Nordloh „Mir macht das Spaß“, sagt Yiyun, während sie in Nordloh im Garten von Familie Günther in ihrer schwarzen Latzhose und ihrem leuchtend gelben T-Shirt auf dem Boden sitzt und Terrassenfugen auskratzt. Allein ist sie nicht, einige weitere junge Erwachsene sind an der Seite der 21-jährigen Chinesin. Sie entfernen Efeuranken von Hausmauern und schneiden Pflanzen zurück, während wieder andere eine Hecke entfernen.

Wahre Knochenarbeit, jedoch eine, die freiwillig erledigt wird: Die insgesamt elf jungen Erwachsenen aus Ländern wie Russland, China, England, der Türkei oder Syrien haben sich ganz bewusst für dieses Workcamp angemeldet. Zwei Wochen arbeiten sie, fünf Tage pro Woche, sechs Stunden pro Tag. Dafür haben sie alle Kost und Logis frei.

Ihre Gastgeber sind Silke und Arno Günther, sie leiten das Seminarhaus Nordloh. 2015 engagierte sich das Paar erstmals für den Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst, kurz IJGD, der eben solche Workcamps ausrichtet. Ziel ist es, einen Beitrag zu Frieden und Völkerverständigung zu leisten, dafür werden auf der ganzen Welt Workcamps angeboten, in Deutschland sind es jedes Jahr rund 100.

Das Prinzip ist einfach: Ehepaar Günther bietet den Raum für Begegnung und Unterbringung, dafür bringen die ausländischen Gäste ihre Arbeitskraft ein, um den Seminarhaus-Garten weiter zu gestalten. „Fünf Projekte habe ich mir überlegt, wenn wir zwei schaffen, bin ich zufrieden“, sagt Arno Günther, der als Erlebnispädagoge arbeitet.

Die diesjährige Workcamp-Truppe baut einen Erlebnisbereich mit Balancierbalken und Klettermöglichkeiten. Aus diesem Grund musste auch die Hecke entfernt werden – schweißtreibende Arbeit für die jungen Erwachsenen, von denen immer zwei ausgenommen vom Dienst sind, weil sie sich um die Mahlzeiten kümmern. Mit dabei beim Camp sind auch zwei Betreuer vom IJGD, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen und als Ansprechpartner fungieren.

Die Workcamp-Sprache ist Englisch. Mit ein Grund, warum sich Yiyun für das Workcamp in Deutschland entschieden hat, wollte sie doch ihre Englisch-Sprachkenntnisse verbessern und gleichzeitig mehr über das Land erfahren, in dem sie später studieren möchte. Dass sie darüber hinaus in Nordloh die Chance erhält, im Garten zu arbeiten, begeistert sie. „Gartenarbeit kennen wir bei uns in Beijing gar nicht“, sagt sie.

Ihren Camp-Mitstreiter Kerim reizt vor allem das Miteinander mit Gleichgesinnten und der Austausch der Kulturen. Der 20-Jährige kommt aus der Türkei, war in diesem Sommer bereits in Prag und Berlin, nach der Stippvisite in Nordloh geht es für ihn weiter nach Amsterdam. Mit seiner Leidenschaft für das Reisen steht er nicht allein da. Auch Engländerin Amy, mit ihren 17 Jahren ein Camp-Küken, schaut sich gern die Welt an. Neue Kulturen kennen lernen, Natur- und Umweltprojekte anpacken, etwas sinnvolles tun, das erfüllt sie. Später, so sagt sie, möchte sie gern für Greenpeace oder im Bereich Umwelt und Naturschutz als Journalistin arbeiten. Da sei es sinnvoll, sich vorher ein Bild von der Welt zu machen – und dabei helfe das Camp.


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Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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