Football
Einmal mit den Wölfen heulen

Wolfgang Alexander Meyer wagte ein schweißtreibendes Experiment. Er trainierte mit den Westersteder Wölfen.

Bild: Wolfgang Alexander Meyer Vanessa Kortlang
Die Wölfe nehmen Aufstellung: Blick aus dem Helm, der den Kopf schützt.Bild: Wolfgang Alexander Meyer Vanessa Kortlang
Bild: Vanessa Kortlang
Des Trainings beginnt aber zunächst mit einem ausgedehnten Ausdauerprogramm.Bild: Vanessa Kortlang
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Dazu gehören auch Kraftübungen.Bild: Vanessa Kortlang
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Dann ist es so weit, die Ausrüstung wird angelegt.Bild: Vanessa Kortlang
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Trainer Sandro Cotterli erklärt verschiedene Techniken...Bild: Vanessa Kortlang
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...und demonstriert sie anschaulich.Bild: Vanessa Kortlang
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Der gute Stand ist wichtig.Bild: Vanessa Kortlang
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Wenn der Pfiff ertönt, muss ein Spieler versuchen, an seinem Gegenüber vorbeizukommen.Bild: Vanessa Kortlang
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Dabei ist Technik und Körpereinsatz gefragt.Bild: Vanessa Kortlang
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Dabei ist Technik und Körpereinsatz gefragt.Bild: Vanessa Kortlang
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Jeder Griff muss sitzen.Bild: Vanessa Kortlang
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Auch wenn man denkt, dass man im nächsten Moment überrannt wird - es gilt: keinen Schritt zurück.Bild: Vanessa Kortlang
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Irgendwann werden dann Spielzüge geübt.Bild: Vanessa Kortlang
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Wer den Ball hat, muss schnell sein.Bild: Vanessa Kortlang
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Ansonsten findet man sich schnell am Boden wieder.Bild: Vanessa Kortlang
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Westerstede /Detern Ich hocke leicht nach vorne gebeugt auf dem Spielfeld und blicke meinem Gegner, der sich gut einen Meter vor mir befindet, in die Augen. Wir warten auf den Pfiff des Trainers. Ich soll versuchen, am Gegner vorbeizukommen, er muss das verhindern. Schrill ertönt das Signal, ich stürze mich nach vorne, versuche an ihm vorbeizuhuschen, doch er ist schneller, packt mich und drückt mich energisch zurück. Schließlich stürze ich zu Boden.

Die Muskeln in meinen Armen schmerzen, meine Lunge brennt. Während ich noch auf dem Boden liege, frage ich mich, wie ich in diese Situation gekommen bin.

Die Geburt einer verrückten Idee

Vor einigen Wochen lief im Fernsehen die Übertragung des Super-Bowls, dem Finale der US-Amerikanischen Football-Profiliga. Während sich die Philadelphia Eagles und die New England Patriots in einem packenden Spiel begegneten, kam mir die Idee, selber zu erleben, wie es ist, als Spieler auf einem Footballfeld zu stehen.

Bei meiner Recherche im Internet stoße ich auf die Westersteder Wölfe, die in der Landesliga antreten. Nach einem Anruf bei Trainer Sandro Cotterli steht mein Termin für ein Probetraining bei den Wölfen, die vor kurzem wegen besserer Trainingsbedingungen von Westerstede ins ostfriesische Detern gezogen sind.

Ich staune nicht schlecht, als ich die Halle betrete. „Das sind ja Tennisfelder“, sage ich. „Klar, hier kann man aber auch wunderbar Football trainieren“, erwidert Cotterli, der in Detern als Hausarzt arbeitet. Zusammen mit mir sind circa 30 weitere Teilnehmer im Alter von 16 bis 40 Jahren dabei, einige von ihnen zum ersten Mal.

Wer neu ist, stellt sich vor

Bevor das Training losgeht, versammeln sich die Footballer zur Begrüßung. Wer neu ist, stellt sich kurz vor, dann geht das Training los. „Wir machen am Anfang 30 bis 45 Minuten Ausdauertraining, dann 45 bis 60 Minuten Technikübungen, und zum Schluss spielen wir ungefähr eine Stund lang Spielzüge durch“, beschreibt Cotterli den Trainingsablauf. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin von einem 90-minütigem Training ausgegangen und frage mich, wie ich das durchhalten soll.

Wir fangen mit Lauftraining an und machen im Anschluss Dehn-, Sprint- und Kraftübungen. Ich komme gut mit, einige Übungen halte ich aber nicht bis zum Ende durch. Nach einer halben Stunde bin ich gut ins Schwitzen gekommen und merke, dass ich einen starken Muskelkater bekommen werde.

Das Training geht weiter mit Technikübungen. Ich soll lernen, wie ich an einem Gegner vorbeikomme, beziehungsweise ihn erfolgreich am Vorbeikommen hindere.

