Rastede „Einbahnstraße!“, ruft Werner Jochens dem Autofahrer noch vergeblich hinterher. Doch es ist bereits zu spät, der Mann ist schon außer Hörweite und fährt entgegengesetzt der Einbahnstraße weiter. „Das ist wohl die Macht der Gewohnheit“, sagt Jochens achselzuckend.

Gewohnheiten zählen in diesen Tagen jedoch nicht viel. Seit Dienstag findet auf dem Turnierplatz im Rasteder Schlosspark das 69. Oldenburger Landesturnier statt. Neben rund 1000 Teilnehmern mit annähernd 3500 Pferden werden dazu auch viele tausend Besucher erwartet. Und deshalb gelten auf Rastedes Straßen noch bis Sonntag Ausnahmeregeln. Eine davon macht die Mühlenstraße zur Einbahnstraße – und zwar von der Oldenburger Straße kommend in Richtung Veranstaltungsgelände.

„Das muss sich aber erst einspielen“, sagt Jochens. Er gehört zu den rund 400 ehrenamtlichen Helfern, die während des Turniers im Einsatz sind. Seine Aufgabe: Den Zugang zum Parkplatz am Friedhofsweg regeln.

1999 fing Jochens als Helfer beim Landesturnier in Rastede an. Er half beim Dressuraufbau und kümmerte sich um alles, was sonst noch anlag. Zuletzt betreute er mehrere Jahre den Parkplatz beim Schloss.

Am Friedhofsweg steht der 70-Jährige aus Hahn-Lehm­den in diesem Jahr zum ersten Mal. Und muss gleich mit einer besonderen Situation umgehen. Da am Vormittag eine große Beerdigung stattfindet, ist der eigentlich für die Ehrengäste reservierte Parkplatz bereits voll. Ein ums andere Mal muss Jochens erklären, dass dort zurzeit keine Plätze zur Verfügung stehen.

Rund zehn Stunden dauert der tägliche Einsatz als Parkplatzwächter. Sein Auto steht gleich hinter der Absperrung, da hat er seine Verpflegung verstaut. Und alle paar Stunden kommt eine Ablösung, damit er sich mal die Beine vertreten kann.

Wenn er danach wieder an seinem Platz steht, geht das Spiel von vorne los. „Ich kontrolliere die Parkkarten und achte darauf, dass die Autofahrer den Parkplatz in die richtige Richtung verlassen“, erklärt Jochens. Bis sich die Ausnahmeregel eingespielt hat, wird er dabei wohl noch ein wenig häufiger „Einbahnstraße“ hinter den Autofahrern herrufen.

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
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