Felde Müsste es, wenn eine „kleine Nachmusik“ berühmtgeworden ist, nicht auch eine große geben? Was Mozart recht ist, könnte Johann Sebastian Bach billig sein: Klavierspieler nennen seine „Goldberg-Variationen“ schon mal „Bachs große Nachtmusik“. Wie groß die Musik in diesen 30 Variationen über den Bass einer zierlichen Aria ist, erfuhren die Hörer in zwei Konzerten in der Kapelle in Felde. Dazu gab es ein Geburtstagsständchen für Veranstalter Holger Harms-Bartholdy.

Das Hyperion-Trio aus Hannover bereichert die traditionsreiche Konzertreihe mit einer Transkription der Variationen durch den Geiger Dmitry Sitkovetsky für drei Streicher. Sie stellt den Reichtum an Klangfarben besonders heraus, verdeutlicht Linien, verändert auch Ausdrucksmomente. In der Gesamthaltung wirkt das einstündige Kompendium der Veränderungskunst durchaus etwas introvertierter als auf einem Tasteninstrument, aber auch tiefer greifend wie in der in sich ruhenden Variatio 25.

Ebenso virtuos wie spielfreudig präsentieren sich Oliver Kipp (Violine), Peter Meier (Viola) und Katharina Troe (Violoncello). Der Geiger spielt seine Partner nicht an die Wand. Das gilt besonders in den anderen Werken von Schubert und Beethoven trotz der kompositorisch dominanten Violinstimme. Das Ensemble wirkt intellektuell und emotional bestens abgestimmt. Die drei Musiker tischen keine vordergründige Virtuosität auf. Bei aller Vertrautheit miteinander streuen sie die belebende Dosis an Unberechenbarkeit inmitten der gefestigten Formen-Logik ein. Und der Celloklang erwärmt besonders.

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Beethovens c-Moll-Trio op. 9 Nr. 3 gehen die Hyperions fast rückschauend vom dezent in C-Dur verklingenden Schluss her an. Keineswegs scheuen sie die Kontraste und Aufwallungen im Allegro. Doch die Konflikte überspitzen sie nie. Auch der Triolensturm im Presto folgt den Regeln kontrollierter Diskussion mit Ausreden und Zuhören. Dieser Beethoven ist griffig, drängend, schön – aber auch ein bisschen ungefährlich. Schuberts einleitender Triosatz B-Dur D 471 liegt auf dieser Linie.

Was im Übrigen das Attribut „Nachtmusik“ für die Variationen angeht: Der russische Gesandte Graf von Keyserlingk soll Bach um einige „Clavierstücke“ gebeten haben. Sein Cembalist Johann Gottlieb Goldberg sollte ihm diese in schlaflosen Nächten zur Erbauung vortragen. Doch an dieser Überlieferung rüttelt die neuere Forschung. Die Geschichte sei zwar schön, aber nur bedingt wahr. Allein zu solchem Anlass hätte Bach kaum ein so Epoche machendes Werk verfasst. Da ist etwas dran.

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