BAD ZWISCHENAHN BAD ZWISCHENAHN - Einen überaus kurzweiligen Vormittag erlebten die knapp 40 Gäste des Literaturfrühstücks, das die „bibliothek am meer“ im Alten Kurhaus veranstaltete. Wer nicht nur das Meer liebt, der war beim literarischen Frühstück mit Dr. Rainer Moritz, Literaturwissenschaftler, ehemaliger Verlagsleiter von Hoffmann und Campe und jetziger Leiter des Hamburger Kulturhauses, bestens aufgehoben.

„Lieder lügen nicht“, diese Feststellung traf bereits Kurt Tucholsky, stellte der Literat zu Beginn seiner Lesung fest und ergänzte, dass Schnulzen und Gassenhauer mehr über die deutsche Geschichte aussagten, als jede Sozialstudie. Ein „tiefes Trauma“ in seiner Kindheit begründete bei ihm das Schreiben seines Werkes „Und das Meer singt sein Lied“, verkündete der Autor mit einem Augenzwinkern. Die „Große Polydor-Schlagerauslese“ mit den Hits von 1964/65 seiner Eltern hätten den Bezug zum deutschen Liedgut hergestellt. Er habe sich in den 70-er Jahren lieber mit Mary Roos, Chris Roberts oder Bernd Klüver beschäftigt, doch, das gab er freimütig zu, da sei er sehr einsam gewesen. Der deutsche Nachkriegsschlager habe sich dem Meer und seinem Umland „mit Inbrunst gewidmet“. Sein mit Humor, Wortwitz und Hintersinn gespickter Vortrag wurde zu einer ironischen „kulturgeschichtlich inspirierten Fahrt durch die Untiefen des populären Geschmacks“. Denke man an Schlager über das Meer, fielen

einem Freddy oder Lolita ein.. Moritz analysierte, wie der Österreicher Freddy zum Prototyp des heimatlosen Seebären avancierte, oder weshalb die Kindergärtnerin Ditta Zuza Einzinger als „Seemannsbraut Lolita“ Erfolge feiern konnte. Auch das „eindeutig Zweideutige“ habe sich in züchtigen Liedern eingeschleust. So gab Lolita mit „Männer, Masten und Matrosen“ mit der Aussage „Und deiner ist dabei“ eine beruhigende Gewissheit. „Doch, wer ist gemeint? Der Mann, der Matrose oder nur der Mast?“ fragte der Literat.

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