Daten und Fakten zur Glücksspielsucht

Der Umsatz bei Glücksspielen belief sich bundesweit im Jahr 2008 auf 27,62 Milliarden Euro. Davon verzeichnete der Staat 4,13 Milliarden Euro Steuereinnahmen. Das ist ein höherer Betrag als die Einnahmen aus der Alkoholsteuer.

Im gesamten Bundesgebiet wird die Zahl der Glücksspielsüchtigen auf 220 000 bis 400 000 Betroffene geschätzt.

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Die 47-Jährige kommt aus Wardenburg. Sie will vor allem präventiv tätig werden.

Von Marc Kuhlmann

Bad Zwischenahn Das Szenario ist bekannt: Vorne bestellt der Familienvater an der Theke des Schnellimbisses, im Hintergrund erklingt unüberhörbar die eintönige Melodie aus einem Spielautomaten. Zugegeben: Die meisten Glücksspielsüchtigen suchen vermutlich eher ein Kasino oder große Spielotheken auf, doch Spielautomaten findet man heute nahezu an jeder Ecke. Gerade im Ammerland. „Man mag es kaum glauben, aber hier in der Region ist die Dichte dieser Geräte pro Einwohner besonders hoch“, erläutert Sabine Mix-Puschmann. Die 47-jährige Sozialpädagogin betreut seit dem 1. Mai Glücksspielsüchtige im Ammerland und dem Landkreis Oldenburg.

Große Erfahrung

„Prävention und Intervention bei problematischem und pathologischem Glücksspielverhalten“, lautet das vom Land Niedersachsen ins Leben gerufene Modellprojekt. 3,2 Millionen Euro fließen für vier Jahre, 24 halbe Stellen als Präventionskraft für Glücksspiele wurden geschaffen, eine davon besetzt Sabine Mix-Puschmann. Die Sozialtherapeutin aus Wardenburg hat bereits 18 Jahre Erfahrung in der Suchttherapie gesammelt. Zuletzt arbeitete sie fünf Jahre lang in der Jugendhilfe. Seit knapp zwei Monaten findet man die 47-Jährige nun in der Diakonie Suchthilfe in Bad Zwischenahn.

„Zurzeit geht es vorrangig darum, mich erst einmal bekannt zu machen, Netzwerke zu knüpfen, mich bei Einrichtungen wie der Arge oder Schuldnerberatung vorzustellen“, erzählt Mix-Puschmann. Ihre Aufgabe für die nächsten zweieinhalb Jahre wird es sein, Glücksspielsüchtige in der Region ausfindig zu machen. Aber: Die Teilnahme an einer möglichen Behandlung bleibt freiwillig, gezwungen werden kann niemand.

„Die Probleme der Süchtigen gehen zumeist auf die Kindheit zurück, oder auf Gewalt oder Frusterlebnisse. Bis die ersten Fälle bei uns in der Beratungsstelle landen, haben sich bereits 25 000 bis 40 000 Euro Schulden aufgehäuft“, sagt Mix-Puschmann. „Ziel muss es sein, diese Menschen aufzufangen, bevor sie überhaupt erst der richtigen Spielsucht verfallen“, betont die Wardenburgerin.

Klare Männerdomäne

Glücksspielsucht ist mittlerweile als Krankheit anerkannt und belastet den Etat der Rentenversicherungsträger in nicht unerheblichem Maße. In Bad Zwischenahn liefen vor Beginn des Modellprojektes immer mal wieder vereinzelt Glücksspielsüchtige mit, im ersten Projektjahr „explodierte“ diese Zahl dann auf 13 Betroffene. Elf teilnehmende Männer zeigen, dass Glücksspielsucht klar eine Männerdomäne ist und auch bleibt. „Frauen spielen meist anders, habe oft eine Bremse, weil sie sich zu Hause verantwortlich fühlen“, berichtet Mix-Puschmann.

Die Präventionskraft will die Zahl derer, die die Beratungsstelle aufsuchen, ausbauen und die Erfolgsquote auf Heilung verbessern. „Die liegt jetzt schon bei 50 Prozent“, so die 47-Jährige. Ein Zeichen, dass sich die Investition des Landes lohnen könnte. Die Eingewöhnungszeit für Mix-Puschmann ist spätestens an diesem Donnerstag beendet. Dann hat die Sozialpädagogin ihren ersten persönlichen Kontakt mit einem Glücksspielsüchtigen im Ammerland.

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