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Rastede Schon am Eingang der „Vintage Race Days“ im Rasteder Schlosspark verliert sich der Besucher in einer anderen Zeit – allerdings nicht so wie bei einem Renn-Wochenende von Vorkriegsfahrzeugen erwartet: Denn abseits der Rennstrecke stehen zahlreiche Militärfahrzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg. Amerikanische Flaggen wehen, Zelte sind aufgebaut, aus einem Grammophon dudelt Swingmusik. Olivgrün ist die beherrschende Farbe, nur der „Willys“, der Urgroßvater des Jeeps, von Kirsten Wesemann ist blau. Navyblau. „Mein Mann war bei der Marine“, erklärt die Bremerin. Sie und zahlreiche andere Freunde historischer Militärfahrzeuge sind an diesem Wochenende bereits zum zweiten Mal auf dem Gelände zu Gast.

Kerstin Wesemann Bild: Schwarz

Alles muss hier stimmen und zumindest dem Original nachempfunden sein: „Die Schrauben an unserem Auto sind allesamt Schlitzschrauben“, sagt Wesemann. Denn: „Kreuzschlitzschrauben wurden damals noch gar nicht verbaut.“ Neben ihr steht ein Tisch vor einem Zelt. Eine historische Karte liegt darauf, mehrere Männer mit Uniformen beugen sich darüber. D-Day in Rastede.

Auf die historische Landung der Alliierten in der Normandie beziehen sich auch Kerstin Wesemann und ihre Gleichgesinnten: „Wir sind die ,Seabees’“, sagt sie. Auf ihrer Uniform prangt das Bild einer bewaffneten Biene im Sturzflug. „So nannte sich die Einheit der US Navy, die 1944 in der Normandie gelandet ist und von dort aus bis nach Bremen gekommen ist.“ Die „Seebienen“ waren Logistiker der US-Armee. Wenn Kerstin Wesemann in ihrer dem Original nachempfundenen Uniform vor ihrem „Willy“ steht, spricht sie von der Einheit als „wir“. An Tagen wie diesen lebt sie die Vergangenheit und bemüht sich, alles so nah wie möglich am Original zu halten.

Wenige Meter weiter, im Innenbereich der Rennstrecke, steht Ulrich Dietz. Der 73-Jährige aus dem Siegerland ist am Freitag mit seinem Talbot Sport von 1935 auf einem Anhänger angereist, mit dem er gleich auf die Piste geht. „Mit geht es um den Spaß“, sagt er. „Wenn ich ein paar Wagen überhole, macht das noch mehr Spaß. Aber ich muss nicht gewinnen.“ Dafür hat er auch ganz pragmatische Gründe: „Meine Frau hat gesagt: Wenn du einen Pott holen willst, musst du ihn auch selbst putzen!“

Ulrich Dietz Bild: Schwarz

Für Dietz ist es die besondere Atmosphäre, die die Veranstaltung in Rastede so besonders macht: „Die anderen Rennen dieser Art sind viel zu kommerziell. Und das Fahren auf der Grasbahn ist auch einmalig!“

Das sieht auch Rennleiter Wilfried Fricke so, der die „Vintage Race Days“ vor sieben Jahren ins Leben gerufen hat: „Mit 60 Startern sind wir das größte Zusammentreffen von Vorkriegsrennwagen in Deutschland“, sagt er. Und das, obwohl es in diesem Jahr erhebliche Konkurrenz gibt, da ein historisches Rennen in Paris zeitgleich stattfindet: „Dahin haben wir 23 Teams aus dem Vorjahr verloren.“ Dennoch bleibt es von der reinen Anzahl der Fahrer her beim Alten, denn 20 Fahrer und Wagen sind neu hinzugekommen.

Sie fahren an diesem Wochenende 20 Rennen in verschiedenen Rennklassen. Die unterscheiden sich mal durch das Baujahr, mal durch die Marke. Wer an den Race Days teilnehmen möchte, muss ein Vorkriegsfahrzeug aus den 1920er- bis 1940er-Jahren vorweisen können. Vereinzelt sind auch Autos von nach 1945 dabei, dann muss zumindest die Technik – Motor, Bremsen, Achsen usw. - auf dem Vorkriegsstand sein.

Wem das Geknatter der Motoren und der Geruch nach Benzin bei aller nostalgischen Rennatmosphäre zu viel wird, zieht sich zur Landpartie in die Pagodenzelte zurück. Hier gibt es von Bratwurst bis Auster etwas für den Magen. Das Vintage-Thema steht auch bei Kleidung und Möbeln hoch im Kurs – und exklusiv darf es auch gerne sein: An einem Stand schwimmt in einem Whirlpool zu Demonstrationszwecken ein Tablett mit Sektgläsern. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich seinen eigenen Oldtimer kaufen. Eine Agentur aus Hamburg bietet historische Fahrzeuge an, auch für den Anfänger: Ein Morris Eight aus dem Jahr 1938 wird als „günstiger Einstieg in die Vorkriegsklasse“ beworben, Kostenpunkt: 28.900 Euro. Und das ist tatsächlich preiswert im Vergleich mit den Summen, die hier oder beim Bentley-Stand zu sehen sind.

Doch teuer muss dieses Hobby ohnehin nicht zwangsläufig sein. „Ich habe an meinem Auto noch nicht einen Tag schrauben müssen“, sagt Wilfried Fricke über seinen MG 6-Zylinder Magnette von 1934, der weltweit ein Unikat sei. „Einmal im Jahr frisches Öl, ein bisschen Wasser – mehr braucht er nicht.“ Und der 100-Oktan-Kraftstoff von der Tankstelle? „Ist auch nur ein paar Cent teurer als der normale.“

Veranstalter Gregor Schober zeigte sich angesichts von rund 10 000 Besuchern hochzufrieden. Im kommenden Jahr finden die Vintage Race Days in Ganderkesee statt – Schober geht davon aus, dass sie 2021 nach Rastede zurückkehren.

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Christian Schwarz Redakteur / Online-Redaktion
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