Edewecht Von Hektik ist an diesem Freitagnachmittag keine Spur am Göhlenweg in Edewecht. Alles läuft nach Plan, auch wenn noch viele kleinere Vorbereitungen anstehen. „Wir haben das ganze Jahr über daran gearbeitet, unsere Abläufe zu optimieren und noch besser zu werden“, sagt Bernd Ahlers, Mitglied des Vereins „Trecker Treck Edewecht“.

Was ist Tractor Pulling?

Tractor Pulling ist ein Teilbereich des Motorsports. Der englische Begriff steht dabei für das Traktorschleppen. Dabei geht es darum, dass Traktoren (vielfach eigens für diese Wettbewerbe gebaute Fahrzeuge) einen mit Gewichten beladenen Wagen (Bremswagen) möglichst weit über eine 100 Meter lange, präparierte Bahn schleppen. Die Zugfahrzeuge werden dabei in verschiedene Klassen eingeteilt.

Jeder Fahrer hat bei diesem Wettstreit das Ziel, einen „Full Pull“ zu erreichen und mit seinem Traktor den Bremswagen über die komplette 100 Meter lange Bahn zu ziehen. Schaffen das mehrere Fahrer, gibt es ein Stechen. Der Bremswagen wird mit weiteren Gewichten beladen. Der Renntraktorenfahrer, der den Bremswagen im Stechen am weitesten zieht, gewinnt.

In Nordeuropa wird Tractor Pulling auch als Trecker Treck, „Trekker Trek“ oder „Tractor Traek“ bezeichnet. In Deutschland wird Tractor Pulling seit den 1970er Jahren angeboten.

Seit Montag sind rund 35 Helferinnen und Helfer damit beschäftigt, das Gelände in eine Arena zu verwandeln. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Bahn. „Da stehen wir in diesem Jahr unter hohem Druck, weil der Euro-Cup ausgetragen wird“, so Ahlers weiter. „Die ersten Mitglieder internationalen Kommission sind schon da.“ Auflockern, bewässern, verdichten – das sind die wichtigsten Aufgaben, um den hohen Anforderungen des ETPC (European Tractor Pulling Committee) gerecht zu werden.

Genaue Kontrollen der Bahn

Auch am heutigen Samstag wird noch einmal kontrolliert. Die Bedingungen sind im Allgemeinen nicht schlecht, aber: „Es ist fast schon ein bisschen zu warm“, weiß Bernd Ahlers. So kurz vor dem großen Showdown gilt es vor allem, das Gelände schön zu machen. Gras mähen zum Beispiel. Aber auch die Zäune wollen nachgeschaut werden. Die Bewirter bauen ihre Buden auf, Strom und Wasser müssen angeschlossen und die Beleuchtung für das gesamte Gelände installiert und getestet werden.

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„Die ganz großen Sachen sind wegen der Behördenabnahme schon fertig“, zeigt sich Ahlers zufrieden, „Landkreis, Gemeinde und Feuerwehr haben ihr Okay gegeben“. Der Veranstaltung am heutigen Samstag mit 52 Fahrzeugen, davon 48 Traktoren und vier Two-Wheel-Drives (aufgemotzte Pick-Ups), steht also nichts mehr im Weg. Rund 35 Organisatoren und Helfer haben das ganze Jahr dafür gearbeitet, heute werden es 250 sein, die für den reibungslosen Ablauf sorgen.

Und derweil bei Sonnenschein zahlreiche Landwirte, Lohnunternehmer und zwei Landmaschinenhändler mit Bodenarbeiten beschäftigt sind, spielen sich in einer anderen Ecke des Geländes, dem Fahrerlager, ganz andere Szenen ab. Denn das erste Team ist schon angereist und hat es sich im Schatten des großen Transporters gemütlich gemacht. Es ist das Team „You never know“ aus dem norwegischen Klepp Stasjon. 24 Stunden haben sie gebraucht, zwölf mit dem Schiff, zwölf auf der Straße.

Team aus Norwegen als erstes am Göhlenweg

Seit Donnerstagabend sind sie da, Fahrer Seven Klingsheim und Liv Reve und ihre Freunde Ellen und Øyvind Norbustad, die sich den Wettkampf des 4000 PS starken und 130 000 Euro teuren John Deere namens „You never know“ anschauen wollen. Seven Klingsheim ist zum dritten Mal in Edewecht dabei – zum ersten Mal werden sie sich die Gemeinde anschauen – geführt vom Trecker Treck Edewecht.

Und wie ist das Verhältnis zu den anderen Fahrern? „Wir sind eine große Familie, trinken abends ein Bier zusammen und reden über Technik und so weiter“, sagt Klingsheim. Zehn Rennen bestreitet er pro Jahr in der Superstock-Klasse, seit 1991 ist er dabei, 2011 gab es einen neuen Traktor – aus den Niederlanden.

Rund 5000 Besucher erwarten die Veranstalter heute – für alle gibt es Parkplätze auf dem Gelände. An der Straße darf niemand parken, damit die Rettungswege frei bleiben. Los geht es mit dem Einlass ab 14 Uhr. „Dann ist auch das Fahrerlager für die Besucher geöffnet, denn es sind Fahrer zum Anfassen“, betont Andre Scharre vom Trecker Treck Edewecht. Betonen möchte er aber auch etwas anderes, nämlich dass etwa 60 bis 70 Prozent der Traktoren mit Methanol betrieben werden. „Da ist der Schadstoffausstoß gleich Null“, erklärt er, „und man sieht auch nichts“.

Aufklärung über Abgase

Ihm ist daran gelegen, Aufklärung zu betreiben, weil über die Veranstaltung in den sozialen Netzwerken mitunter äußerst negativ kommentiert wird – von Ahnungslosen, wie er findet. „Die Fahrzeuge, die tatsächlich eine Abgasfahne ausstoßen, werden mit Diesel betrieben. Die Fahne stammt allerdings vom Wasser, das mit eingespritzt wird, damit die Kolben nicht schmelzen“, führt er aus. „Bei jedem Pkw oder Lkw würde es genauso aussehen.“ Abgesehen davon seien es nicht mehr als zwei bis drei Liter, die pro Zug verbraucht würden.

Um 17 Uhr geht es dann auf die Bahn. Um 23 Uhr ist die Pulling-Veranstaltung beendet – dann gibt es Party im Zelt.

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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