Hahn-Lehmden /Rastede Die Bemühungen aller Beteiligten waren groß, bislang aber vergeblich. Seit gut einem Vierteljahr läuft die Suche nach einem neuen Allgemeinmediziner für Hahn-Lehmden, der den Arztsitz von Wolf-Dietmar Röcher übernehmen will. Röcher hatte seine Hausarztpraxis am 31. Dezember 2018 aus Altersgründen geschlossen. Nun wird die Zeit knapp, um noch eine Lösung zu finden.

Bürgermeister Dieter von Essen klang denn auch entsprechend ernüchtert, als er in der jüngsten Ratssitzung den aktuellen Stand der Bestrebungen zusammenfasste: „Bis heute waren die Bemühungen insgesamt aller Beteiligten leider vergebens.“ Auch auf eine Ausschreibung der Kassenärztlichen Vereinigung habe sich kein Interessent beworben. In diesem Monat soll deshalb eine erneute Ausschreibung im Ärzteblatt veröffentlicht werden. „Inwieweit dort ein Interessent gefunden wird, darf bezweifelt werden“, sagte von Essen.

Die Gemeinde Rastede

bietet einem Arzt oder einer Ärztin Unterstützung bei der Suche geeigneter Wohn- und Praxisräume an, stellt eine finanzielle Förderung bei der Ansiedlung in Aussicht und versucht Investoren zum Neu- oder Umbau einer Praxis zu bewegen. Nähere Auskünfte erteilt Erster Gemeinderat Günther Henkel unter Telefon  0 44 02/92 01 13 oder per E-Mail an henkel@rastede.de.

Sollten sich die Zweifel des Bürgermeisters bestätigen, wird es zeitlich eng. Denn: In einer Sitzung am 22. Mai will die Kassenärztliche Vereinigung eine abschließende Entscheidung treffen. Wie die ausfällt, dürfte nach dann möglicherweise zwei erfolglosen Ausschreibungen auf der Hand liegen. In die Angelegenheit dürfte dann keine weitere Energie mehr gesteckt werden.

Dafür spricht auch, dass es laut Kassenärztlicher Vereinigung eine Überversorgung gibt. Sprecher Detlef Haffke erläutert: „Zum so genannten Mittelbereich Rastede gehören nach der aktuellen Bedarfsplanung die Gemeinden Rastede und Wiefelstede. In dieser Region leben 38 626 Bürger. Ein Hausarzt soll 1660 Menschen versorgen. Zurzeit sind dort 31 Hausärzte tätig. Daraus ergibt sich ein Versorgungsgrad von 133,3 Prozent.“ Im Alltag der Patienten sieht das hingegen ganz anders aus. Die Wartezimmer der Arztpraxen sind brechend voll.

Die Gemeinde Rastede will deshalb in ihren Bemühungen noch nicht nachlassen. „Wir haben bisher erheblichen Aufwand betrieben und uns sicherlich mehr Resonanz erhofft. Aber wir werden nicht aufgeben“, sagte Gemeindepressesprecher Ralf Kobbe am Mittwoch.

Dass immer noch Bewegung in der Arztsuche ist, zeige etwa die Tatsache, dass am Mittwoch ein Bewerber zum Gespräch im Rathaus war.

Darüber hinaus streckt die Verwaltung ihre Fühler aber auch in andere Richtungen aus. Insbesondere Erster Gemeinderat Günther Henkel engagiert sich hier in vielen Gesprächen. Wie der Bürgermeister im Gemeinderat erklärte, seien auf Landkreisebene Gespräche initiiert worden, um die Einrichtung einer Telemedizin zu prüfen.

Auf elektronischem Wege werde bei der Telemedizin Kontakt zu medizinischem Personal hergestellt, um eine erste Einschätzungsdiagnose zu erhalten. „Inwieweit dies zielführend und zukunftsfähig sein wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden“, sagte von Essen. Eine weitere Untersuchung sei allerdings vorgesehen.

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
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