Helle Auch wenn ein Wolf dem Ammerland bisher nur einen Kurzbesuch abgestattet hat (und derzeit wieder in der Nähe von Nienburg ist), ist das Interesse an Informationen zu einer möglichen dauerhafte Rückkehr des Raubtieres riesengroß. Nachdem bereits vor zweieinhalb Wochen eine Infoveranstaltung der CDU in Gristede „ausverkauft“ war (die NWZ  berichtete), war auch am Montagabend der Saal im Heller „Gesundbrunnen“ komplett gefüllt. 220 Ammerländer wollten sich von Experten informieren und mit Vertretern verschiedener Interessengruppen diskutieren.

Und das geschah wie schon in Gristede in sachlicher Atmosphäre. Frank Faß vom Wolfcenter Dörverden sprach auf Einladung des CDU-Gemeindeverbandes Bad Zwischenahn, der zu einem Diskussions- und Vortragsabend zum Thema „Was passiert, wenn der Wolf ins Ammerland kommt?“ eingeladen hatte. Nachdem Faß in Biologie und Verhalten des Wolfes eingeführt hatte, diskutierten Ralf Lohse, Wolfberater im Ammerland, Manfred Gerken als Vertreter des Ammerländer Landvolkverbandes, Markus Neumann von der Kreisjägerschaft Ammerland mit den Gästen über Gefahren und Chancen einer Rückkehr der lange Zeit ausgerotteten Art.

Im Mittelpunkt stand dabei der, so Faß, „größte Konfliktkreis Wolf und Landwirtschaft“. Die Sorgen von Nutztierhaltern konnte auch der Experte nicht nehmen, er zeigte aber rechtliche Rahmenbedingungen für Förderungen von Herdenschutzmaßnahmen und Entschädigungszahlungen auf. „Die Förderrichtlinien sind zwar nicht perfekt. Aber ich bin froh, dass sie erst einmal auf dem Tisch liegen.“

Auch stellte er eine Studie von 2002 vor, die die Gefährlichkeit von Wölfen für Menschen untersucht hat. Demnach seien in den 50 Jahren zuvor europaweit neun Menschen getötet worden, fünf davon durch tollwütige Wölfe. Allerdings gelte ganz deutlich: „Jeder geschädigte Mensch ist einer zu viel. Sicherheit steht an erster Stelle. Erst kommt der Mensch, dann der Wolf.“ Der Mensch brauche zwar keine Angst zu haben, müsse aber erst wieder lernen, mit dem Wolf zu leben.

Angesichts der derzeitigen Ausbreitung der Tiere glaubt Faß, „dass der Tag kommen wird, an dem der Wolf bejagt wird“. Ziel sei es zuvor aber, eine stabile Population von 1000 erwachsenen Tieren in Deutschland und West-Polen aufzubauen. Derzeit seien es rund 600 Tiere – inklusive Jährlingen und Welpen.

Eine Lösung könne sein, so Faß, bestimmte Regionen frei von Wölfen zu halten. So seien „die Schafe auf den Nordseedeichen de facto nicht zu schützen“. Aber auch im nordwestdeutschen Grünland seien Schutzmaßnahmen oft schwierig umzusetzen.

Nach Auskunft von CDU-Kreisgeschäftsführerin Ilka Studnik laufen derzeit Gespräche in Apen und Edewecht über eine weitere Informationsveranstaltung.

Markus Minten Redaktionsleitung Brake / Redaktion Brake
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