Straßensport
Achtung, hier wird (noch) geboßelt!

Im Gegensatz zu Fußball können die Rasteder Boßeler der Jugend ihren Sport nicht so schmackhaft machen. Dabei ist es ein Sport für jedes Alter – Kraft und Geschickt sind dabei gefragt.

Bild: Günther Röben
Kein Anfängerglück: NWZ-Volontärin Tonia Hysky hat sich im Straßenboßeln versucht – weit ist sie jedoch nicht gekommen.Bild: Günther Röben
Bild: Verein
Die Boßeler der Gemeinde auf einen Blick: Beim Gemeindeplakettenboßeln wurden die Sieger von Bürgermeister Dieter von Essen geehrt.Bild: Verein
Bild: Tonia Hysky
Bild: Tonia Hysky
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Neusüdende Kraft und Koordination, das braucht man zum Boßeln. Im Ammerland ist es schon seit jeher ein Sport für Jung und Alt. Eigentlich. Doch die Jugend? „Es wird immer schwieriger, das Boßeln zu vermitteln“, sagt Günther Röben und zuckt mit den Schultern. Schon seit einiger Zeit habe die hiesige Jugend immer weniger Interesse an dieser Sportart. Woran das liegt? Günther Röben kann nur mutmaßen. „Fußball hat es einfach, das kennt jeder.“

Boßeln, das habe ich bislang auch nicht kennengelernt. Ich bin Volontärin bei der NWZ und wohne schon seit drei Jahren im Nordwesten. Eine Sportart, die man mitten auf der Straße spielt? Ich bin skeptisch. Aber Günther – beim Boßeln duzt man sich – will mir zeigen, wie das geht. Grobgesagt ist das Ziel, eine Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu werfen. Am besten eignen sich dafür natürlich lange, gerade Strecken – vor allem öffentliche Straßen oder Straßen im Moor. An diesem Tag soll es die Metjendorfer Straße sein, nahe der Kreuzung Borbecker Weg. In der Gemeinde Rastede gibt es vier Boßel-Vereine. Und jeder hat so seine Heimstrecke.

Ausgerechnet jetzt: Berufsverkehr – und dazu die Maisernte. Aber dazwischen finde ich Zeit für meinen ersten Wurf. Im Boßeln gibt es verschiedene Kugelarten. Für mich gibt es eine große Holzkugel, die überraschenderweise schwer in der Hand liegt. In der Grundschule war ich bei den Bundesjugendspielen immer Letzte – vor allem beim Werfen. Aber Günther ist da zuversichtlich: Einfach probieren. Ich stelle mich mitten auf die Straße, nehme Anlauf (irgendwie) und werfe. Doch genau wie früher werden es nicht mehr als fünf Meter. Ziemlich Respekt habe ich vor den Autos, die uns durch die Warnweste zwar sehen, aber dennoch schnell vorbeifahren. „Der Straßenverkehr hat immer Vorrang“ mahnt Günther.

Ich merke nach weiteren Würfen: Boßeln ist anspruchsvoll. Zumal man die Würfe auch der Straße anpassen muss, denn die ist oft etwas uneben oder leicht schräg. Wichtig sind hier Kraft, Geschicklichkeit und Koordination. Die männlichen Profis schaffen dann in einem Wurf fast 100 Meter. Meine Würfe sind allesamt eher zögerlich. Doch mit Günthers Tipps wird ganz langsam ein Schuh draus. Kleinere Schritte machen und mit Schwung aus der Schulter werfen, sagt der erfahrene Boßeler. Schon seit der frühen Jugend boßelt Günther, der heute Rentner und Mitglied im Boßelverein Delfshausen ist. Jugendliche heute für diesen Sport zu begeistern werde immer schwieriger. „Der Trend geht dahin, dass Boßeln nicht mehr ,In’ ist.“ Dabei sei es doch ein spannender Sport. Vielleicht sei es für manche einfach altbacken. Dabei geht auch Boßeln mit der Zeit: Die Regeln sind heute strenger, abgemessen wird nicht mehr per pedes, sondern mit dem Maßband – und die Gerätschaften werden immer moderner. Früher wie heute gleich geblieben ist jedoch die sportlichernste Rivalität zwischen den Ostfriesen und den Oldenburgern, sagt Günther augenzwinkernd.

Und noch etwas blieb bis heute gleich: „Das Plattdeutsche und Boßeln gehören einfach zusammen“, betont Günther.

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