Westerstede „Siehst jetzt wirklich super aus, tolle Leistung“ – „Wahnsinn, Hut ab!“ – „Beautiful“ – Hört nicht jeder gerne Komplimente?

Über diese positive Reaktionen auf ihren Körper und die Bilder, die sie davon bei Insta­gram zeigt, kann sich Christine Luttmann aus Westerstede regelmäßig freuen. Denn die 33-Jährige ist auf dem Social-Media-Kanal aktiv und hat mittlerweile über 9000 Follower, die ihren Account abonniert haben. „Vor etwa fünf Jahren bin ich damit angefangen, meinen Instagram-Account auf Sport einzustellen. Vorher ging es vor allem um Mode“, sagt die Westerstederin. Auch einen Blog hat sie, derzeit bespielt sie aber nur ihren Instagram-Account mit Bildern und kleinen Videos, Stories genannt.

Raus aus der Bulimie

Die Liebe zum Sport jedoch reicht noch tiefer, wie Christine erzählt: „Ich war eigentlich schon immer sportlich, habe als Kind Badminton gespielt, geschwommen – eigentlich alles im Verein gemacht.“ Wer Sport macht, muss auch vernünftig essen – heißt es ja. Diesen Grundsatz verlor Christine aber mit etwa 16 Jahren aus den Augen. „Ich hatte eine Essstörung und habe exzessiv Sport getrieben. Ich war total dürr und hatte gar keine Muskeln“, erinnert sie sich. Ihren Weg aus der Essstörung machte sie auch auf Instagram zum Thema. Zu sehen ist eine Fotocollage mit einem Bild aus dem Jahr 2009 – Christine ist abgemagert, wiegt noch 49 Kilogramm. Daneben ein Foto aus diesem Jahr: Muskeln und eine athletische Figur sind zu sehen, die Instagramerin wiegt auf diesem Bild 65 Kilogramm.

Mit etwa 16 Jahren schaute sie – wie viele Teenager – die Topmodel-Sendung von Heidi Klum. „Ich dachte noch: Wie kann man magersüchtig werden?“, erinnert sich die Ammerländerin. Dass sie kurze Zeit später selbst eine Essstörung haben würde, ahnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie aß wenig bis gar nichts, betrieb exzessiv Sport, war abgemagert. „Ohne Essen war es irgendwann zu anstrengend, dann bin ich in die Bulimie gerutscht. Mehrmals täglich Fressorgien über Jahre“, schreibt sie bei Instagram. „Was ich für Geld durch die Kanalisation gespült habe, und dann müssen woanders Menschen hungern. Über zehn Jahre hatte ich diesen Scheiß, und es war ein harter Kampf, da wieder rauszukommen.“

Der Weg raus aus der Essstörung wurde durch den Sport geebnet. „Ein Kumpel, der Bodybuilder war, sagte mir, ich müsste mehr essen, um Muskeln aufzubauen – was ja mein Ziel war.“ Erst seit kurzem ist sie richtig raus aus der Essstörung, gesteht Christine. Denn mittlerweile isst sie auch mal bei Burger-Fast-Food-Ketten oder gönnt sich Süßigkeiten. Früher wäre das – ohne Reue – undenkbar gewesen.

Arbeit als Trainerin

Sechs Tage die Woche macht die Westerstederin nun vorwiegend Kraftsport und hat vor drei Jahren ihre Leidenschaft auch zum Beruf gemacht. Eine Ausbildung hat sie als Groß- und Außenhandelskauffrau absolviert – auch um etwas „Vernünftiges“ in der Tasche zu haben. Vor drei Jahren wurde sie Fitnesstrainerin, arbeitet seitdem in einem Fitnessstudio. Sie erwarb die Trainer-B-Lizenz vom Deutschen Olympischen Sportbund, ist lizenzierter Fitness- und Ernährungscoach. Ihren Trainingsplan mit den jeweiligen Übungen schreibt sich die Sportlerin selbst, aber auch Laien könnten dank der Tipps und Tricks aus dem Internet oder aus Büchern individuelle Übungen für sich selbst zusammenstellen. Eine Stunde dauert Chrissys Training. „Ich trainiere sowohl an den Geräten im Fitnessstudio als auch im Freihantelbereich. Ich probiere auch gerne neue Sachen aus, wie beispielsweise Functional Training“, erzählt die Sportlerin.

Die Top-Form erreicht jeder Abnehmwillige nur über ein Defizit in der Kalorienmenge. Um die Anzahl an Kalorien und auch die Zufuhr aller wichtigen Nährstoffe sicherzustellen, benutzt die Ammerländerin eine App fürs Smartphone. Dort werden die Lebensmittel eingetragen, und Christine hat eine Übersicht, ob sie genug gegessen hat und welche Lebensmittel sie an diesem Tag noch zu sich nehmen sollte.

„Ich würde meine Ernährung als gesund, ausgewogen und vollwertig beschreiben.“ Täglich auf dem Speiseplan stehen Haferflocken und Obst, die Fitnesstrainerin kocht viel selbst und isst einmal täglich eine warme Mahlzeit. Ihre Ernährung ergänzt sie durch Eiweißpulver, Omega-3-Tabletten und Zink.

Christine isst dank des vielen Sportes über ihrem Kalorienverbrauch und experimentiert auch gerne mit verschiedenen Ernährungsformen. So hat sie erst kürzlich das Intervall-Fasten ausprobiert. „Das Fasten finde ich gut, weil Magen und Darm dann für eine länger Zeit Pause haben. Bei den Ernährungsstilen wie Low Carb oder Keto (bei der man keine Kohlenhydrate sondern Fett- und Eiweißreich isst) muss jeder selbst herausfinden, was zu ihm passt. Da bekomme ich auch von Mitgliedern aus dem Fitnessstudio viel Feedback, was bei ihnen funktioniert oder was nicht.“

„Schlau lesen“

Von Crash-Diäten oder Fitnessprogrammen mit vorgefertigten Ernährungsplänen rät sie ab. „Wenn ich einen Essensplan habe, lerne ich nichts über das richtige Essen. Nach einem solchen Programm falle ich wieder in alte Muster zurück. Wer langfristig gesund essen oder auch abnehmen will, muss sich schlau lesen und mit gesunder Ernährung auseinandersetzen“, meint die 33-Jährige.

Was eine gesunde Ernährung alles bewirken kann, sehen die Follower auf Christines Instagram-Profil. Da mit einem Hunde-Welpen vor kurzem ein neues Familienmitglied eingezogen ist, geht es auf dem Profil der Westerstederin derzeit etwas ruhiger zu, gesteht die 33-Jährige. Sie nimmt die Internetgemeinde sonst aber gerne mit ins Fitnessstudio, postet aber auch mal was Privates. „Bisher habe ich viel positives Feedback bekommen.“ Eine Regel gibt es dabei – nicht zu freizügig. Im Bikini zu posieren, sei die Grenze. Anfragen von Firmen hat Christine bereits bekommen, um Werbung für sie zu machen.

Diese Produkte sollten aber zu ihr passen – und Uhren und Eiweiß-Pulver zum Abnehmen würde die Ammerländerin privat nicht nutzen, deshalb besteht derzeit noch keine Kooperation. „Es wäre mein Traum, den Instagram-Account als Job zu betreiben“, sagt die Fitnesstrainerin. Ihr Profil mit der wachsenden Fan-Gemeinde zeigt zumindest, dass sie in der Welt der sozialen Medien den richtigen Ton trifft.

Mareike Wübben
Volontärin, 3. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion

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