Westerstede Historische Daten bestimmten den Jahreslauf in der Ammerländer Kreisstadt. Beim Niedersachsentag, der nach 23 Jahren wieder in Westerstede stattfand, spannten die Veranstalter den Bogen zwischen früher und heute. Ausrichter war der Niedersächsische Heimatbund in Kooperation mit der Oldenburgischen Landschaft, dem Landkreis Ammerland und der Stadt Westerstede. An der Großveranstaltung am 8. und 9. Mai nahmen nicht nur Ministerpräsident Stephan Weil, sondern viele weitere Gäste aus ganz Niedersachsen teil.

An dem Programm zum Leitthema „70 Jahre Frieden – 70 Jahre Demokratie: erinnern – zusammenbringen – bewegen“ hatten sich viele Bürger, darunter auch viele junge Leute, beteiligt. So hatten Schüler der Robert-Dannemann-Schule Zeitzeugen befragt und die Ergebnisse für eine Ausstellung zusammengestellt. Zwei Auszubildende der Stadtverwaltung hatten sich Fragen überlegt und ältere Menschen aus ihrem Leben erzählen lassen. Herausgekommen war ein Film, der als bewegendes Zeitdokument die Zuschauer beeindruckte.

Auf der Thalenweide war ein Stand aufgebaut worden, an dem Asylbewerber mit Ammerländern ins Gespräch kommen sollten. Serviert wurden orientalische Teigtaschen und schlesischer Mohnkuchen, als Symbol für die Flüchtlinge damals und heute, aber auch als Möglichkeit, sich übers Essen anzunähern.

Mit einer bewegenden Feierstunde ging der Niedersachsentag schließlich zu Ende. Kevin Klimpel (ovales Bild), 26-jähriger Urenkel des Landschaftsgärtners Hermann Klimpel, pflanzte hinter dem Gebäude der Stadtbücherei eine Rose zum Gedenken an den jüdischen Viehhändler Karl Polak, der unter Verfolgung und sozialer Isolation zu leiden hatte.

An ein geschichtliches Ereignis wurde ebenfalls beim Thema „200 Jahre Stadtbrand“ erinnert: Für Westerstede war es eine Katastrophe, als dort Mitte April 1815 ein großer Brand ausbrach und mehr als ein Drittel der Häuser rund um die Kirche zerstörte. Doch die Stadtväter nutzten die Chance zu einer Neuordnung: Auf der freigewordenen Fläche entstanden zu Füßen der St.-Petri-Kirche als Mittelpunkt der Alte Marktplatz und neue Wege, gesäumt von den wiederaufgebauten Häusern. Wie Schriften des Stadtarchivs belegen, hat sich damit nicht nur das Stadtbild verändert, Westerstede entwickelte sich auch vom Kirchdorf zum gewerblichen Flecken. In einer Ausstellung zum Frühjahrsmarkt wurde gezeigt, dass Zerstörung nicht nur Leid, sondern auch die Chance zum Neuanfang und zur Neuordnung bietet. Sie wurde in der früheren Kornbrennerei Koch präsentiert, wo sich seinerzeit die folgenschwere Explosion ereignet hatte, die zum Großbrand führte.

Dieses Leitthema fand sich auch in den Aufführungen der Freilichttheatergemeinschaft im Sommer wieder. Im Stück „Der schwarze Graf“ wurde dieses heimatgeschichtliche Ereignis verarbeitet und in eine Liebesgeschichte eingebettet. Das kam an: Tausende Zuschauer verfolgten die Handlung.

Mit einem neuen Gesicht präsentierte sich auch ein historisches Gebäude: der Jaspers-Hof. Im jetzt zu Ende gehenden Jahr waren die Räumlichkeiten weitgehend renoviert worden. Der „Tag des offenen Denkmals“ im September zog zahlreiche Besucher an. Hier präsentierte sich das frisch eingezogene Stadtarchiv. Im Spätherbst wurde im Gebäude schließlich noch ein Standesamt eingerichtet, wo inzwischen die erste Ehe geschlossen wurde.

Bedeutsame Ereignisse gab es ebenfalls in zwei Kirchen: Nach 34 Jahren zähem Ringen sind drei Heiligenfiguren in die Westersteder St.-Petri-Kirche zurückgekehrt. Sie waren vom Landesmuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden. Damit hatten die jahrzehntelangen Bemühungen der kirchengeschichtlich interessierten ehemaligen Lehrerin Ingeborg Posega Früchte getragen.

Einen historischen Moment erlebte Ende des Jahres schließlich noch die katholische Kirchengemeinde in Westerstede. Feierlich geweiht wurde im Dezember eine neue Glocke.

Kerstin Schumann Redakteurin / Redaktion Westerstede
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