Ofenerfeld Eigentlich fehlten nur das Knistern des Herdfeuers und eine Tasse Tee für alle. Gemütlich war es im Heinrich-Kunst-Haus, als sich sechs seiner teilweise langen Weggefährten von Heinrich Kunst dort trafen. „Beleven mit Heini Kunst – Zeitzeugen erinnern sich“ war das Thema. Ein gemütlicher Abend, der von dem ehemaligen Leiter der August-Hinrichs-Bühne am Oldenburger Staatstheater, Herwig Dust, souverän – natürlich auf Plattdeutsch – moderiert wurde.

Jeder wusste etwas Nettes, Liebes und immer Wissenswertes über Heinrich Kunst zu sagen. Ursula Hinrichs hat sogar mit ihm auf der Bühne gestanden. Ebenso Günter Mües. Sie erinnern sich noch gut, dass er damals dem Ruf an das Ohnsorg Theater in Hamburg mit Rücksicht auf seine Frau nicht gefolgt war. „Er war so ein feiner Kerl“, wurde von allen jeder Aussage über ihn vorangestellt. Dr. Dieter Thierfeld, langjähriger Vorsitzender vom Verein Begegnungsstätte Heinrich-Kunst und nach Aussage von Dust „de vadder van dat Ganze“ erinnert sich an die erste Begegnung auf dem Feuerwehrball in Metjendorf 1971. „Ich war mit Heinrich Kunst fast täglich im Gespräch“, erinnert er sich. Helmut Bollmann konnte aus dem gemeinsamen Erleben aus dem „Piepenclub“ erzählen. „Heinrich Kunst hat nie geraucht, war aber Mitglied im Piepenclub in Metjendorf“, so Bollmann.

Kunst und Ursula Hinrichs sind immer mit dem Zug nach Bremen und dann mit dem Bus zu den abgelegenen Studios von Radio Bremen gefahren, um dort Hörspiele aufzunehmen. So war er beispielsweise zwischen 1963 und Mitte der 1980er Jahre gemeinsam mit Ursula Hinrichs in der monatlich von Radio Bremen ausgestrahlten Hörfunkreihe „Zwei schlicht – zwei kraus“ in der Rolle von Hinnerk Heidschnuck zu hören gewesen. Ursula Hinrichs spielte das Gänselieschen. Es wurden aktuelle Nachrichten und Ereignisse kommentiert. 250 Sendungen haben die beiden zusammen produziert. „In der Zeit habe ich vier Kinder geboren“, erzählt Hinrichs.

Als kantig, aber akkurat, als kniepig, aber nicht geizig wurde er bezeichnet. Er konnte großzügig sein, wenn es um einen guten Zweck ging. Hilfsbereit war er, wenn er seine Funktion als Bezirksvorsteher geltend machen konnte und eine gute Freundin auf dem kurzen Dienstweg neue Papiere brauchte.

Neun Monate war Heinrich Kunst während des Zweiten Weltkrieges im Lazarett. Aber auch in dieser Zeit war er kreativ und hat Anzeigen für Hochzeiten und andere Familienereignisse „gedichtet“.

Dust trug aus einer Überlieferung aus dem Jahre 1987 den Werdegang des Volksschauspielers vor. Eine Schauspielschule habe der Vollblutschauspieler nie besucht, so Pastor Munzel. „Aber er hat Lehrgänge und vielleicht hier und da Unterricht gehabt“, weiß der Pastor. „Use Heini“, wurde er zum Schluss des Abends liebevoll von Herwig Dust genannt.

Heinrich Kunst gründete in den zwanziger Jahren die plattdeutsche Theatergruppe Ofenerdiek und wurde 1931 Mitglied der Niederdeutschen Bühne am Landestheater Oldenburg. Dieser Bühne, später die August-Hinrichs-Bühne, gehörte er bis zu seinem Lebensende an. Heinrich Kunst war Film- und Theaterschauspieler, Hörspielsprecher, Ehrenbürger in Wiefelstede und im Landkreis Ammerland und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Er wurde 1905 in Ofenerfeld geboren und ist 1993 dort gestorben.

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