Westerstede Die Sage der Braut von Fikensolt erzählt von einer adligen Dame, die am Hochzeitsmorgen ihren Bräutigam abholen wollte, doch dieser war kurz zuvor aus Eifersucht vergiftet worden. Es war der Stoff, aus dem Erika-Janna Petersen die Vorlage für das erste Stück der Westersteder Theatergemeinschaft, die „Bruut van Fikensolt“, geschrieben hatte. Das ist inzwischen rund 25 Jahre her und war gleichzeitig der Startschuss für eine ganze Reihe von gut besuchten Inszenierungen. Im kommenden Jahr wollen die Theaterleute noch einmal auf diesen heimatgeschichtlichen Stoff zurückgreifen.

„Die Sage beruht auf einer tatsächliche Eintragung im Kirchenbuch. Auf Schloss Fikensolt lebte Junker Johann von Waddewarden, den seine Braut am Hochzeitsmorgen tot vorfand. 2019 ist das genau 350 Jahre her“, erklärt Inga Benavidez, Geschäftsführerin der Freilichttheatergemeinschaft, den Hintergrund. Später rankten sich um dieses geschichtliche Ereignis Gerüchte und Vermutungen – es war eine Sage entstanden. Befeuert wurde diese auch noch durch ein Gemälde, das lange Zeit im Schloss hing. Darauf ist eine adlige Braut zu sehen, der eine Perlenkette überreicht wird – gedeutet als Symbol für Tränen.

Das Braut-Drama als Theaterstück war schon 1992 und bei einer weiteren Aufführung im Jahr 1995 ein Riesenerfolg. Zwar werde die ursprüngliche Vorlage von Erika-Janna Petersen auch diesmal wieder zu Grunde gelegt, doch geplant sei eine Neuinszenierung auf Hochdeutsch mit einigen plattdeutschen Sequenzen, betonte Vorsitzender Winfried Wessels.

Eine ganz eigene Handschrift werde Regisseurin Elke Münch aus Wilhelmshaven hineinbringen, die über eine große Erfahrung bei der Inszenierung von Freilichttheaterstücken verfüge, und jetzt erstmals von der Freilichttheatergemeinschaft verpflichtet werde. Im engeren Vorstand, zu dem auch noch Rechnungsführer Olaf Harbers und zweiter Vorsitzender Bastian Warntjen gehört, wurde auch schon das Kinderstück für die Saison 2019 festgelegt. Hier gibt es ebenfalls ein Wiedersehen: Es ist Pippi Langstrumpf, die 2001 die Herzen der jungen Theaterbesucher erobert hatte. „Die Zuschauer von damals sind jetzt erwachsen, und die Kinder kennen das Stück noch nicht. Unser Publikum wächst eben nach“, erklärte Benavidez lachend.

Das Theaterstück 1992: Die Braut sieht die Perlen und erhält die schreckliche Nachricht. BILD: Archiv
Das bekannte Gemälde „Die Braut von Fikensolt“ hing lange im dortigen Herrensitz. BILD: Archiv

Die Braut von Fikensolt

Auf dem Schloss in Fikensolt fand tatsächlich einmal eine Braut, Maria Schultze zu Holtzen­klinken, am Hochzeitsmorgen ihren Bräutigam, Junker Johann von Waddewarden, tot vor. Das bestätigt eine kirchenamtliche Eintragung aus dem 17. Jahrhundert. Der ungewöhnliche Vorfall regte die Phantasie der Menschen an. Es entstand die Fikensolter Braut-Legende. Der tragische Stoff wurde später auch literarisch verarbeitet.

Im Zusammenhang mit der Sage wird auch ein Gemälde gesehen, das lange im Fikensolter Schlösschen hing. Es zeigt eine adlige Dame, der eine Perlenkette gebracht wird. „Perlen bedeuten Tränen“, soll sie gesagt haben.

Forschungen haben sich ebenfalls mit dem Thema befasst. Wie man inzwischen weiß, hat das Gemälde nichts mit der unglücklichen Fikensolter Braut zu tun. Ein unbekannter Maler hatte das Brautbild um 1680 als Auftragsarbeit gefertigt. Es stellt Amélie de la Trémoille (1652 bis 1732) dar, eine Cousine des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Kunsthistorikerin Dr. Silke Köhn hat die Ergebnisse ihrer Untersuchungen in einer Expertise zusammengetragen.

Das Gemälde wurde 1982 mit weiteren Hinterlassenschaften aus dem Fikensolter Herrensitz verkauft. Heute ist das restaurierte Bild im Besitz der Stiftung für Kunst und Kultur in der Stadt Westerstede.

Regie wird Inge Misegades-Kroll führen. Mit ihr wurde auch schon das Wintermärchen abgestimmt, das in diesem Winter zu sehen sein wird: „Aladin und die Wunderlampe“. Es soll orientalisch bunt und üppig daherkommen. „Das wird ein Farbenrausch“, ist sich Wessels sicher. Mit der Werbung für die Theatersaison soll schon während der Blumenschau „Rhodo“ begonnen werden. Einen passenden Flyer hat Bastian Warntjen entwickelt. Wer Eintrittskarten bekommen möchte, muss sich allerdings noch ein wenig gedulden. Sie werden voraussichtlich erst ab dem Spätsommer zu haben sein.

Kerstin Schumann Redakteurin / Redaktion Westerstede
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.