Edewecht Eigentlich sollte es eine Feierstunde werden: Das Freibier stand bereit und Fans und Mannschaft wollten mit den Spielern, die den Verein verlassen, auf eine turbulente, am Ende aber noch gerettete Oberliga-Saison anstoßen. Als aber Utz Trepper, der Sportliche Leiter der Edewechter ersten Männermannschaft, das Mikrofon am Samstag in der Heinz-zu-Jührden-Sporthalle in die Hand nahm, war schon zu spüren, dass er keine guten Nachrichten parat hatte. Trepper schluckte kurz und erklärte dann, sichtlich mitgenommen, dass der VfL Edewecht in der kommenden Saison keine Mannschaft in der Oberliga stellen wird.

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Konsequent, aber hart

„Ich war 15 Jahre als Spieler und vier Jahre als Trainer hier in Edewecht tätig. Wir haben zusammen so einige Schlachten geschlagen. Das ist aber mein schlimmster Auftritt hier vorne“, sagte Trepper: „Es kotzt mich an, hier zu stehen. Es tut mir aufrichtig leid und ist richtig hart. Aber ich habe alles versucht. Am Ende hat es nicht gelangt und die Vernunft muss siegen, vor allem im Hinblick auf unsere Historie als VfL Edewecht.“

Da sieben Spieler und auch Trainer Tobias Weihrauch den Verein verlassen werden und zudem die sportliche Lage im Abstiegskampf lange nur wenig Planungssicherheit ermöglicht hatte, musste Trepper eingestehen, dass es nicht möglich war, in der kurzen Zeit eine spiel- und konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen. „Wir werden die Meldefrist zur neuen Saison nicht wahrnehmen. So ungewiss in die neue Saison zu gehen, kann ein großes finanzielles Risiko bedeuten, das wir nicht tragen können und wollen. Was das bedeutet kann, haben wir alle erlebt“, sagte Trepper mit Hinblick auf das Insolvenzverfahren der Spielbetriebsgesellschaft und des Fördervereins, das das Team im Jahr 2013 zum Rückzug aus der Dritten Liga und zu einem Neustart in der Verbandsliga zwang.

Auch Rainer Hampel, der Vorsitzende des Fördervereins „VfL-Team“, sprach von einer harten, aber notwendigen Entscheidung: „So hart kann es eben sein. Diese Entscheidung tut uns – und dem ganzen Umfeld – richtig weh.“ Vor fünf Jahren habe man nach dem Neuanfang in der Verbandsliga etwas Positives aufgebaut, betonte Hampel: „Es hat Spaß gemacht, hier Handball zu spielen und zu schauen. Wir bedanken uns bei den Zuschauern und den Sponsoren, die all das möglich gemacht haben.“ Ob es in naher Zukunft noch einmal einen Versuch geben wird, den Leistungshandball in Edewecht wieder mit Leben zu füllen, ließen die Verantwortlichen offen.

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Sichtlich enttäuscht und geschockt zeigten sich auch die Spieler. Torhüter Finn-Luca Schwagereit war einer der Spieler, der auch in der kommenden Saison gerne für den VfL Edewecht gespielt hätte. „Über meine sportliche Zukunft denke ich gerade nicht nach. Ich bin einfach nur enttäuscht und wäre gerne geblieben. Es tut mir besonders für dieses tolle Umfeld und die Menschen im Verein leid, denen jetzt ein Stück Identität genommen wird“, sagte der Torhüter.

Ähnlich sah es Kapitän Sven Ahlers, der nach der Saison eine sportliche Auszeit nehmen wollte: „Es ist ein komisches Gefühl, dass es hier nicht weitergeht. Mein letztes Spiel hatte ich mir anders vorgestellt. Ich habe jetzt fast ein schlechtes Gewissen, dass es so zu Ende geht.“ Der 30-Jährige will aber die positiven Momente in seinen Gedanken bewahren: „Wir können auf gute und erfolgreiche Jahre zurückblicken und haben hier in den letzten Jahren etwas Gutes auf die Beine gestellt.“

Ähnlich will es Trainer Tobias Weihrauch halten. „Wir haben hier immer zusammengehalten und nehmen überwiegend positive Gedanken mit – auch wenn man im Moment von der Entscheidung immer noch überrumpelt wird. Für das Umfeld tut es mir einfach leid“, sagte Weihrauch. Er könne die Entscheidung aber verstehen: „Es hat am Ende leider nicht ausgereicht. Daher ist das eine vernünftige Entscheidung. Für die Spieler, die hier ihre Zusage gegeben haben, wäre es auch nicht fair gewesen, mit so vielen Unklarheiten in die nächste Saison zu gehen.“

Lars Puchler Redakteur / Lokalsport Ammerland
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