Ohne Mundschutz geht nichts

Bevor wir loslegen, muss ich eine Football-Ausrüstung anlegen. Die besteht aus einem Helm mit einer Art Maulkorb für den Kopf und dem sogenannten Shoulderpad, das man auf den Schultern trägt. Das Pad umschließt auch Rücken und Brustkorb und wird gut verschnürt. Außerdem muss im Spielbetrieb immer ein Mundschutz getragen werden.

In der massigen Ausrüstung steckend, versuche ich, an meinem Gegner vorbeizukommen. Mit voller Wucht renne ich auf ihn zu, versuche links oder rechts vorbeizukommen und pralle immer wieder mit ihm zusammen. Leider erwischt er mich so jedes Mal. Fast immer finde ich mich am Boden wieder. Es ist extrem schwierig, den Durchstoß erfolgreich hinzubekommen.

Alle Kräfte mobilisieren

Dann werden die Rollen getauscht, ich versuche, meinen Gegenspieler am Vorbeikommen zu hindern. Bei den ersten Durchgängen schafft er das relativ mühelos. „Du musst beim Zupacken die Daumen nach oben halten und mit aller Kraft gegen den Mann anrennen“, empfiehlt mir der Trainer.

Ich sammle mich kurz, gehe wieder in die Hockstellung und warte auf den Pfiff. Als der ertönt, schnellt mein Gegner auf mich zu. Ich werfe mich mit aller Kraft gegen ihn und versuche ihn zurückzudrücken. Er will rechts an mir vorbei, was ich jedoch bemerke. Ich verlagere mein Gewicht und stemme mich noch einmal mit aller Kraft in den Gegner. Und dann passiert, was ich nicht für möglich gehalten habe – mein Gegner strauchelt und fällt zu Boden: Ich habe es geschafft!

Ich kann es kaum glauben, doch bevor ich mich freuen kann, geht es weiter. Ich schaffe es tatsächlich noch ein paar Mal, meinen Gegner erfolgreich zu blocken. „Du hast einen guten Stand“ sagt Sandro Cotterli, der immer ein Auge auf mich hatte. „Du würdest dich gut in unserem Team machen“, versichert er mir.

Am Ende meiner Kräfte

Während die anderen dazu übergehen, Spielzüge zu trainieren, bin ich mit meiner Kraft am Ende und unterhalte mich mit dem Trainer. „American Football erlebt in Deutschland seit ungefähr zwei Jahren einen riesigen Hype“, berichtet Cotterli. Überall würden neue Teams entstehen.

Die Spieler, die sich entschließen, Football zu spielen, seien in vielen Fällen nicht die typischen Sportskanonen. „Zu uns kommen oft die Leute, die im Sportunterricht als letzte in die Mannschaften gewählt werden. Beim Fußball oder im Hochsprung sind die Jungs meistens nicht die Bringer. Hier allerdings sind sie Helden“, sagt Cotterli. Es sei egal, ob jemand übergewichtig oder ein Hänfling sei. Beim Football brauche man verschiedene Spielertypen. „Wir finden für jeden die richtige Position.“

„Der Teamgeist macht Football einzigartig“

Der 40-Jährige spielt Football, seitdem er 14 Jahre alt ist. Das Besondere an dem Sport sei für ihn der intensive Teamgeist, der in der Form einzigartig sei. „Beim Football gibt es keinen Konkurrenzkampf im eigenen Team, wie zum Beispiel beim Fußball. Wir können jederzeit und so oft wir wollen, wechseln. Jeder kommt also im Spiel aufs Feld“, berichtet Cotterli.

Erfolgreich sei ein Team darüber hinaus nur, wenn alle Spieler gut zusammenarbeiten. „In diesem Sport gewinnt man als Team oder geht als Team unter. Individuelle Leistungen sind gut – aber nie spielentscheidend.“

Die Westersteder Wölfe, die sich mittlerweile nur noch Wölfe nennen, sind noch auf der Suche nach Spielern. „Wir können jeden Mann gebrauchen“, sagt Trainer Sandro Cotterli. Wer jedoch denke, dass Football ein brutaler Sport sei, bei dem es darum gehe, den Gegner umzuhauen, sei fehl am Platz.

Jeder kann vorbeikommen

„Football ist ein extrem reglementierter Sport, bei dem die Sicherheit der Spieler immer im Vordergrund steht. Es geht um Taktik, Teamplay, Koordination und Fitness. Jeder kann zu uns kommen und sich selbst ein Bild davon machen“, lädt Cotterli potenzielle Mitspieler ein.

Mir jedenfalls hat das Training großen Spaß gemacht. Auch wenn ich einen extrem starken Muskelkater und ein paar blaue Flecken davongetragen habe, hat sich der Besuch bei den Wölfen gelohnt.

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