“, seien die Hobbys des jungen Radio- und TV-Lehrlings aus Westerloy gewesen, verriet Bensberg in seiner Festrede. Bis er in Mansie Angelika Post traf. Deren Vater und Großvater hatten die FDP in der Stadt maßgeblich geprägt. Und Angelika wollte alles, nur keinen Politiker.

1986: Einzug in den Rat

Doch offenbar war der Einfluss des Schwiegervaters größer. 1986 zog Klaus Groß für die FDP in den Rat ein. Und die Liberalen hatten mit dem bodenständigen Groß buchstäblich das große Los gezogen, meinte Bensberg. Denn 2006 wurde Groß mit 72 Prozent der Stimmen zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister Westerstedes gewählt.

„Damals ist eine Art Wir-Gefühl entstanden. Und dieses Miteinader-Füreinander hat in Westerstede seine Gültigkeit behalten“, meinte Bensberg. In den Bereich Schule und Kitas habe es unter Groß enorme Anstrengungen gegeben. Die Stadt wuchs, die Wirtschaftsförderung wurde angeschoben. Ebenso eine vorausschauende Bauleitplanung. Westerstede wurde zur „Gesundheitsstadt im Grünen“ und erntete international Lorbeeren bei der Entente Florale oder mit der Rhodo. „Groß-mäuligkeit, Groß-mannssucht oder Groß-spurigkeit liegen ihm fern“, lobte Bensberg. Und das Rathaus sei so gut aufgestellt, dass Nachfolger Michael Rösner keinen „Groß-putz“ vornehmen muss.

Bensberg betonte aber auch, dass die Stadt Westerstede auch eine heimliche Mitarbeiterin verliere, die auf keine Gehaltsliste auftauchte – Angelika Groß.

Ratsvorsitzende Claudia Beeken hatte zuvor bereits Klaus Groß Engagement für Kinder und Jugendliche betont. Er habe Kinderstede eingeführt, ein Jugendparlament auf den Weg gebracht und ganz viel für Bürgerfreundlichkeit in der Stadt getan.

Für den Städte- und Gemeindebund sprach Edewechts Bürgermeister Petra Lausch. Der Fußballer Klaus Groß habe den Ball immer richtig auf dem Fuß gehabt. Und 2006 mit seiner beeindruckenden Wahl ein Sommermärchen geschafft.

Hilke Hinrichs, die langjährige allgemeine Vertreterin von Groß im Rathaus, hatte gleich eine ganze Reihe Geschenke vorbereitet. So gab es beispielsweise eine Stoffente für den Erfolg bei „Ente Flora“ – der Entente Florale. Kinderstede darf Groß künftig mit einem Dauervisum betreten. Für den nächsten Seniorennachmittag gab es auch schon Eintrittskarten. In einem Poesie-Album, das seine Mitarbeiter für ihn gefüllt haben, wird der Ruheständler bestimmt auch gern blättern. Und von der Feuerwehr gab es noch einen Helm.

Sichtlich gerührt

Aber auch an Angelika Groß dachten die Rathaus-Mitarbeiter. „Du bist im Baumhoroskop ja die Linde“, sagte Hinrichs zu ihrem scheidenden Chef. „Deine Frau ist der Nussbaum. Der passt ideal zur Linde.“ Und so gab es noch eine kleine Walnuss zum Einpflanzen in den heimischen Garten.

Sichtlich gerührt machte Klaus Groß dann nicht mehr viele Worte. „An gemeinsam Erreichtem freuen, statt über Unerreichtes zu lamentieren“, sei ein wichtiger Grundsatz. Auch müsse ein Bürgermeister immer zum Wohle der Stadt wirken und nicht zum Wohle einer Partei.

Dann beschenkte er seinen Nachfolger Michael Rösner – mit einem glitzernden Zepter und dem Rathaus-Schlüssel. „Und die blaue Terminmappe ist auch leer“, schloß der scheidende Bürgermeister auf seiner großen Feier...

Jasper Rittner Redaktionsleitung / Redaktion Westerstede/Oldenburg
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