Fikensolterfeld Christian Jaspers kniet auf der kleinen Pferdeweide in der Nähe seines Wohnhauses in Fikensolterfeld und strahlt übers ganze Gesicht. Vor dem Pferdewirtschaftsmeister tollt ein zwei Wochen altes Shetlandpony-Fohlen herum und hält seine gescheckte Mutti Shiela ganz schön auf Trab. Alex heißt der Kleine. „In den Ferien war er der reinste Kindermagnet“, erzählt Jaspers und muss zugeben: „Auch ich finde Fohlen jedes Jahr aufs Neue klasse.“

Christian Jaspers lebt und arbeitet auf dem Ponyhof Jaspers. Schon vor dem Jahr 1900 wurde der Hof im Ammerland gebaut. Und Pferde gehörten immer dazu. Seit etwa 1970 werden hier Ponyferien für Kinder angeboten – damals noch durch Christian Jaspers’ Eltern. „Wir hatten früher Bullen- und Kälbermast und die Pferde erstmal nur so nebenbei“, erzählt der 49-Jährige, der ursprünglich eine Lehre in der Landwirtschaft absolviert hat. „Das war aber irgendwie nicht das Richtige für mich“, sagt er heute rückblickend. „Ich bin danach ins nordrhein-westfälische Landgestüt in Warendorf gegangen, habe da eine Ausbildung gemacht und dann zehn Jahre dort als Pferdewirtschaftsmeister gearbeitet.“

Dann ging es als Betriebsleiter in den Dressur-und Ausbildungsstall der bekannten Dressurreiterin Isabell Werth. „Das war schon eine super Zeit“, denkt Christian Jaspers zurück. Doch 2005 verstarb plötzlich sein Vater. Wie sollte es mit dem Ponyhof Jaspers weitergehen? „Ich bin dann wieder ins Ammerland zurückgekommen. Es war ein ganz schöner Schritt – raus aus dem Angestelltenverhältnis, rein in die Selbstständigkeit.“ Christian Jaspers sitzt in dem Frühstückssaal, den er auch für Veranstaltungen wie beispielsweise Kohltouren vermietet, und lächelt. Er sagt: „Ich habe es nie bereut.“

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Nicht selbst im Sattel

Der Pferdebetrieb, das sei schon ein ziemliches Kontrastprogramm zu seinem vorherigen Berufsleben: Vom Profireiter zum Ponyhof-Mann. „Aber es macht mir unheimlich viel Spaß.“ Das eigene Reiten, das hat Christian Jaspers ziemlich herunterfahren müssen. Die rund 60 Hektar Land mit Ackerbau und Grünland müssen bewirtschaftet, die Büroarbeiten erledigt und die rund 50 Tiere versorgt werden. Etwa 35 eigene Ponys leben in Fikensolterfold, der Rest sind Pensionspferde.

Zwar hat Christian Jaspers einiges an Unterstützung, doch viel Zeit bleibt dennoch nicht. Eine Festangestellte hat der Ponyhof, außerdem zwei Azubis. Christian Jaspers Mutter Hille Jaspers übernimmt die Organisation der Küche. „Das ist mir eine riesige Hilfe“, ist Jaspers dankbar. Auch seine Lebensgefährtin Claudia Jackst ist pferdebegeistert und übernimmt einiges an der betrieblichen Organisation. Aus vorherigen Partnerschaften haben beide je zwei Kinder und eine weitere gemeinsame Tochter. „Ist immer was los“, sagt Christian Jaspers grinsend.

Hat der Nachwuchs denn auch das Pferde-Virus geerbt? „Die meisten schon. Meine älteste Tochter macht gerade ihre Ausbildung als Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt der klassischen Reiterei. Und die andere ist Tierarztfachangestellte. Tiere lieben sie alle“, resümiert der Familienvater, der außerdem Delegierter des Oldenburger Zuchtverbandes vom Landkreis Ammerland und Delegierter des Pferdestammbuchs Weser-Ems ist.

Eine weitere Leidenschaft ist die Zucht deutscher Reitponys. „Für den Betrieb ist es gar nicht so einfach, die perfekten Ponys zu finden“, weiß der Experte aus Erfahrung. Wenn kleine Kinder stundenlang mit den Tieren umgehen, dann sei es unabdingbar, dass diese ein ausgeglichenes Wesen hätten und Vertrauen ausstrahlten. „Bei uns müssen die Ferienkinder alles selbst machen – die Ponys von den Weiden holen, putzen, fürs Reiten vorbereiten. Natürlich haben sie dabei Hilfe, aber es ist mir wichtig, dass sie den Umgang mit dem Pferd direkt richtig lernen“, erklärt Jaspers das Konzept. Daher sei es so wichtig, dass die kleinen Vierbeiner geduldig mit den zum Teil ungeübten Reitern umgehen. „Die heutige Reitpony-Zucht bringt von der Qualität richtig super Ponys hervor – die haben Bewegungen, Wahnsinn. Sie stehen den Großen in nichts nach. Aber sie sind für kleine Kinder dann auch schwer händelbar. Und das kann ich hier nicht gebrauchen.“

Ein bisschen Geschichte...

Die Tradition des Familienbetriebes der Familie Jaspers startete im Jahr 1897. Bauer Heinrich Jaspers aus Fikensolt kaufte das Anwesen samt Gastwirtschaft für seinen Sohn Heinrich. Dieser hatte die Pferdezucht von der Pike auf gelernt.

Der passionierte Hengstzüchter gründete eine Station und machte sich damit auch über die Grenzen des Ammerlandes hinaus einen Namen. Die Liebe zu den Pferden hat sein Sohn Hermann geerbt, der sie wiederum an seinen Enkel Hein Jaspers weitergegeben hat.

Den Ferienhof als Anlaufstelle für Kinder gibt es seit 1970. Seit 2006 leitet Christian Jaspers das Anwesen und baut es stetig weiter aus.

In Zwei- bis Sechsbettzimmern werden die Feriengäste untergebracht und dann von ehemaligen Besuchern betreut. Das Reiten ist nicht das Einzige, was anlockt: „Nachtwanderungen, Stockbrotbacken am Feuer, Geländespiele, Kostümreiten oder Ponyputzwettbewerbe – hier steht jeden Tag was anderes auf dem Programm“, fasst der 49-Jährige zusammen. Auch Pflichtaufgaben müssen die Besucher übernehmen: Hof fegen oder in der Küche mithelfen.

Viel Verwaltungsaufwand

Da die Tiere auch außerhalb der Ferien bewegt und versorgt werden wollen, bietet der Ponyhof Jaspers auch in kleinerem Umfang Schulbetrieb an. „Die Saison läuft etwa von Ostern bis Oktober“, sagt Jaspers und ergänzt: „Aber zu tun haben wir natürlich das ganze Jahr. Inzwischen ist das Ganze hier auch wirklich ziemlich viel Verwaltungsaufwand.“ Der mache aber nichts, gehöre eben dazu. Was er an dem Job aber vor allem liebe, sei die Flexibilität. „Es gibt ja immer und überall etwas zu tun. Scheint die Sonne, bin ich draußen in der Natur. Ist es regnerisch, dann verlagere ich meinen Arbeitsplatz mehr nach drinnen und arbeite dort alles ab, was so ansteht. Ein reiner Büro-Job? Das wäre nichts für mich.“

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Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
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