Osterscheps Helmut und Inge Doege sind in jeder Hinsicht große Naturfreunde. Sie kennen jedes Eichhörnchen, jeden Vogel und fast jedes Insekt in ihrem Garten. „Und wenn sich doch mal ein neuer Schmetterling in unseren Garten verirrt, gucke ich sofort nach, was das für einer ist“, sagt Helmut Doege. 13 verschiedene Arten hat er schon gezählt. Das Buch, mit dem er und seine Frau die Tiere identifizieren, liegt stets parat. „Ich bin halt Gärtner aus Leidenschaft“, sagt Helmut Doege, „und das schon seit über 50 Jahren“.

Um die Insekten machen sich die Doeges besonders große Sorgen. Zwar blüht es in ihrem Garten überall – und Insektenhotels gibt es auch – doch der 66-Jährige ist überzeugt: „Es ist schon nach Zwölf ist und es muss etwas passieren.“ Monokulturen, Überdüngung der Felder, Glyphosat – es gibt viele Dinge, über die sich Helmut und Inge Doege so ihre Gedanken machen. Auch die neumodischen Schottergärten gehören dazu. „Wie soll man denn da den Kindern noch vermitteln, dass es wichtig ist, was für die Insekten zu tun?“, fragt Inge Doege. Außerdem seien diese Anlagen auch nicht pflegeleichter als ein Blühstreifen, gibt die 61-Jährige zu bedenken.

Seit drei Jahren dabei

Neben der fehlenden Blütenvielfalt spielt aber noch etwas anderes eine entscheidende Rolle – vom Menschen gemachte Barrieren: „Es gibt Maisfelder, die so groß sind, dass die Bienen nicht mehr wissen, wie sie die überwinden sollen“, klagt Helmut Doege an, „und irgendwann wundern sich die Leute, warum keine Äpfel mehr an den Bäumen hängen“.

Das NWZ-Insektenjahr

Seit einigen Wochen berichtet die NWZ regelmäßig über alles, was da krabbelt und kreucht im Garten. Hintergrund ist das ausgerufene Insektenjahr. Bis Ende September veröffentlichen wir auf unseren Regionsseiten Expertentipps, wie man eine insektenfreundliche Fläche anlegt (auch auf Balkon oder Terrasse) und welche Pflanzen besonders geeignet sind. Außerdem berichten wir über Initiativen und Aktionen, mit denen Insekten geschützt werden. Als Partner mit an Bord sind der Nabu Oldenburger Land, der Park der Gärten in Bad Zwischenahn und das Landesmuseum Natur und Mensch.

So sind schon einige Themen zusammengekommen, die auf unserer Internetseite als Themenspezial gesammelt abgerufen werden können. Dort finden sich Berichte und Videos rund um Insekten und Insektenschutz mit praktischen Tipps und Hinweisen. Zudem liefert eine interaktive Karte Einblicke, wo das Oldenburger Land insektenfreundlicher gestaltet wird. Entsprechende Flächen können per Mail an Insektenjahr@nwzmedien.de gemeldet werden. Die Daten werden anonymisiert in eine interaktive Karte eingefügt.

Mehr Infos unter: www.nwzonline.de/insektenjahr

Seit drei Jahren tragen die Osterschepser im größeren Stil dazu bei, dass sich in Sachen Bienen-Misere etwas ändert. Geholfen hat dabei der Hegering Edewecht, der Interessierten Jahr für Jahr Samenmischungen zur Verfügung stellt, damit auf privaten Grundstücken Blütenmeere für Bienen und Insekten entstehen können. „Wir hatten früher einen Baumschulbetrieb im Nebenerwerb“, erzählt Helmut Doege, „und nach dem Renteneintritt ist das natürlich peu á peu weniger geworden“. Was blieb, waren die seit Jahrzehnten gepachteten Flächen.

7,5 Kilogramm Saatgut

Vor drei Jahren beschloss er, die Brachen für den Naturschutz zu nutzen. „Am Anfang waren es 600, danach 800 Quadratmeter“, erinnert sich der Pensionär, „da konnte ich das Saatgut vom Hegering noch selbst ausbringen“. Jetzt aber seien es 6000 Quadratmeter und 7,5 Kilogramm Samen. Der benachbarte Biohof erklärte sich bereit, das zu übernehmen. „Ich habe da nicht lange betteln müssen, sondern bin offene Türen mit meinem Anliegen eingerannt“, freut sich der 66-Jährige. Dies soll in der laufenden Woche endlich geschehen. „Normalerweise sagt man, dass man die Eisheiligen abwarten sollte, um die Keimlinge vor eventuellem Frost zu beschützen“, weiß Helmut Doege.

Zwei Wochen wird es dann dauern, bis das Saatgut keimt. Für Juli erwarten die Doeges dann eine Blütenpracht, die hoffentlich nicht unter einem ähnlich trockenen Sommer wie im vergangenen Jahr wird leiden müssen. Denn: Die Beregnungsanlage, die seit dem Ende des Baumschulbetriebs noch installiert war, musste für die Erdarbeiten deinstalliert werden. „Man kann die natürlich auch wieder in Betrieb nehmen“, erklärt Doege, „aber das ist mit viel Aufwand verbunden“.

Tiefbrunnen liefert Wasser

Der Tiefbrunnen im Garten der Doeges ist noch in Betrieb. Aus einer Tiefe von 20 Metern wird am Rande des Grundstücks das Grundwasser nach oben gepumpt – selbst im Hitzesommer 2018 ist der Brunnen nie versiegt. „Allerdings müssten die Leitungen wieder verlegt und die Regner auf Stativen wieder installiert werden“, sagt Doege. Man müsse doch irgendetwas tun, um die Insektenvielfalt zu wahren, die noch da sei. Und zwar jetzt.

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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